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Gruppe für Waddisch Platt ist neu im Werdener Heimatverein

Unter einem Dach vereint: Marc Real (l.), neuer Vorsitzender von Komm Omend, mit Angelika Schließmann, Irmin Schmuck und Chris Helmer vom Werdener Bürger- und Heimatverein.

Unter einem Dach vereint: Marc Real (l.), neuer Vorsitzender von Komm Omend, mit Angelika Schließmann, Irmin Schmuck und Chris Helmer vom Werdener Bürger- und Heimatverein.

Foto: Vladimir Wegener

Essen-Werden.  Der Mundart-Arbeitskreis Komm Omend ist Teil des Werdener Bürger- und Heimatvereins. Gemeinsam will man junge Leute für den Dialekt begeistern.

„Komm Omend“ ist Waddisch Platt und heißt „Komme heute Abend“. Komm Omend – diesen Namen hatte sich eine Gruppe von Werdenern gegeben, die den heimische Dialekt pflegten. Das war in den 1930er Jahren. Ein verstaubtes Relikt des vergangenen Jahrhunderts, mögen viele denken. Doch nach einigen Hochs und Tiefs hat sich die Gruppe neu aufgestellt – unter der Leitung eines 22-Jährigen.

Marc Real ist in Kettwig aufgewachsen, hat aber waddische Wurzeln, die mehrere Generationen zurückreichen. Seit seiner Jugend interessiert er sich für jene Sprache, die am Küchentisch üblich war: das Bergische Platt. Und er lernte früh, „dass Kettwiger und Werdener nicht immer dieselbe Sprache sprechen, auch wenn sie von den gleichen Dingen reden“.

Raus aus der angestaubten Sprachecke – hinein in den Alltag

Auf seiner Internetplattform bergischplatt.de erklärt er anschaulich diese Unterschiede, holt die Sprachwelt von Rhein, Ruhr und Wupper wieder ins Bewusstsein der Menschen zurück. Anfang des Jahres präsentierte der Student für Germanistik und Geschichte mit „Dat Bergsche Wort“ die erste Ausgabe einer gedruckten Mundart-Zeitung – mit vielen Texten, Gedichten und Rezepten aus 15 Orten der Region.

Im August nun hat Marc Real die Leitung von Komm Omend übernommen. Zu seinen Zielen gehört, das Waddische aus seiner angestaubten Sprachecke hervorzuholen und bei jungen Menschen am Ort wieder als eine mögliche Art der alltäglichen Verständigung zu etablieren.

Mit Chris Helmer, 31, Schriftführer des Werdener Bürger- und Heimatvereins, liegt er damit auf einer Wellenlänge. Längst möchte der Verein sein ebenfalls etwas in die Jahre gekommenes Image aufwerten und jüngere Mitglieder für ein bürgerschaftliches Engagement im Stadtteil gewinnen.

Einst gab es Streit über die richtige Aussprache – und die Religion

Helmer hat schon vor einiger Zeit einen runden Tisch für junge Leute an den Verein angedockt. „Wer zwischen 20 und 30 ist, interessiert sich sehr für seine Herkunft, will wissen, wie es in Werden früher war, was sich verändert hat. Auch die Sprache, die vielleicht noch die Großeltern pflegen, spielt dabei eine große Rolle“, räumt Helmer mit dem Vorurteil auf, diese Generation sei nur auf die Befriedigung ihrer digitalen Spaßbedürfnisse fixiert.

„Deshalb haben wir zusammengeführt, was zusammengehört“, erklärt Helmer. Und meint: Die Mundart-Gruppe Komm Omend ist jetzt unter das Dach des Bürger- und Heimatvereins geschlüpft. „So wie es vor 40, 50 Jahren schon einmal gewesen ist“, sagt Marc Real.

Damals war man im Streit auseinander gegangen. Der Konflikt, wer das „richtige“ Waddisch spricht und schreibt – die Werdener oder die Fischlaker – spaltete Verein und Dialektgruppe. „Die einen waren Bildungsbürger, die anderen Handwerker. Und die Religion spielte auch eine große Rolle, ob katholisch oder evangelisch“, weiß Irmin Schmuck, die Komm Omend vor zwei Jahren nach dem Tod der langjährigen Vorsitzenden Hannelore Kahmann übernommen hatte. .

Waddischer Zungenschlag soll bei Lesungen geübt werden

Schon Kahmann habe die Gräben zwischen ihrer Gruppe und dem Heimatverein verringert. „Sie war ja gleichfalls Mitglied des Bürger- und Heimatvereins“, sagt Irmin Schmuck, die aufgrund ihres Alters (sie ist über 80) den überfälligen Neustart der Mundart-Gruppe lieber in jüngere Hände legen wollte. Marc Real sei dafür „ein Glücksgriff“.

Der 22-Jährige ist selbst gespannt. Und hofft, dass nach Corona bald wieder regelmäßige Treffen der Dialekt-Freunde möglich sind. „Keine Angst, wir unterhalten uns in erster Linie auf Hochdeutsch“, ermuntert er Interessenten, mal vorbeizuschauen. Der waddische Zungenschlag soll bei Lesungen geübt und verfeinert werden. Auch an Waddisch-Kurse werde gedacht.

Ob die örtlichen Schulen für Unterricht in und auf Platt zu gewinnen sind? Der Student wird auch das austesten. Das Erlernen der Vokabeln dürfte zumindest kein Problem darstellen – ein Wörterbuch der Werdener Mundart ist bereits auf bergischplatt.de hinterlegt.

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