Chronik

Brauereien und Fusionen: Die Geschichte des Dortmunder Bieres

Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.   Zugegeben — es ist nicht leicht, den Überblick in Dortmunds Bier-Historie zu behalten. Vor allem ist es eine Geschichte der Brauerei-Fusionen. Wer mit wem? Wann? Wo? Warum? Hier gibt's eine Übersicht!

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Die Dortmunder Bier-Geschichte ist vor allem eine Geschichte der Fusionen. Wer kauft wen? Welche Brauerei braut welche Marke? Welche Standorte werden aufgegeben?

Kurz gesagt: Alles mündet in der Radeberger-Gruppe. Die Oetker-Tochter übernimmt 2002 DAB (DAB, Kronen, Stifts, Thier) — 2004 Brau und Brunnen (Brinkhoff’s, Ritter, Union). Die Produktion wird an der Steigerstraße in der Nordstadt zusammengezogen. Hier hatte die DAB 1982 auf dem alten Hansa-Gelände eine Groß-Brauerei gebaut. Die Brau&Brunnen-Biere wurden in der Ritter-Brauerei in Lütgendortmund gebraut.

Die Hövels-Hausbrauerei am Hohen Wall gehört zwar auch zu Radeberger. Aber „Hövels Original“ (einst „Hövels Bitterbier“) wird nicht an der Steigerstraße gebraut, sondern im Stammhaus am Hohen Wall. Auch die beiden Hausbiere vom Wenkers (Urtrüb und Schwarzes) werden hier gebraut.

Dortmunder Bergmann-Bier seit 2010

2010 kam eine neue alte Marke dazu: Der Dortmunder Dr. Thomas Raphael hatte sich die Namensrechte „Bergmann-Bier“ gesichert und braut seitdem kleine Mengen im Hafen. Die vier großen Bergmann-Sorten werden nach Dortmunder Rezept bei Bosch in Bad Laasphe/Wittgenstein gebraut — das exklusive Adam-Bier und andere kleinere Spezialitäten kommen aus der Bergmann-Brauerei im Hafen. Für mehr reicht die Kapazitäten (noch) nicht. Die alte Bergmann-Brauerei in Rahm (1796) war von Ritter gekauft und 1972 aufgegeben worden.

Ganz schön kompliziert, oder? Hier gibt’s die Geschichte der Dortmunder Brauereien als Chronologie – und auch die ist schon stark verkürzt.

1266 bis 1600 — die Anfänge des Dortmunder Bieres 

1266: In einer Dortmunder Urkunde wird erstmals Grutbier erwähnt. Das „Bier“ wird mit Myrte, Rosmarin, Wacholder, Lorbeer, Kümmel und Anis gewürzt und vergoren. Unansehnlich — aber beliebt.

1332: Kaiser Ludwig IV. bestätigt das Dortmunder Braumonopol, das Landesherr Adolf von Nassau 30 Jahre zuvor vergeben hatte. Es beschert der Stadt Wohlstand. Um 1390 werden jährlich 2400 Tonnen Grutbier gebraut.

1480: Grutbier wird verdrängt. Die Würzmischung wird durch Hopfen ersetzt. Das Bier wird schmackhafter, leichter verdaulich — und haltbarer: So können Brauer aus der Hanse- und Handelsstadt Dortmund sogar Kunden im Ausland beliefern.

1516: Das Deutsche Reinheitsgebot wird eingeführt. Bier darf nur noch Wasser, Hopfen und Malz enthalten — deutsches Bier hat einen exzellenten Ruf. Der Absatz steigt.

1517: Erstmals wird ein Brauhaus in der „Krone am Markt“ urkundlich erwähnt.

1518: Die Familie von Hövel erhält auf dem Hövel-Hof am Hohen Wall das Braurecht.

ab 1600: Reformation und Dreißigjähriger Krieg führen zum Einbruch der Dortmunder Braumenge. Aber nicht nur Krieg und protestantische Mäßigkeit sind schuld — auch die Trinkgewohnheiten haben sich geändert: Durch den Überseehandel werden neue Getränke wie Tee, Kaffee und Kakao modern.

1796 bis 1889 — Brauerei-Gründungen und neue Technik 

1796: Gründung der Bergmann-Brauerei in Rahm.

1840: In Dortmund gibt es 74 Brauereien.

1843: Braumeister Heinrich Wenker braut in der "Krone am Markt" erstmals in Dortmund mit untergäriger Hefe. Das Dortmunder Export wird geboren.

1854: Gründung der Thier-Brauerei am Hohen Wall.

1854: Gründung der Hövels-Brauerei am Hohen Wall.

