Literatur

Krimi über perfide Erbschleicherei: Alles begann in Mülheim

| Lesedauer: 4 Minuten
Die beiden Autoren Hanns-Stephan Haas und Peter Wenig bei einer Lesung in der Elbphilharmonie. Ihr Kriminalroman spielt auch in Mülheim.

Die beiden Autoren Hanns-Stephan Haas und Peter Wenig bei einer Lesung in der Elbphilharmonie. Ihr Kriminalroman spielt auch in Mülheim.

Foto: Stefanie Kapra

Mülheim.  Einen mitreißenden Krimi mit Tiefgang haben Peter Wenig und Hanns-Stephan Haas (ein Ex-Mülheimer) geschrieben. Vieles dreht sich dabei um Mülheim.

Alles beginnt in Mülheim, im Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Prof. Kranz macht eine bahnbrechende Entdeckung – und er beteiligt seinen Werkstudenten Fritz Benzow an den Patentrechten. Der junge Chemiker wird dadurch vermögend, zieht nach Hamburg, heiratet seine große Liebe Anna-Lena. Nach seinem Unfall-Tod bleibt seine Frau allein in der luxuriösen Villa zurück. Die besondere Tragik: Die Witwe ist an Alzheimer erkrankt. Ein halbseidener Wirt und ein niederträchtiger Notar wittern daher die Chance, an ihr Geld zu kommen. Zudem will sich ein gescheiterter Chemiker an ihr rächen.

Soweit zur Handlung des neuen Kriminalromans „Vergiss den Tod“ von Peter Wenig und Hanns-Stephan Haas, den der Junius Verlag und die Funkemedien-Gruppe herausgegeben haben. Es ist ein klassischer Hamburg-Krimi und genau deshalb haben die Autoren ihn im Rahmen des Hamburger Krimifestivals in der Elbphilharmonie vorgestellt. Im Buch gibt es allerdings auch viele Bezüge zu Mülheim. Vorbild für die fiktive Figur des Prof. Kranz war kein Geringerer als Nobelpreisträger Prof. Karl Ziegler, der mit dem Ziegler-Natta-Verfahren die Grundlagen für die Massenproduktion von Kunststoffen wie Polyethylen und Polypropylen erfand und zahlreiche Patente anmeldete.

Einer der beiden befreundeten Autoren ist in Mülheim aufgewachsen

„Mülheim taucht immer wieder mal in unserer Geschichte auf“, sagt Hanns-Stephan Haas. Das liegt auch daran, dass der promovierte Theologe und Ökonom hier aufgewachsen ist. Er besuchte das Otto Pankok-Gymnasium und kehrte nach dem Studium als Vikar in die Ev. Kirchengemeinde in Holthausen zurück.

Haas und sein Freund Peter Wenig, ein Journalist (er war unter anderem Reporter und Ressortleiter beim Hamburger Abendblatt), haben rund ein Jahr lang an dem 300 Seiten starken Roman gestrickt. „Es hat relativ lange gedauert, bis wir den Plot und das Personal herausgearbeitet hatten. Dann haben wir angefangen zu schreiben, jeder immer ein Kapitel“, berichten sie. Diskutiert wurde über die Texte oft. Manche Situationsbeschreibung von Wenig war dem Theologen „zu journalistisch“, mancher Liebesdialog von Haas dem Journalisten „zu kitschig“. „Das hätte eine Freundschaft sprengen können, aber es hat unsere Verbindung gestärkt“, sagen die zwei Schriftsteller lachend.

Aber zurück zum Buch, das übrigens auf einer wahren Begebenheit beruht. Auslöser für den Roman war eine Gerichtsverhandlung, die der Reporter Peter Wenig und Hanns-Stephan Haas, damals Vorstandsvorsitzender einer Evangelischen Stiftung, mitverfolgten.

Eine demente alte Frau war von verschiedenen Personen betrogen und ausgenommen worden. „Uns wurde deutlich, wie komplex die rechtlichen Fragen rund um die Demenz waren. Es ging um eine Testamentsänderung und unter anderem um die Frage nach Geschäftsfähigkeit und Selbstbestimmung der alten Dame“, berichtet Haas. Aber auch das Menschliche an dem Fall berührte die Autoren sehr. Um fachkundig und detailgetreu (be)schreiben zu können, recherchierten sie umfassend, befragten viele Fachleute – Mediziner, Chemiker, Juristen, Psychologen. . .

Handlung führt in die Vergangenheit, springt dann wieder in die Gegenwart

So ist ihr erstes gemeinsames Werk kenntnisreich, anrührend und humorvoll geworden – sowie auch rasant. In kurzen und knackigen Kapiteln, mehreren Erzählsträngen und aus unterschiedlichen Perspektiven wird die Handlung vorangetrieben. Sie führt in die Vergangenheit, springt dann wieder in die Gegenwart. Echte Typen kommen in der facettenreichen Story vor, zu „Ermittlern“ werden beispielsweise ein Pastor und eine Kriegsreporterin. Wie bei einem Mosaik setzt sich die Geschichte aus vielen kleinen Steinchen – also Szenen – zusammen. Sie spiegelt auch Teile unseres aktuellen Lebens, berichtet vom Mobbing unter Wissenschaftlern, von Familienkonflikten, sexueller Belästigung, aktuellen Kriegen und Krisen in der Welt.

Fazit: „Vergiss den Tod“ ist richtig spannend, man möchte das Buch am liebsten in einem Rutsch durchlesen. Peter Wenig und Hanns-Stephan Haas haben übrigens schon eine kleine Vortragsreise mit ihrem Erstlingswerk gestartet. Gerne würden sie auch in Mülheim vorlesen. Denn: Hier (im Max-Planck-Institut) beginnt schließlich alles.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und kostet 16 Euro. Weitere Infos auf www,diekrimischreiber.de.

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