Religion

„Wir lassen uns nicht provozieren“

Ahmad Aweimer in der Khaled-Moschee in Bochum.

Ahmad Aweimer in der Khaled-Moschee in Bochum.

Foto: WAZ FotoPool

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Bochum. Das gute Dutzend Salafisten in Bochum dürfte in diesen Tagen die Nähe der Polizei geradezu körperlich spüren. Nach WAZ-Informationen wird vor Ort zwar nicht mit Aktionen gerechnet, doch „wir haben da ein waches Auge drauf“, wie es hieß. Hintergrund sind die gewalttätigen Reaktionen von Muslimen auf das Schmähvideo mit dem Propheten Mohammed.

Ahmad Aweimer ist langjähriger Vorbeter der Khaled-Moschee in Querenburg und seit gut einem Jahr zudem Dialogbeauftragter des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Nicht erst seitdem der islamische Kulturverein wiederholt ins Zentrum von Ermittlungen im Zusammenhang mit islamistischen Terroristen geriet, spricht Aweimer eine deutliche Sprache: „Wie wichtig der Dialog zwischen den Religionen ist, zeigt sich doch vor allem bei solchen Provokationen. Natürlich ist so ein Video verletzend für jeden Muslim, aber wir lassen uns nicht provozieren“, sagt er.

30.000 Muslime leben in Bochum

Rund 1000 Muslime beten regelmäßig in die Moschee an der Querenburger Straße, nicht weit vom Neuen Gymnasium entfernt. In ganz Bochum dürften nach Schätzungen mehr als 30.000 Muslime leben. Aweimer setzt auf Gespräche. Er weiß, dass es durchaus unterschiedliche Strömungen gibt. Eine Minderheit sieht er abgegrenzt und nicht integrationswillig, andere ignorieren solche Videos oder Aktionen, wie jüngst mit den provozierenden Mohammed-Karikaturen vor einer Moschee in der Innenstadt. „Manchmal müssen wir über unseren Schatten springen. Zum Gespräch gibt es keine Alternative.“

In der Vergangenheit hatte es Vorwürfe gegen die Gemeinde gegeben. Sie hätte es Extremisten wie Ziad Samir Jarrah, einem der 11. September-Attentäter, oder auch dem Bochumer Amid C., gegen den zur Zeit in Düsseldorf verhandelt wird, ermöglicht, dort zu wirken. Dazu Aweimer: „Wir haben doch selbst Angst um unsere Kinder.“ Von einer Unterstützung solcher Leute könne keine Rede sein.

Schmelztiegel Stahlhausen

Wie eine andere Zukunft aussehen könnte, lässt sich im Mikrokosmos Stahlhausen ablesen. Dort sind über 20 Prozent der Bevölkerung Muslims. Pfarrer Holger Nollmann von der Ev. Friedenskirche sagt: „Die Chance dieses Viertel liegt im friedlichen Neben- und Miteinander. Hier sind die Bande der Nachbarschaft stärker als Einflüsse der Extremen“, ist sich der Pfarrer sicher.

Er weiß ganz genau, dass gerade in Stahlhausen, diesem Schmelztiegel der Kulturen, Nationen und Religionen das Zusammenleben nur mit gemeinsamer Kraft gelingen kann.

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