Gefängnis

Nach Ausbruch in Bochum: Häftling wurde zu lasch bewacht

Weiter auf freiem Fuß ist Aleksander Erceg, der aus der Justizvollzugsanstalt Bochum ausgebrochen ist.

Weiter auf freiem Fuß ist Aleksander Erceg, der aus der Justizvollzugsanstalt Bochum ausgebrochen ist.

Foto: dpa/Polizei Bochum

Bochum.  Unbewachte Beobachtungskanzeln, keine Gitter, geöffnete Fenster: Ein Bericht des Justizministeriums zeigt nach dem Ausbruch in Bochum Mängel auf.

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Der jüngste Gefängnisausbruch in Bochum von Mitte August ist durch Mängel und Fehler im Strafvollzug ermöglicht worden. Das geht aus einem Bericht des NRW-Justizministeriums an den Landtag hervor.

Demnach hätte der geflohene Häftling nicht unbeaufsichtigt als Sportwart eingesetzt werden dürfen. Durch einen Irrtum sei dies dennoch geschehen und nicht in der Vollzugskonferenz diskutiert worden, habe die Anstaltsleiterin mitgeteilt. Dadurch habe der 42-Jährige den Ausbruch professionell vorbereiten und realisieren können.

Neben der Sporthalle des Gefängnisses sei zudem ein schlecht gesicherter Container aufgestellt gewesen, in dem der Gefangene seine zur Flucht geschaffene, 23 Kilo schwere Konstruktion aus Stangen habe verstecken können:

Dem Bericht zufolge hatte der Häftling lange genug Zeit, seinen Ausbruch genau vorzubereiten: So war er 25 Monate als Sportwart eingesetzt, "hatte also hinreichend Gelegenheit, sich über alle Schwachstellen der Mehrzweckhalle Gedanken zu machen", heißt es in dem Bericht. Insbesondere die nicht vergitterten und gelegentlich offen stehenden Fenster seien ihm so aufgefallen: Als trainierter Sportler sei es für ihn kein Problem gewesen, durch die Fenster zu flüchten.

42-Jähriger ist nach Ausbruch auf der Flucht

Zudem seien die Beobachtungskanzeln auf der Außenmauer des Gefängnisses wegen Asbestbelastung seit mehr als drei Jahren nicht mehr besetzt gewesen.

Eine Fußstreife habe die Beobachtungsposten ersetzen sollen. Im Zeitraum des Ausbruchs sei die Streife aber wegen krankheitsbedingter Ausfälle abgezogen gewesen.

Der Mann sei seit dem Ausbruch am 15. August auf der Flucht. Der 42-Jährige hätte bis 2021 hinter Gittern bleiben sollen. Außerdem sollte er an ein anderes Land ausgeliefert werden. Er war wegen Körperverletzung, Diebstahls und schweren Raubes verurteilt worden.

Gefangener floh über fünf Meter hohe Mauer

Mit einer selbst gebastelten Stangenkonstruktion habe er die fünf Meter hohe Gefängnismauer überwinden können, an der er noch eine Kunststoffmatte zum Schutz vor dem Stacheldraht befestigt hatte. Außerdem habe die Anstaltsleiterin „Unterstützung durch erfahrene Sicherheitsexperten“ erhalten. Zudem werde die Aufsichtsbehörde sie unterstützen, um das Problembewusstsein in Sicherheitsfragen „zu schärfen“. (mit dpa)

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