Fotografie

„Fotostadt Essen“: Magazin als Bewerbung fürs Bundesinstitut

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Das Magazin zur „Fotostadt Essen“ wird auch als digitale Publikation erhältlich sein.                                                                             

Das Magazin zur „Fotostadt Essen“ wird auch als digitale Publikation erhältlich sein.                                                                             

Foto: Moritz Leick Stadt Essen

Essen.  Informative Eigenwerbung im Rennen ums Bundesinstitut für Fotografie: 76-seitiges Magazin präsentiert besondere Qualitäten der „Fotostadt Essen“.

Der Himmel über der Ruhr ist immer noch blassblau. Doch wenn ein 76-seitiges Hochglanz-Magazin in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung an diesem Wochenende mit einer ungewöhnlichen Coveraufnahme von Zollverein für die Vorzüge Essens wirbt, dann geht es nicht um touristische Vorzeigeseiten, sondern um die Fotografie an sich. Die „Fotostadt Essen“ präsentiert ihre lange Tradition und umfängliche Expertise zum kurzweiligen Nachlesen.

„Wir sind die Fotostadt in Deutschland. Das Zentrum gehört nach Essen“

Für Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), der die Ansiedlung eines Bundesinstituts für Fotografie auf dem Welterbeareal Zollverein seit langer Zeit unterstützt, steht fest: „Wir sind die Fotostadt in Deutschland, deshalb gehört das Zentrum nach Essen!“ Ein Expertengremium und eine Machbarkeitsstudie sind in den vergangenen Monaten zum gleichen Ergebnis gekommen. Trotzdem steht die endgültige Entscheidung zur Ansiedlung des von Kulturstaatsministerin Monika Grütters initiierten Bundes-Fotoinstituts weiter aus.

Denn auch in Düsseldorf hält man weiterhin an dem Plan fest, Fotozentrum-Standort zu werden. Dort wollen Starfotograf Andreas Gursky und sein privater Verein zur Gründung und Förderung eines Deutschen Fotoinstituts nicht klein beigeben. Vorläufiger Höhepunkt des inzwischen monatelangen Zwists: Das Fernbleiben des Düsseldorfer OB Stephan Keller bei einem von Grütters anberaumten Schlichtungsgespräch in Berlin. Ein Affront und vorläufiger Stopp des Projekts, für das es vor den Bundestagswahl keine Entscheidung mehr geben wird.

Doch es soll bald weitergehen. Es gehe nun darum, die Experten-Empfehlung auch parlamentarisch umzusetzen. Man brauche endlich „harte Beschlüsse“ sagt Kufen. Die notwendigen Argumente für Essen werden von der Stadt und den beteiligten Instituten – Folkwang Universität der Künste, Historisches Archiv Krupp, Museum Folkwang und Stiftung Ruhr Museum – in Form eines von der RAG-Stiftung ermöglichten Magazins noch einmal anschaulich vorgelegt.

Begegnungen mit Künstlern wie Katharina Sieverding und Timm Rautert

Künstler-Interviews mit Katharina Sieverding und Timm Rautert stehen neben Hintergrundartikeln, beteiligte Institutionen wie das Krupp-Archiv werden ebenso vorgestellt wie die neu eingerichtete Foto-Restaurierungswerkstatt am Museum Folkwang. Einen besonderen Stellenwert nimmt das Thema Ausbildung, Lehre und Forschung an der Folkwang Universität der Künste ein, wo Steffen Siegel die deutschlandweit einzige Professur für Foto-Geschichte und Theorie inne hat.

Für Siegel kommt es bei der Einrichtung des künftigen Fotoinstituts vor allem darauf an, „die ganze Breite der Fotografie in den Blick zu nehmen, nicht nur die Spitze“. Fotografie sei als Kunst wahrzunehmen, aber auch als journalistisches Medium. Wichtige Zeitzeugnisse drohten verloren zu gehen, wenn die Archivierung und Restaurierung der Foto-Konvolute in den nächsten Jahren nicht sichergestellt werden. Etliche Akteure der Fotoszene warteten deshalb sehnlichst auf ein Institut, das technologische Strategien und internationale Vernetzung vorantreibe, aber mit einem Knotenpunkt. Und der soll Essen sein.

Eine digitale, blätterbare Version des Magazins gibt’s über diesen Link: https://www.essen.de/fotostadt

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