Kirchen

Katholiken: Ab 2020 nur noch drei Kirchen in Gladbeck

Ringen um die Kirchenzukunft (v.l.): Pastoralreferent Ludger Schollas, Propst André Müller  und Klemens Hasenberg, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, berichten bei einer Pressekonferenz über die Anpassungsmaßnahmen der Großpfarrei St. Lamberti.

Ringen um die Kirchenzukunft (v.l.): Pastoralreferent Ludger Schollas, Propst André Müller und Klemens Hasenberg, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, berichten bei einer Pressekonferenz über die Anpassungsmaßnahmen der Großpfarrei St. Lamberti.

Foto: FUNKE FotoServices

Gladbeck.   Die Pfarrei St. Lamberti reagiert mit drastischen Anpassungen auf die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und gibt bald vier weitere Kirchen auf.

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Die katholische Kirche in Gladbeck steht in den nächsten Jahren vor massiven, schmerzhaften Veränderungen: Die Großpfarrei St. Lamberti wird ab 2020 nur noch in drei Kirchen regelmäßig Gottesdienste feiern. Das gaben Propst André Müller und Vertreter des Pastoralteams, des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates am Samstag bekannt, die aber gleichzeitig betonten, dass sich die katholische Kirche nicht aus den Ortsteilen zurückziehen wird.

Weiter liturgisch genutzt werden St. Lamberti als Hauptkirche der Pfarrei, St. Josef Rentfort und St. Marien Brauck, wo ein sozialer Standort gemeinsam mit dem Familienzentrum und dem Caritas-Seniorenzentrum unter Reaktivierung des Pfarrhauses entwickelt werden soll. Diakonisches Wirken soll sich von dem Standort aus entwickeln. Gleichzeitig sollen das Jugendheim und das Gemeindeheim (ehem. Hort) nicht mehr genutzt werden.

"Der Anzug, den wir anhaben, ist drei Nummern zu groß"

Nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden und insofern aufgegeben werden die Kirchen Heilig Kreuz Butendorf, St. Johannes Mitte-Ost, Herz Jesu Zweckel und St. Franziskus Rentfort-Nord, auch wenn es mit Heilig Kreuz und Herz Jesu, so Müller, zwei Kirchen gebe, die stadtbildprägend seien und unter Denkmalschutz stehen. „Weh tut es in allen Fällen, aber wenn wir nicht reagieren, sind wir 2020 mit unserem Haushalt defizitär“, so Propst Müller. Vor allem in St. Johannes, aber auch in Herz Jesu stünden erhebliche Instandhaltungsmaßnahmen an, die nicht mehr zu stemmen seien. Auch die Pfarrhäuser spielen in dem nun verabschiedeten „Rahmenplan zur Nutzung kirchlicher Gebäude“ an den genannten Kirchenstandorten keine Rolle mehr.

Angesichts sinkender Gläubigenzahlen, sinkender Nachfrage nach Eucharistiefeiern, fallenden Zahlen von Sakramentennachfragen (wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen) und einknickenden Kirchensteuereinnahmen „ist der Anzug, den wir anhaben, drei Nummern zu groß.“ Die Kirchen in Gladbeck böten 6000 Sitzplätze, im Vergleich zu 1980 sei aber die Zahl der Gottesdienstbesucher auf ein Viertel geschrumpft. Er lag zuletzt „an guten Sonntagen“ bei knapp über 2000.

Müller: „Wir müssen unsere Ressourcen auf Notwendigkeiten überprüfen.“ Die hohen Betriebskosten der Gotteshäuser seien angesichts dessen, dass sie pastoral nicht mehr in dem Maße wie früher genutzt werden, nicht weiter zu rechtfertigen. Würde die Pfarrei nicht reagieren, käme es bis 2030 zu einem jährlichen Minus von 500 000 Euro. Schon 2020 drohe ein Minus von 300 000 Euro jährlich. Statt in Denkmäler und somit in die Vergangenheit, so Müller, investiere die katholische Kirche in Menschen, Projektarbeit vor Ort und damit in die Zukunft. In allen Stadtteilen sollen laut „Rahmenplan“ die Gemeinde- und Jugendheime als Zentren und Orte der Begegnung erhalten bleiben.

Die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, sei so gut wie einmütig in den Pfarrgremien gefallen, betonten auch Cornelia Tenbrink-Kasselmann, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Clemens Hasenberg. Der Pfarrgemeinderat votierte einstimmig, im Kirchenvorstand gab es eine Gegenstimme. Die Gremien schlossen sich dem votum einer Arbetisgruppe an, die seit Mai 2014 in aller Ausführlichkeit die kirchlichen Gebäude untersucht und bewertet hat. Mitglieder der Arbeitsgruppe stammen aus allen Gremien, dem Pastoralteam und den Mitarbeitern.

„Bauruinen sind das letzte, was wir wollen“

Bischof Overbeck, der alle 42 Großpfarreien des Bistums bis Ende 2017 zur Anpassungen aufgefordert hat, signalisierte laut Propst Müller bereits seine Zustimmung an dem „Rahmenplan“. In allen Fällen soll in den nächsten Jahren intensiv nach einer neuen Nutzung gesucht werden. Müller: „Bauruinen sind das letzte, was wir wollen.“

Müller unterrichtete über die Pläne noch am Wochenende die Stadtspitze, die ev. Kirche sowie die Mitarbeiter und ehemaligen Priester. Am Samstagabend und Sonntagmorgen wurden die Gläubigen in allen Gottesdiensten unterrichtet.

In einer ersten Anpassungsmaßnahme vor einigen Jahren waren bereits St. Pius in Brauck und St. Elisabeth in Ellinghorst aufgegeben worden. Auch Christus König in Schultendorf gab die Pfarrei auf, das Gotteshaus existiert nur Dank des dortigen Fördervereins.

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