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Vier von fünf Essener Delegierten für Laschet als CDU-Chef

Ein bisschen Parteitags-Feeling im Büro: Die passende Tasse samt Einwahl-Code erhielten Matthias Hauer und die anderen Delegierten per Post. Die Wahl erfolgt digital, und wenn es nach den Essenern geht, gewinnt Armin Laschet. 

Ein bisschen Parteitags-Feeling im Büro: Die passende Tasse samt Einwahl-Code erhielten Matthias Hauer und die anderen Delegierten per Post. Die Wahl erfolgt digital, und wenn es nach den Essenern geht, gewinnt Armin Laschet. 

Essen  Am Samstag der kommenden Woche wählt die Bundes-CDU ihren neuen Vorsitzenden. Klarer Essener Favorit ist NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Den Einwahl-Code für die Abstimmung haben sie per Post erhalten - und dazu die traditionelle Parteitagstasse. Die ist für den Kaffee-Genuss in heimischer Eigenproduktion gedacht, aber daneben bekommt bei dieser Corona-bedingt nur digitalen Wahl des neuen CDU-Bundesvorsitzenden am Samstag kommender Woche noch jemand einen eingeschüttet: Friedrich Merz erhält nur eine einzige der fünf Stimmen aus Essen die anderen vier landen bei Armin Laschet, Norbert Röttgen geht gänzlich leer aus.

Ob diese klare Favoritenrolle des NRW-Ministerpräsidenten bei den örtlichen Delegierten auch die Stimmungslage der stadtweit 2243 Essener Christdemokraten trifft, bleibt offen. Im November 2019 hatte die Bundes-CDU zwar eine Urwahl à la SPD diskutiert, am Ende aber mit großer Mehrheit abgelehnt und sich ausdrücklich zum repräsentativen Wahlverfahren bekannt.

Oberbürgermeister Kufen lobt Laschets Haltung: "Er kann zusammenführen"

Und so bleibt die Nachfolge der einst übrigens in der Essener Grugahalle zur Parteichefin gewählten Angela Merkel Sache eines Quintetts aus der hiesigen CDU-Spitze: Parteichef Matthias Hauer, Fraktionschef Fabian Schrumpf sowie die beiden Fraktionsvize Christiane Moos und Dirk Kalweit dürfen als Delegierte votieren, Oberbürgermeister Thomas Kufen zudem als Beisitzer im Bundesvorstand der Partei.

Und der OB lässt nicht den Hauch eines Zweifels an seiner Unterstützung für Armin Laschet: "Er kann zusammenführen, ist ausgesprochener Pragmatiker und hat schon einmal gezeigt, dass er die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger hinter sich hat." Die von Kufen gelobte Regierungserfahrung des Ministerpräsidenten und sein Vermögen "integrativ zu wirken", ist auch für Fabian Schrumpf, den frischgebackenen CDU-Chef im Rat der Stadt, das Hauptargument, Laschet zu wählen. Dass es Friedrich Merz gelänge, so manche Wertkonservative wieder an die CDU zu binden, steht für Schrumpf zwar außer Frage, "aber für jeden, den wir da zurückholen, würden wir an anderer Stelle zwei oder drei verlieren", glaubt Schrumpf.

Fraktionsvize Moos: Merz "stößt mehr Leute vor den Kopf als er uns nach vorne bringt"

Dass Merz "mehr Leute vor den Kopf stößt als er uns nach vorne bringt", davon ist auch Fraktionsvize Christiane Moos überzeugt: Sie lobt Laschets "mitnehmende Art, statt zum Holzhammer zu greifen", eine Eigenschaft, die dringend notwendig sei, "wenn wir weiter Volkspartei bleiben wollen".

Denn polarisiert und gespalten wird in der Partei wie auch in der bundesrepublikanischen Gesellschaft schon genug, meint auch der Essener CDU-Vorsitzende Matthias Hauer: Corona, Klima, Flüchtlinge - bei derart strittigen Themen "geht es mehr denn je um Zusammenhalt, und Armin Laschet schafft es, die verschiedensten Strömungen zu vereinen". Ablesbar schon daran, dass er gemeinsam mit Jens Spahn ein Team bilde.

Fraktionsvize Kalweit sieht in Merz den Kontrapunkt zum "Merkel-Mainstream"

Bei so viel Laschet-Begeisterung steht nur ein Delegierter quer im CDU-Stall: Dirk Kalweit, Fraktionsvize aus Kupferdreh, und immer wieder mal im Widerspruch zu dem, was er den "Merkel-Mainstream" nennt. Er plädiert für Friedrich Merz als CDU-Chef - und betont, dass "im christdemokratische Umfeld, in dem ich mich bewege, Merz überproportional Zuspruch bekommt".

Was dieser hat, was die anderen beiden Kandidaten nicht haben? "Große Erfahrungen außerhalb der Politik", fällt Kalweit da sofort ein: "In einer Situation wie der unsrigen sind seine Einblicke in beide Welten besonders für Spitzenämter eher eine Bereicherung." Merz traut er zu, einen "konservativen Kontrapunkt" zu setzen - und klassische CDU-Themenfelder zu beackern.

CDU-Chef Hauer: Bundesvorsitz heißt "nicht zwingend" Kanzlerkandidatur

Nein, das sei kein "Zurück in die Zukunft", wiegelt Kalweit ab, "wie unter Adenauer oder Kohl kann und wird diese CDU nie mehr sein". Aber ein bisschen mehr so, wie in jener Zeit als er bei den Christdemokraten eingetreten ist, das würde Kalweit schon gefallen. In der CDU-Führungsriege aber sehen sie das anders.

Wobei das Votum für Laschet als Parteivorsitzendem aber offenbar nicht zwingend auch die Kanzler-Kandidatur beinhaltet: Fraktionschef Schrumpf sieht mit dem Posten zwar ein erstes Zugriffsrecht verbunden: Dass aber das eine automatisch das andere bedingt, so Hauer, "sehe ich nicht zwingend". Oha.

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