Flugsport

Heiligenhauser Pilot hebt bei Segelflug-Meisterschaft ab

Kevin Holota vom Sportflug Niederberg tritt mit seinem Flugzeug „Standard-Libelle“ bei der Deutschen Segelflug-Meisterschaft in Zwickau an.

Kevin Holota vom Sportflug Niederberg tritt mit seinem Flugzeug „Standard-Libelle“ bei der Deutschen Segelflug-Meisterschaft in Zwickau an.

Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Kevin Holota nimmt an der Deutschen Meisterschaft im Segelfliegen in Zwickau teil. Was die Königsdisziplin dieses Sports so besonders macht.

Endlich hat es Kevin Holota geschafft: Im vergangenen Jahr hat sich der Heiligenhauser für die Deutsche Segelflug-Meisterschaft in der Clubklasse qualifiziert, die vom 20. bis 31. Mai in Zwickau ausgetragen wird. Das sei schon was Besonderes: „Aus der direkten Umgebung kommt keiner, die nächsten sind aus Aachen. Vom Sportflug Niederberg hat schon seit langem keiner mehr an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen“, so der 30-Jährige, der schon mehrere Versuche unternommen hat, um an der Königsdisziplin des Segelflugs teilzunehmen.

„Man wächst mit seiner fliegerischen Karriere. Je mehr man fliegt, desto mehr Erfahrungen macht man. Jede Stunde zählt, um sich zu verbessern und zu lernen.“ Durchaus positiv bewertet der Flieger seine Erfahrungen, die er vor anderthalb Jahren im südlichen Afrika gemacht hat, als er über die Wüste von Namibia segelte, begleitet von Aasgeiern.

Holota will der Konkurrenz davonfliegen

Diese Begegnungen wird er über Sachsen wohl nicht machen, dafür muss er sehen, wie er Wolken und Aufwinde ausnutzen kann, um schneller zu werden, damit er der Konkurrenz davonfliegen kann.

Vor dem Start werden die Fluggeräte von einem Motorflugzeug in die Höhe geschleppt. „Es gibt eine Abfluglinie, die über Funk geöffnet wird, die ist zwei Stunden offen. Es müssen Wendepunkte umrundet werden.“ Ein so genannter Logger, ein zugelassenes GPS-gesteuertes Aufzeichnungsgerät, hält alle vier Sekunden die Position fest. Es zählt, wer zuerst wieder am Ausgangsort eintrifft, danach werden die Daten ausgewertet. Die Meisterschaft dauert ganze zehn Tage. „Morgens erhalten wir unsere Aufgabe, ein Meteorologe sagt uns voraus, wie sich die Wolken entwickeln.“

Bei Regen können die 30 Schönwetterflieger nicht aufsteigen. „Dann schauen wir uns Zwickau und Umgebung an. Ein beliebtes Ziel sind für uns natürlich immer Luftfahrtmuseen“, so der Heiligenhauser. Übernachtet wird meistens in Zelten: „Es ist alles sehr familiär, abends sitzt man zusammen und tauscht seine Erfahrungen aus.“ Kevin Holota kam über seinen Vater zum Fliegen, der zeitweise auch die Modellfluggruppe des Sportflug Niederberg leitete.

Erster Alleinflug bereits mit 14 Jahren

Seinen ersten Alleinflug absolvierte er bereits mit 14 Jahren, seitdem hat ihn die Faszination des Segelfliegens nicht mehr losgelassen. Bei seinem aktuellen Flugzeug handelt es sind um eine Standard-Libelle aus Glasfaser mit einer Flügelspannweite von 15 Metern, maximal 350 Kilo schwer und bis zu 250 Kilometer schnell. Vor dem Start werden alle Flugmaschinen von der Wettbewerbsleitung in Augenschein genommen und so ausgestattet, dass für alle gleiche Bedingungen herrschen.

Das Gewicht der Flugzeuge ist von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, in der Höhe auf Geschwindigkeit zu kommen. Trotz hochmoderner Instrumente an Bord ist ein simpler Wollfaden auf der Cockpithaube für die Segelflieger von ganz großer Bedeutung. „Der zeigt die Luftströmung an. Sollte der unterwegs verloren gehen, wäre das ganz schön blöd“, so der gelernte Flugzeugmechaniker.

Ein Team begleitet den Piloten

Begleitetet wird Kevin Holota von einem kleinen Team, das ihm hilfreich zur Hand geht. Außerdem sind diese dann mit Auto und Transportanhänger zur Stelle, wenn der Heiligenhauser keinen Aufwind mehr haben sollte und zu einer Außenlandung auf irgendeinem Acker gezwungen wird. Zur Standardausrüstung der Segler gehört ein Fallschirm. Bisher hat Kevin Holota noch nie einen Fallschirmsprung unternommen. Und das soll auch so bleiben: „Ich springe nicht aus einem intakten Flugzeug!“

>> SEGELFLUG HAT EINE LANGE TRADITION

  • Segelflug ist ein über die Jahrzehnte historisch gewachsenes Kulturgut mit reicher Tradition.
  • Nachdem der Flugpionier Otto Lilienthal in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderte die ersten wissenschaftlichen Grundlagen und praktischen Erfahrungen geliefert hatte, vollzog sich eine kontinuierliche Weiterentwicklung der aerodynamischen Erkenntnisse und Perfektionierung der technischen Materialien zu dem ausgereiften heutigen Segelflugsport.

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