1867: Gründung der Stifts-Brauerei in Hörde.

1868: Gründung der Dortmunder Action-Brauerei (DAB) in der Innenstadt-West.

1873: Carl von Linde erfindet die Kühlmaschine. Folge: Untergäriges löst obergäriges Bier ab. Untergärige Hefe braucht eine Temperatur von 4-9°C — dank der neuen Kühlung kann man jetzt ganzjährig untergäriges Bier brauen. Vorher war ganzjährig nur dunkles obergäriges Bier möglich. Und das „Dortmunder Helle“ wird ein Hit — aber die neue Technik ist teuer. Nur große Brauereien können sich das Kühlsystem leisten. Kleine Brauereien schließen oder werden aufgekauft.

1873: Gründung der Dortmunder Union Brauerei (DUB) in der westlichen Innenstadt.

1873: Verlegung der Kronen-Brauerei vom Alten Markt an die Kronenburg (Märkische Straße).

1889: Gründung der Ritter-Brauerei in der westlichen Innenstadt. Nach 1945 zieht die Brauerei nach Lütgendortmund.

1920 bis 1996 — Fusionen und Übernahmen 

1920: Nach dem 1. Weltkrieg gibt es in Dortmund nur noch 28 Brauereien.

1927: Bau des Kellerei-Hochhauses der DUB ("U-Turm"). Das goldene U wird erst 1968 montiert.

1971: DAB übernimmt Hansa.

1972: Im Dortmunder Brauwesen sind fast 6000 Mitarbeiter beschäftigt. Dortmund ist mit jährlich 7,5 Millionen Hektolitern Bierhauptstadt Europas — weltweit wird nur in Milwaukee/USA mehr Bier gebraut. Allein bei der Union werden über 2 Millionen Hektoliter gebraut, bei der DAB 1,6 Millionen Hektoliter.

1972: Die Bergmann-Brauerei wird aufgegeben.

1980er: Der Niedergang von Kohle und Stahl führt auch zu einem Umsatzeinbruch.

1982: DAB (DAB, Hansa) zieht in den Neubau an der Steigerstraße an den alteingesessenen Standort der Hansa-Brauerei. Hier werden heute alle Dortmunder Biere bis auf Bergmann gebraut. Das „Brauereiviertel“ an der Rheinischen Straße besteht damit nur noch aus der Union.

1984: Hövels braut wieder. Im Krieg war die Produktion am Hohen Wall eingestellt worden.

1987: Kronen übernimmt Stifts.

1988: Aus der Union-Schultheiss GmbH wird die Brau und Brunnen GmbH. Durch Zukäufe entsteht der größte Getränkekonzern Deutschlands. Die Union war 1972 mit der Berliner Brauerei fusioniert.

1992: Kronen (Kronen, Stifts) übernimmt Thier.

1994: Union übernimmt Ritter. Die Produktion wird aus der Innenstadt nach Lütgendortmund verlegt. Der neue Name: Dortmunder Union-Ritter Brauerei.

1996: DAB (DAB, Hansa) übernimmt Kronen (Kronen, Stifts, Thier). Die Brauerei war seit 1729 im Besitz der Familie Wenkers.

2000: Die Kronen-Produktion zieht an die Steigerstraße — das Dortmunder Brauerei-Museum im "Wenker-Keller" schließt.

2001 bis 2011 — Krisen und zwei Großkonzerne 

2001: Die DAB ist überschuldet — die Binding-Brauerei aus Frankfurt sichert durch Kredite den weiteren Betrieb.

2002: Die Oetker-Tochter Radeberger übernimmt DAB (DAB, Hansa, Kronen, Stifts, Thier).

2002: Union-Ritter wird umbenannt — in Brauerei Brinkhoff, zu Ehren von DUB-Gründungsbraumeister Fritz Brinkhoff.

2004: Radeberger übernimmt Brau und Brunnen inklusive der Brinkhoff-Brauerei (Brinkhoff’s, Ritter, Union).

2004: Die Union-Brauerei wird abgerissen — übrig bleibt das Keller-Hochhaus, das "Dortmunder U".

2005: Die Brinkhoff-Brauerei (Brinkhoff’s, Ritter, Union) zieht von Lütgendortmund an die Steigerstraße.

2006: Das Brauereimuseum zieht an die Steigerstraße. Vorher war es im Wenkerkeller der Dortmunder Kronen untergebracht.

2009: Die Thier-Brauerei zwischen Westenhellweg und Wall wird abgerissen.

2010: Die neue alte Bergmann-Brauerei braut zum ersten Mal im Hafen.

2011: Die Ritter-Brauererei am Lütgendortmunder Hellweg wird abgerissen.

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