Erinnerungs-Stele

Stele in Bochum-City erinnert an Neubeginn jüdischen Lebens

Enthüllen die siebte Gedenkstele: (v.l.) Hubert Schneider, Arno Lohmann, Ruth Frankenthal, Michael Rosenkranz und Bürgermeisterin Gabriela Schäfer.

Enthüllen die siebte Gedenkstele: (v.l.) Hubert Schneider, Arno Lohmann, Ruth Frankenthal, Michael Rosenkranz und Bürgermeisterin Gabriela Schäfer.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum-Innenstadt.   Siebte Gedenktafel gegenüber vom Alten Amtshaus erinnert an den Neubeginn jüdischen Lebens in Bochum. Sie sollte eigentlich woanders stehen.

Unter großer Beteiligung wurde am Donnerstag die siebte Stele zur jüdischen Geschichte in Bochum eingeweiht. In strömendem Regen scharrten sich Dutzende um die Gedenktafel als sie gegenüber vom Alten Amtshaus an der Brückstraße enthüllt wurde. Denn eigentlich sollte ihr authentischer Standort direkt vor dem heutigen Ärzte- und Anwaltshaus sein. Doch der Besitzer, die Bochumer Häusser-Bau, mochte sich mit der evangelischen Stadtakademie nicht darauf einigen.

„Der Antisemitismus war und ist allgegenwärtig“

Manfred Keller, ehemaliger Leiter der Stadtakademie, nahm kein Blatt vor den Mund: „Der Antisemitismus war und ist allgegenwärtig. Wir hatten schon an einigen Stelen-Standorten mit Widerstand zu kämpfen, aber nie war er so groß wie hier.“ Er wünscht sich aber auch mehr eigenständiges Engagement der heutigen Jüdischen Gemeinde. „Da ist noch viel Luft nach oben.“

Erster Betsaal nach dem Krieg im Alten Amtshaus

Das Alte Amtshaus, das einzige im Krieg unzerstörte Gebäude an der Brückstraße, steht für den Neubeginn der Jüdischen Gemeinde. Die Stadt hatte den rückkehrenden Juden einen Raum nach Kriegsende zur Verfügung gestellt, das die Mitglieder der ein Jahr zuvor gegründeten „Jüdischen Religionsgemeinde Bochum“ 1946 zum Betsaal einrichteten. Doch den Rückkehrern, zumeist Nachfahren aus Mischehen, begegnete die Bevölkerung mit Vorbehalten. Keller: „Es erforderte viel Mut, unter solchen Umständen eine neue Gemeinde zu gründen.“ Es gab erste Zeichen der Hoffnung: Ernst Frankenthal hat gemeinsam mit seinem Bruder die Shoah überlebt und erfuhr, dass auch seine Jugendliebe Margot Menzel wieder in Bochum lebte. Das Paar war das erste, dass im Alten Amtshaus heiratete.

Hochzeitsfoto ziert die Gedenktafel

Zur Stelen-Enthüllung kam auch deren Tochter Ruth Frankenthal, heute Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft in Münster. Das Foto ihrer Eltern samt deren Hochzeitsvertrag sind auf der neuen Stele verewigt. Bis 1953 nutzte die Gemeinde den Betsaal. Inzwischen war sie angewachsen durch den Zuzug von Juden aus Osteuropa, die vor dem aufkeimenden Antisemitismus in ihrer Heimat nach Bochum flohen.

Gemeindeleben verlagerte sich nach Recklinghausen

Es erfolgte der Zusammenschluss der Gemeinden Bochum, Herne und Recklinghausen, und das Leben verlagert sich nach Recklinghausen. 1995 kehrten die Menschen zurück nach Bochum. In Laer richteten sie sich ein Provisorium als Gebetssaal ein. Arno Lohmann, heutiger Leiter der evangelischen Stadtakademie, die den Bochumer Stelenweg initiiert hat: „Dort wird der nächste Standort für eine Gedenktafel sein.“

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