Kultur

Film „Kulenkampffs Schuhe“ gewinnt Preis bei der Filmwoche

Marie Wilke, Rainer Komers Andreas Goldstein, Regina Schilling (u.v.l.) dürfen sich über Preise freuen. Die Laudatoren und Festivalleiter Werner Ružička (oben, Mitte), gratulierten. Diesmal bekam er selbst eine Urkunde.

Marie Wilke, Rainer Komers Andreas Goldstein, Regina Schilling (u.v.l.) dürfen sich über Preise freuen. Die Laudatoren und Festivalleiter Werner Ružička (oben, Mitte), gratulierten. Diesmal bekam er selbst eine Urkunde.

Duisburg.   Glamour und sogar Gurken spielten bei der Preisverleihung der 42. Filmwoche in Duisburg eine Rolle.

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Gurken, Gedicht und Glamour: Zum letzten Mal führte Werner Ružička als Festivalleiter durch die Filmwoche, die diesmal unter dem Motto „Handeln“ stand. Und weil der Abend so ein besonderer war, bekam Ružička erstmals selbst eine Urkunde verliehen (vom Sender 3Sat), für ihn wurden Gedicht vorgetragen (aus der Feder von Erich Kästner) und die Gurke spielte auf das Lokal „Einfach Brendel“ an, in das sich das Team manchmal für Besprechungen zurück zog. Dort auf dem Tisch stehen stets Gürkchen. „Werner Ružička wird uns als Berater erhalten bleiben“, verspricht Kulturdezernent Thomas Krützberg in seiner Rede. Auf seine Expertise wolle man nicht verzichten. Wer das Festival künftig leiten wird, will die Stadt spätestens zum Ende des Jahres entscheiden.

Engagierte Diskussionen

Die Stadt Duisburg vergibt einen der fünf Preise. Andreas Goldstein bekommt den Förderpreis der Stadt für seinen Beitrag „Der Funktionär“. In dem Film spürt Goldstein seinem Vater nach und stellt die Familiengeschichte dem System und der Funktionsweise des Staates gegenüber. „Das kann der Dokumentarfilm: Ich sagen und sich selbst befragen und dabei nach außen deuten, um die Bedeutungen von Bildern – von Vätern, Idealen, Ideologien – zu vervielfachen“, heißt es in der Begründung.

Privat und historisch betrachtend ist auch der Gewinner des 3Sat-Dokumentarfilmpreis. Für den Eröffnungsfilm „Kulenkampffs Schuhe“ hat Regina Schilling Stunden im Archiv verbracht, sich die Samstagabend-Shows von Kulenkampff, Peter Alexander und Hans Rosenthal angeschaut und einen Bogen zwischen den Biografien der Showlegenden und ihrem Vater gespannt. „Der künstlerisch konsequente und erzählerisch präzise Film legt frei, was immer nur am Rande gesagt werden kann, weil alle von dem Gleichen schweigen: Schuld und Trauma“, begründet die Jury ihre Entscheidung. Regina Schilling wünschte sich, dass neue Regelungen für Archiv-Material gefunden werden, ansonsten müssten die Rechte für die alten Bilder nach sieben Jahren wieder neu gekauft werden.

Porträt eines Gefängnisinsassen

Der Arte-Dokumentarfilmpreis geht an „Barstow, California“ von Rainer Komers aus dem Ruhrgebiet. Dieser vollbringt das Kunststück, einen Gefängnisinsassen so eindringlich zu porträtieren, ohne das dieser auch nur einmal im Bild zu sehen ist.

Der „Carte Blanche“-Nachwuchspreis des Landes NRW geht an „Aggregat“ von Marie Wilke. Sie zeigt Haltung. Dabei reden meist Leute von Haltung, die eigentlich keine haben. Der Film versucht sich an einer Deutschland-Beschreibung und beobachtet verschiedene Formen von Öffentlichkeit – vom Bundestagsbesucherzentrum über Bürgergespräche und Pegida-Aufmärsche bis zur „Bild“-Zeitungsredaktionskonferenz – und tut das aus nüchterner Distanz. Diese wird verstärkt durch langes Schwarzbild zwischen den Szenen.

Windparks und Kreuzfahrtschiffe

Der Publikumspreis der Rheinischen Post wird in diesem Jahr an „Seestück“ von Volker Koepp vergeben. Gezeigt werden Bilder vom Meer. Der Ort, der einst Maler zu romantischen Bildern inspirierte, ist noch da. Hinzugekommen sind Windparks, Kreuzfahrtschiffe, die in der Dämmerung funkeln.

Am Ende ist Festivalleiter Ružička ergriffen: „Es war eine ganz wunderbare Filmwoche: Großartige Filme, sehr engagierte Diskussionen und viel Publikum. Die Duisburger Filmwoche und der Dokumentarfilm sind bestens aufgestellt für eine glänzende Zukunft. Mir bleibt zu sagen: danke.“

Stipendium für künftige Produktion

Erstmal wurde bei der Preisverleihung der Filmwoche vom Land NRW auch ein Stipendium für eine künftige Produktion vergeben. Dana Linkiewicz will einen künstlerischen Kinder- und Jugenddokumentarfilm namens „Die große Stille“ realisieren.

Ihr Projekt widmet sich der prekären sozialen Situation einer jungen Generation in Deutschland und will Jugendlichen Anstoß geben, wieder für ihre Zukunft zu kämpfen. „Vielleicht läuft der Film dann ja auf der Filmwoche“, hofft sie.

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