Medizin

Unabhängige Patientenberatung geht an Sanvartis in Duisburg

Die Unabhängige Patientenberatung, hier Mitarbeiter Stefan Palmowski (r.) im Büro Dortmund, wird ab 2016 übernommen von der Sanvartis, einem Unternehmen für Medizinkommunikation im Rheinhauser Gewerbepark Asterlagen.

Die Unabhängige Patientenberatung, hier Mitarbeiter Stefan Palmowski (r.) im Büro Dortmund, wird ab 2016 übernommen von der Sanvartis, einem Unternehmen für Medizinkommunikation im Rheinhauser Gewerbepark Asterlagen.

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  Die Sanvartis GmbH aus Rheinhausen soll ab 2016 die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UDP) übernehmen. Die Entscheidung wurde in einem Nachprüfungsverfahren bestätigt.

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Der Zuschlag für die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) geht an das Rheinhauser Unternehmen Sanvatis. In einem Nachprüfungsverfahren zum Vergabeverfahren für den Neun-Millionen-Euro-Auftrag für fünf Jahre hat die zuständige Kammer ihre Entscheidung bestätigt. Den Antrag hatte der Sozialverband VdK gestellt, er war bisher gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Träger der UPD (wir berichteten). Der VdK hat mitgeteilt, von einer möglichen Beschwerde beim Oberlandesgericht abzusehen. Der finale Zuschlag soll noch im September erteilt werden, so der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Die Kassen finanzieren die Patientenberatung.

Kassen sehen Vorwürfe widerlegt

Weil die Sanvatis GmbH, Callcenter-Dienstleister für medizinische Kommunikation, auch Krankenkassen zu seinen Kunden zählt, hatte der VdK, aber auch Ärzteverbände, die gebotene Unabhängigkeit des Angebots in Frage gestellt. „Wir freuen uns, dass die Vergabekammer alle Punkte vollständig ausgeräumt hat“, sagt Sanvartis-Geschäftsführer Linus Drop. Er kündigt die Gründung einer gemeinnützigen GmbH für die Patientenberatung an. Eine inhaltliche und technische Verbindung zur Sanvartis werde „durch ein umfangreiches Regelwerk“ ausgeschlossen.

Die Beratung werden auch nicht ausschließlich telefonisch erfolgen. Drop: „Wir werden die Beratung vor Ort deutlich ausbauen und den Zugang für die Patienten unabhängig von ihrem Wohnort optimieren.“ Ärzte, Anwälte, medizinische Fachangestellte und weitere Fachleute mit langjähriger Berufserfahrung sollen eingesetzt werden für die Beratung zu medizinischen Diagnosen sowie rechtlichen Fragen und Problemen . Zu Einzelheiten seines Konzepts und Nachfragen will sich Sanvartis erst äußern, wenn der Zuschlag erfolgt ist.

Europaweite Ausschreibungen garantieren Chancengleichheit

Der GKV-Spitzenverband sieht in der Entscheidung der Vergabekammer den Vorwurf widerlegt, den UPD-Auftrag einem Unternehmen zuzuschanzen, das bereits Auftragnehmer der Kassen ist. „Mit der europaweiten Ausschreibung konnten wir einen Qualitätswettbewerb anstoßen und die Chancengleichheit aller Anbieter garantieren“, so GKV-Vorstand Gernot Kiefer. Er verweist auf das Einvernehmen des Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU). „Sanvartis hat das beste Angebot abgegeben“, sagt Laumann der WAZ am Rande seines Besuchs beim Duisburger Seniorenbeirat vor einigen Tagen.

Der VdK bedauert die Entscheidung der Vergabekammer. „21 Beratungsstellen stehen vor dem Aus, 70 Berater verlieren ihren Job. Funktionierende Strukturen, hohe Qualität und langjährige Erfahrung gehen nun verloren.“ Man werde beobachten, ob auch der neue Betreiber Unabhängigkeit und Neutralität gewährleiste“, so der Sozialverband.

80 000 Beratungen pro Jahr durch die UPD 

Über 80 000 Beratungsgespräche mit Bürgern hat die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) laut ihrem in dieser Woche veröffentlichten „Monitor Patientenberatung 2015“ von April 2014 bis März dieses Jahres geführt.

„Die Hinweise auf bestimmte Probleme in der Gesundheitsversorgung erhärten sich und zeigen Politik, Krankenkassen und Ärzteschaft Anhaltspunkte für Verbesserungen“, so UPD-Geschäftsführerin Stephanie Jahn. Schwerpunktthema waren Leistungen der Krankenkassen und anderer Kostenträger (rund 29 000 Fälle). Ein zentraler Aspekt waren laut Bericht Leistungsunterbrechungen bei der Zahlung von Krankengeld wegen formaler Fehler. Im Fokus jeder fünften Beratung (rund 15 000) waren Patientenrechte bei der Einsicht von Krankenakten. Jahn: „Diese Möglichkeit steht jedem nach dem Patientenrechtsgesetz zu.“

Um finanzielle Fragen wie Zuzahlungen und Geldforderungen von Ärzten ging es bei 9300 Beratungen. Das Hauptthema hier: Schulden bei der Krankenkasse. Der komplette Bericht im Internet: www.patientenberatung.de/Monitor.

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