Sterbegleitung

Gefährtin auf dem letzten Weg

Jutta Muntoni lässt sich zur Sterbegefährtin ausbilden.

Jutta Muntoni lässt sich zur Sterbegefährtin ausbilden.

Foto: WAZ FotoPool

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Duisburg. Über 600 Menschen hat Jutta Muntoni im Laufe ihres Arbeitslebens sterben sehen. Und dennoch steckt die 56-Jährige jetzt mitten in einer Ausbildung zur Sterbeamme, zur Sterbegefährtin.

„Das ist das i-Tüpfelchen“, sagt die Leiterin des sozialen Dienstes im Awocura-Seniorenheim Im Schlenk begeistert. Sie strahlt, obwohl sie über den Tod redet. Sie erzählt von Sterbenden, und man fühlt sich trotzdem nicht schlecht. Das Ende des Lebens hat in den Worten der Sterbeamme etwas total Natürliches, das man annehmen und, ja, auch verschönern kann.

Persönliche Trauerecke für Patienten

Im Angesicht des Todes kümmern sich Muntoni und Sevtap Bingöl, Betreuungs-Assistentin im Palliativ-Bereich des Hauses und ebenfalls angehende Sterbeamme, auch um die Lebenden, die Trauernden, jene, die zurückbleiben. Und dafür lernen sie in der Ausbildung neue Werkzeuge kennen, „wir lernen Antworten zu entwickeln auf die Fragen der Sterbenden“, erklärt Muntoni. Dabei gehe es nicht um Bevormundung, jeder Mensch sei der Experte für sein eigenes Leben, aber sie seien da, wenn er Hilfe brauche. Das gehe aber nur, wenn man Frieden mit sich selbst habe, ist Bingöl sicher. „Sonst kann man nicht das Gefühl geben, dass man für einen da ist.“

Die Aufgaben, die sich ihnen stellen, sind schwer, manchmal aber ideenreich und federleicht zu lösen. Ein dementer Patient trauerte um seine verstorbene Frau, er wurde aggressiv, verweigerte das Essen. Gemeinsam mit Angehörigen gestaltete Bingöl eine Trauerecke - in den Lieblingsfarben der Frau, mit Blumen, Fotos, und einer Lichterkette, die der Mann vom Bett aus steuern kann. „Wenn er will, macht er jetzt das Licht an und spricht mit ihr“, erzählt Bingöl.

"Frieden im Hier und Jetzt schließen"

Das Ziel der Sterbeammen sei, „größtmöglichen Frieden herbeizuführen“ - für die Lebenden wie die Verstorbenen. Dafür ist größtmögliches Einfühlungsvermögen vonnöten, selbst erlebte Trauer hilfreich. „Es ist gut, wenn man die Ängste und Gefühle kennt, aber nicht jedes Mal mitleidet und mitstirbt“, erklärt Muntoni. Sie verlor vor vielen Jahren ein Kind, sie kann ein Lied davon singen, was Trauern bedeutet. Und das tut sie als Musiktherapeutin bei ihren Begleitungen mit Leidenschaft.

Der eigene Glaube ist bei der Arbeit der Sterbeammen zweitrangig, den anderen Glaubensrichtungen begegne man mit Respekt. In der Ausbildung werden wichtige Rituale thematisiert, erzählt Muntoni. „Und wenn jemand glaubt, dass nach dem Tod nichts mehr kommt, dann kann er seinen Frieden im Hier und Jetzt schließen.“

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