Prostitution

Prostitution: Stadt Bochum will beraten statt kontrollieren

Die Einhaltung einiger Corona-Regeln bringt Prostituierte in Bochum an ihre Grenzen. Die Stadt will vor allem auf Beratung setzen, nicht auf Kontrolle. (Symbolbild)

Die Einhaltung einiger Corona-Regeln bringt Prostituierte in Bochum an ihre Grenzen. Die Stadt will vor allem auf Beratung setzen, nicht auf Kontrolle. (Symbolbild)

Foto: Andreas Arnold / dpa

Bochum.  Das Einhalten der Corona-Regeln bringt Prostituierte in Bochum an ihre Grenzen. Die Stadt will vor allem auf Beratung setzen, nicht auf Kontrolle.

Nur mit Maske und maximal zu zweit, die Bettwäsche muss nach jedem Kunden gewechselt werden: Prostituierte in NRW dürfen wieder arbeiten, allerdings nur unter strengen Bedingungen. Seit vergangener Woche steht fest, welche Regeln für Sexarbeiterinnen und ihre Kunden gelten. „Sie sind so, wie wir sie erwartet haben. Im Großen und Ganzen ist das auch in Ordnung“, sagt Heike Köttner von Madonna e. V., der Beratungsstelle für Prostituierte in Bochum.

Die Prostituierten seien sehr bemüht, wollen die Regeln umzusetzen, trotzdem gebe es Schwierigkeiten. Zum Beispiel, weil Bettwäsche und die Kleidung der Sexarbeiterinnen nach jedem Kunden gewechselt werden müssen: „Die Bordelle sind dafür nicht ausgelegt, meist gibt es nur eine Waschmaschine. Die Dessous sind teuer und viele Sexarbeiterinnen besitzen nur zwei Stück“, berichtet Köttner, die in den vergangenen Tagen bereits Rückmeldungen bekommen hat.

Prostituierte in Bochum: Stadt setzt auf Beratung, nicht auf Kontrollen

Die Stadt Bochum kontrolliere die Einhaltung der Regeln im Rahmen ihrer Möglichkeiten, kann zur Häufigkeit der Kontrollen aber keine Zahlen nennen. „Aktuell steht die Beratung im Vordergrund. Viele wollen wissen, wie sie die Regeln umsetzen sollen“, sagt Stadtsprecher Thomas Sprenger auf Anfrage. Mittlerweile sei auch die Gesundheitsberatung gemäß des Prostituiertenschutzgesetzes wieder aufgenommen worden. Diese war wegen des Prostitutionsverbot wegen Corona eingestellt worden. Das hatte die Beratungsstelle Madonna scharf kritisiert: Sexarbeiterinnen seien für die Gesundheitsberatung zeitweise nach Essen geschickt worden, alleine der Weg dort hin habe vielen große Umstände bereitet.

300 Prostituierte gab es in Bochum nach Schätzungen der Stadt vor Beginn der Pandemie. Derzeit arbeite aber nur ein kleiner Teil davon, weiß Köttner: „Viele Frauen befinden sich noch in ihren Heimatländern und warten ab, sie fragen sich, ob es sich lohnt, zurückzukommen.“ Auch die Anzahl der Kunden sei derzeit kleiner.

Befürchtung: Frauen könnten auch nach Corona illegal arbeiten

Die Beratungsstelle Madonna befürchtet, dass viele Frauen, die während Corona illegal gearbeitet haben, das auch nach dem Verbot tun. Ein Grund dafür sei, dass die Zahlung teurer Mieten so wegfalle. Wie viele Frauen derzeit illegal als Sexarbeiterinnen in Bochum arbeiten, können weder der Verein Madonna noch die Stadt schätzen. „Das passiert in den Wohnungen und ist schwierig mitzubekommen“, so Köttner. Bei konkretem Verdacht dürfen zwar auch Wohnungen kontrolliert werden, in der Realität sei das aber schwer machbar, so Stadtsprecher Sprenger.

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