Technik

Das Gelsenkirchener VR-Festival „Places“ wird erwachsen

Programmiererin Sabrina Chmielewski und ihre Anwendung für Eltern und Kinder sind Teil des VR-Festivals „Places“, das ab Donnerstag in Gelsenkirchen-Ückendorf startet.

Programmiererin Sabrina Chmielewski und ihre Anwendung für Eltern und Kinder sind Teil des VR-Festivals „Places“, das ab Donnerstag in Gelsenkirchen-Ückendorf startet.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Nicht nur die Corona-Pandemie verändert den Fokus des Virtual-Reality-Events. Spaß und Ernst gehen ab Donnerstag in Ückendorf Hand in Hand.

„Das ist erst der Anfang“, sagt eine Stimme in die Kopfhörer, während eine Virtual-Reality-Brille das Kinderzimmer darstellt. An der Wand hängen Bilder, im Bett liegt ein Kuscheltier, auf dem Boden steht ein Holzzug. Nachdem sich die Sinne an die Umgebung gewöhnt haben, erklärt die Stimme mit einfachen Worten die VR-Technik. Das passiere aus einem ganz bestimmten Grund, sagt Programmiererin Sabrina Chmielewski später – denn die Simulation richte sich gezielt an VR-Anfänger.

In diesem Fall an Eltern und Kinder ab acht Jahren, die die Anwendung nach einem Online-Donnerstag für das Fachpublikum am Freitag und Samstag beim VR-Festival „Places“ in Gelsenkirchen-Ückendorf ausprobieren können. „Hier lernen Eltern Virtual Reality kennen und informieren sich. Es ist falsch, Angst vor der neuen Technik zu haben“, erläutert Chmielewski und nennt als späteres Anwendungsbeispiel die Schule. Dort könne das Programm etwa einen Löwen darstellen, dem der Nachwuchs ins Maul gucke – und so Bildung hautnah vermitteln.

VR-Festival „Places“ in Gelsenkirchen wird erwachsen

Der Vorgeschmack am Dienstagvormittag fügt sich lückenlos ein in den Sound des Festivals, das in der zweiten Ausgabe erwachsener daher kommt. Das Motto Meaningful VR , sprich sinnvolle oder bedeutsame virtuelle Realität, passt in die Zeit der Corona-Pandemie.

Unbeschwertes Ausprobieren und der Spaß an der Technologie spielen nicht mehr die alleinige Hauptrolle, stattdessen rückt der Nutzen für den Menschen in den Vordergrund. Ein Punkt, den Oberbürgermeister Frank Baranowski aufgreift und einbettet in die Digitalisierungsstrategie der Stadt, den Vorteil für den Bürger in den Mittelpunkt zu stellen.

Robert-Enke-Stiftung zu Gast in Ückendorf

Natürlich werde der Spaß nicht zu kurz kommen, betonen Roman Milenski und Matthias Krentzek als Organisatoren des Festivals. So gehört ein Teil der Bochumer Straße einer VR-Kirmes aus Holland, Schalke 04 ist am Start, ebenso ein Projekt der Fantastischen Vier und das Planetarium Bochum. In der (Tief-) Garage des Wissenschaftsparks breiten sich dagegen 15 Hochschulen aus, um ihre VR-Anwendungen zu präsentieren. „Im Silicon Valley gab es die Innovationen auch in der Garage“, spart Krentzek nicht mit großen Vergleichen.

Daneben setzt das Team aber auch ernste Schwerpunkte. So ist die Robert-Enke-Stiftung zu Gast in Ückendorf und stellt ihre Anwendung zum Thema Depressionen vor. Gesundheit spielt eine wichtige Rolle – ebenso wie die Blöcke Training und Ausbildung, Architektur und Planung.

Drei Kernpunkte in der zweiten Ausgabe von „Places“

Matthias Krentzek bricht „Places“ auf drei Kernpunkte herunter:

  • die Technologie an sich, also neben VR auch Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR), die in den vergangenen Jahren große Sprünge gemacht habe
  • das Quartier Ückendorf, das Roman Milenski als eines der spannendsten im Ruhrgebiet bezeichnet – und entsprechend weiter fördern will
  • sowie die verschiedenen Menschen, die zusammenkommen sollen. Seien es Einsteiger, Experten und Unternehmen, die Potenziale in der VR sehen.

„Die Ausrichtung passt wie die Faust aufs Auge“, freut sich Frank Baranowski, um zu ergänzen: „Solch ein Festival ist nicht selbstverständlich in dieser Zeit, es bringt uns ein Stück Lebensalltag.“ Mit virtueller Realität also in eine neue Realität.

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