Festival für Neue Musik

Grenzüberschreitende Konzerte in der Mülheimer Petrikirche

Gijs Burger leitete das Konzert mit dem „Deutschen Requiem“ vom Brahms am

Gijs Burger leitete das Konzert mit dem „Deutschen Requiem“ vom Brahms am

Foto: Archiv, Julia Althoff

Mülheim.  „Utopie jetzt!“, hieß am Wochenende bereits zum 12. Mal in der Petrikirche. Diesmal widmete sich die Reihe Musik von Tod, Trauer und Trost.

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„Utopie jetzt!“, das Festival für Neue Musik an und in der Petrikirche, erlebte am Wochenende bereits seine 12. Auflage. Es überschreitet gewohnte Grenzen, stellt Bekanntes in neue Zusammenhänge und lässt es so in seiner geistigen Substanz neu begreifen. Dabei signalisierte schon das diesjährige Motto „Zappenduster“ in seiner Umgangssprachlichkeit eine leicht ironisch gefärbte Gelassenheit vor dem Unausweichlichen von Tod, Leid und Trauer, die das Thema der Konzerte waren.

Typisch hierfür die Eröffnung des Festivals durch eine Brachial-Musik liefernde Death-Metal-Band, die sich „Axolotl“ nennt nach einem mexikanischen Lurch, der nie erwachsen wird, sich aber trotzdem fortpflanzen und sogar zerstörte Körperteile regenerieren kann.

Zentrale Veranstaltung war am Sonntag in der ausverkauften Petrikirche eine musikalisch kommentierte Aufführung des „Deutschen Requiems“ von Brahms. Zu Beginn ein Violinsolo von Salvatore Sciarrino, gespielt von Karin Nakayama: Ein farbiges Flirren, das einen Raum von magisch-beschwörender Jenseitigkeit suggeriert, aus dessen Tiefen dann Brahms’ „Selig sind...“ aufsteigt. In ruhigen Tempi, aber mit konzentrierter gestalterischer Eindringlichkeit nahm Gijs Burger dieses beschwörende Moment auf, wobei ihm der Chor mit spürbarem Engagement folgte. Thomas Laske gab der Bariton-Partie prophetenhafte Statur, während Gela Birckenstaedt der über allem schwebenden „tröstenden Mutter“ Ausdruck verlieh. Dass der Orchesterpart bei Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker in besten Händen lag, ist selbstverständlich.

Kommentiert wurde Brahms durch vier eingeschobene Orchesterstücke „Das Lesen der Schrift“, mit denen der Komponist Wolfgang Rihm die Gedanken des Textes in seiner musikalischen Sprache aufgreift. Das letzte, „Consolation“, konnte Erinnerungen an das einleitende Solo von Sciarrino wachrufen. Hier schloss sich ein Kreis, der auch manches bei Brahms neu hören ließ.

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