Corona

Essens Gesundheitsdezernent zeigt Sympathie für Impfpflicht

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„Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass sich Bürgerinnen und Bürger nicht impfen lassen“, sagt Stadtdirektor und Gesundheits-Dezernent Peter Renzel.

„Ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass sich Bürgerinnen und Bürger nicht impfen lassen“, sagt Stadtdirektor und Gesundheits-Dezernent Peter Renzel.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Essen.  Essens Gesundheitsdezernent Peter Renzel hat neuerdings Sympathie für eine Impfpflicht. Grund ist ein Klinikbesuch, der ihn erschüttert hat.

Essens Gesundheits-Dezernent Peter Renzel hält eine Corona-Impfpflicht zunehmend für angemessen angesichts der schweren Krankheitsverläufe von jungen, ungeimpften Patientinnen und Patienten. „Ich denke mehr und mehr darüber nach, ob es nicht doch eine Impfpflicht geben sollte“, erklärte der Gesundheitsdezernent am Montagabend (6. 9.) nachdem er die Klinik für Infektiologie am Uniklinikum besucht hatte. Der Besuch beeindruckte Renzel erkennbar – seine Eindrücke schrieb er in einem sehr persönlich formulierten und bewegenden Eintrag ins Netzwerk Facebook nieder.

„Der Besuch hat mich nachdenklich, erschüttert und wütend gemacht“, schrieb Renzel. „Wütend, weil ich absolut kein Verständnis mehr dafür habe, dass sich Bürgerinnen und Bürger nicht impfen lassen.“ Anschaulich berichtet Renzel von jungen Patientinnen und Patienten, von denen fast alle nicht geimpft sind – und jetzt im Uni-Klinikum um ihr Leben bangen. „Die jüngste Patientin auf der Intensivstation ist gerade mal 16“, berichtet der Dezernent. „Die Bilder der jungen Leute von heute gehen mir erstmal nicht mehr aus dem Kopf.“ Längst stehe fest: Eine Impfung schütze zwar nicht vor einer neuen Ansteckung – doch bewiesen sei, dass die Behandlung vor schweren Krankheitsverläufen schützt. „Es ist so einfach, eine schwere Erkrankung zu verhindern“, appelliert Renzel aufs Neue: „Ärmel hoch, impfen lassen!“

Klinik-Chef warnt: „Wer nicht geimpft ist, wird sich irgendwann mit Corona infizieren“

Bereits am Wochenende hatte Essens Uniklinik-Chef Jochen Werner vor einer „Welle der Ungeimpften“ gewarnt und eindringlich erklärt: „Wer nicht geimpft ist, wird sich irgendwann infizieren und in einem Teil der Fälle erkranken, mitunter lebensgefährlich.“

Die Zahlen der Corona-Patienten in der Essener Universitätsmedizin steigen wieder kontinuierlich an. Die schweren Krankheitsverläufe betreffen weitgehend Ungeimpfte. Am Dienstag, 7. September, befanden sich 41 Corona-Patienten in der Essener Universitätsmedizin; eine Woche zuvor waren es noch 32.

Von den 41 Patienten am Dienstag liegen 22 auf einer Intensivstation. Von den 41 Patienten sind 75 Prozent nicht geimpft, elf Prozent unvollständig und 13 vollständig geimpft, berichtet Uniklinik-Sprecher Thorsten Schabelon.

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Stadt Essen zählt jetzt über 400.000 Erstimpfungen

„Die sehr wenig geimpften Menschen, die eingeliefert werden, sind immunsupprimiert oder schwer vorerkrankt und daher konnte die Impfung ihre Wirkung wohl leider nicht entfalten“, sagt Peter Renzel. Dazu zählen vor allem Krebs-Patienten oder Menschen, die eine Organtransplantation hinter sich haben. „Immunsupprimiert“ bedeutet, dass große Teile des Immunsystems aus verschiedenen Gründen nicht richtig arbeiten können und der menschliche Körper deshalb keine Antikörper bildet.

Unterdessen meldet die Stadt, dass am Wochenende die Marke von 400.000 Erstimpfungen erreicht wurde. Die Quoten liegen derzeit bei 68,9 Prozent Erst- und 58,7 Prozent Zweitimpfungen. Gesundheitsdezernent Renzel geht davon aus, dass bis Ende September eine stadtweite Erstimpfungs-Quote von rund 75 Prozent erreicht sein wird – und erinnert daran, dass diese Quote kein exaktes Bild abgebe. Schließlich seien auch Kinder mitgerechnet, die noch nicht geimpft werden könnten. Deshalb liege der bereinigte Quotient wesentlich höher.

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