Baderegeln

Knappe Bikinis: Niederrheintherme entfernt Hinweisschilder

In der Niederrhein-Therme in Duisburg waren „zu knappe Bikinis“ verboten. Die Welle der Empörung war groß. Bikinis im Stile von Brigitte Bardot, wie sie im Bikinimuseum in Bad Rappenau in Baden-Württemberg gezeigt werden, dürften erlaubt sein.

In der Niederrhein-Therme in Duisburg waren „zu knappe Bikinis“ verboten. Die Welle der Empörung war groß. Bikinis im Stile von Brigitte Bardot, wie sie im Bikinimuseum in Bad Rappenau in Baden-Württemberg gezeigt werden, dürften erlaubt sein.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Duisburg.  Ein Verbot von knappen Bikinis in der Niederrheintherme hat eine Diskussion entfacht. Der Betreiber hat die Hinweisschilder nun wieder entfernt.

Die Regeln zur Badebekleidung im Revierpark Mattlerbusch (wir berichteten) werden in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Wann ist ein Bikini zu knapp? Wer entscheidet das? Auf Hinweisschildern im Bad war zuletzt der Zusatz ergänzt worden: „Im Interesse aller anwesenden Gäste weisen wir Sie ausdrücklich darauf hin, dass unzureichende Badekleidung (String-Tangas, Brazilian Bikinis etc.) in unserer Therme nicht gestattet sind.“

Die Freizeit Metropole Ruhr, zu der die Niederrheintherme gehört, hat nach eigenen Angaben diese Schilder am Mittwoch entfernen lassen. Geschäftsführer Jürgen Hecht erklärt, dass die Badeordnung lediglich fordere, dass der Schambereich eines Badegastes im Nicht-FKK-Bereich bedeckt sein müsse. „Dies bedeutet definitiv kein Verbot für Bikinis, Tankinis oder Ähnliches in unseren Bädern und so auch nicht in der Niederrhein-Therme im Revierpark Mattlerbusch.“ Eine reduzierte Badekleidung sei heute Bestandteil des Modespektrums, die teilweise in den hauseigenen Shops auch selber zum Verkauf angeboten würden.

Hecht sagt, dass Mitarbeiter mit den Schildern wohl „übers Ziel hinaus geschossen“ seien. Wer zuvor Kritik an zu knappen Badehöschen im Bad geäußert hat, kann er nicht sagen. Eine Sprecherin hatte am Tag zuvor von Beschwerden – vor allem von Familien mit Kinder – berichtet.

Mit über 300.000 Besuchern jährlich gehöre der Mattlerbusch zu den größten Wellness-Anlagen Deutschlands. Allein wegen der Größenordnung sei es denkbar, dass unterschiedliche Vorstellungen aufeinander treffen. „Ich wünsche mir mehr Toleranz in der Gesellschaft und dass man auch einfach mal wegsieht, wenn einem etwas nicht passt“, sagt der 50 Jahre alte Hecht.

Neues Gradierwerk im Mattlerbusch nach Großbrand im Betrieb

Niederrhein Therme in Duisburg verbietet zu knappe BikinisDer Shitstorm auf Facebook kommt für das Bad zur Unzeit. Ohnehin haben alle Badbetreiber durch Corona Umsatzeinbußen, da vermiesen Boykott-Aufrufe zusätzlich das Geschäft. Dabei wird der Mattlerbusch gerade kräftig aufgehübscht.

Das Gradierwerk ist erst wenige Wochen im Probebetrieb und verströmt wieder salzhaltige Luft im Außenbereich der Therme. Ein Großbrand im Juni 2019 hatte die Saline und die Kehlo-Sauna zerstört. Für 640.000 Euro wurde eine Konstruktion aus Lärchenholz gebaut, die mit Reisigbündeln gefüllt ist. Darüber rieselt Solewasser und lässt ein nordseeartiges Klima entstehen.

Keine Bekleidungsregeln in Freizeitbädern im Ruhrgebiet

Wie handhaben es die Betreiber in den umliegenden Freizeitbädern? Im Sportparadies in Gelsenkirchen ist der Aufenthalt in den Bädern „in üblicher Badekleidung gestattet“. Beschwerden oder Vorfälle seien nicht bekannt. „Aus diesem Grund gibt es für uns keinen Anlass, über Verbote oder sonstige Einschränkungen nachzudenken“, sagt Pressesprecherin Janin Meyer-Simon. Ähnlich sieht es in den städtischen Bädern in Duisburg aus, sagt Pressesprecher Jörn Esser.

Jens Vatheuer, Betriebsleiter des Aquapark Oberhausen, sagt, dass es keine Bekleidungseinschränkungen gebe. Wichtig sei, dass der Schambereich bedeckt sei, Brazilian Bikinis und andere knappe Varianten seien deshalb erlaubt: „Jeder darf sich bei uns präsentieren, wie er will.“ Umgekehrt gebe es auch Schwimm-Burkinis, die vor Ort zu kaufen seien. Sittenpolizei wolle jedenfalls keiner spielen.

Die Begründung im Mattlerbusch, dass Familien und deren Kinder sich über die Badebekleidung anderer Gäste beschwert hätten, kennt er so nicht. Er habe noch nie Kinder erlebt, die von sich aus die Badekleidung anderer kommentieren würden. Das sei wohl eher eine Projektion der Eltern: „Sind Kinder im Spiel, wird es immer emotional“, hat er festgestellt.

Die Niederrheintherme ist ein Multibad mit vielen unterschiedlichen Zielgruppen

Vatheuer, der früher Leiter des Revierparks Vonderort war, kennt die Strukturen gut. Die Niederrheintherme habe doppelt so viele Besucher wie Vonderort und hebe sich von der Frequenz auch im weiteren Umkreis ab. Daher gebe es schon rein rechnerisch mehr Konflikte.

Kern des Problems sei, dass es sich um ein „Multibad“ handelt, das mit einem Mix aus Wellness und Wellenbad, FKK-Bereich und Gesundheitsprogramm alle Altersklassen und Zielgruppen anspricht. „Diese Zielgruppen verstehen sich einfach nicht“, glaubt Vatheuer.

Belästigungen im Sauna-Bereich

Der Aquapark habe eine Weile mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen gehabt, weil es Klagen über Belästigungen gab. Dem habe er nur mit deutlich mehr Personal und Konsequenz Herr werden können. Pro Schicht seien mitunter sieben Mitarbeiter unterwegs, um Ärger im Keim zu ersticken.

Klagen über Belästigungen kennt er noch aus seiner Zeit im Vonderort. „Die Frauen beklagen sich zurecht.“ 99 Prozent der Täter seien männlich. Allerdings werde selten ein Urteil gesprochen, weil Nacktheit in der Sauna nicht verboten und Spannerei oder Exhibitionismus in diesem Rahmen nur schwer zu beweisen sei.

>>Polizei-Einsätze in der Niederrheintherme

Die Polizei Duisburg hatte im vergangenen Winter im Schnitt eine Handvoll Einsätze in der Niederrheintherme, bei denen es um Klagen zu Belästigung ging. Bei einem Einsatz, wo ein Mann in der Therme andere Gäste beleidigt hatte, wurde ein Polizist so verletzt, dass er dienstunfähig war.

FMR-Geschäftsführer Hecht ärgern solche Vorfälle. „Aber wie können wir uns von solchen Typen befreien?“, fragt er. Man sehe es niemandem an der Nase an. Der gebürtige Duisburger betont: „Ich sehe immer eine ganz gepflegte Anlage mit netten Menschen, 98 Prozent läuft super.“ Bleiben zwei Prozent Optimierungsbedarf.

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