Integration

Iranische Familie nutzt Chancen in der Freiheit

Bei dem Gespräch über seine Flucht aus dem Iran in den 80er Jahren holte Masoud Nosrati viele Erinnerungen aus der turbulenten Zeit wieder hervor

Bei dem Gespräch über seine Flucht aus dem Iran in den 80er Jahren holte Masoud Nosrati viele Erinnerungen aus der turbulenten Zeit wieder hervor

Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler

Bochum.  1983 flohen Masoud Nosrati, seine Frau und ihr Sohn aus der Islamischen Republik nach Deutschland. Musik und Bildung waren Schlüssel zur Integration.

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Die Jahre zwischen 1979 bis 1983 waren für die Bochumer Eheleute Masoud und Faravak Nosrati unruhig und unsicher. Im Iran hatte die Islamische Revolution alles verändert. Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini errichtete gewaltsam die Islamische Republik und stürzte Schah Mohammad Reza Pahlavi. Während die vorhergegangene Monarchie international ein kulturoffenes und der Welt zugewandtes Klima des Irans symbolisierte, wurde das Land ein Staat, der die islamische Religion politisch radikal instrumentalisierte.

Masoud Nosrati und seine Frau waren zu Beginn der Unruhen als Studenten an der Universität für Wissenschaft und Technik in Teheran eingeschrieben. Als um 1981 die Universitäten geschlossen wurden, verloren sie ihre geistige Heimat und fanden sich im Gefängnis wieder. „Es war eine große Welle an Verhaftungen“, so Nosrati. Gerade Studenten, Künstler und Intellektuelle gerieten in das Visier des radikalen Staatsapparates. Zwei Monate verbrachten Masoud und Faravak Nosrati hinter Gittern. 45 Tage sei er nur mit verbundenen Augen durch die Gänge des Gefängnisses in Teheran geführt worden, berichtet er. „Natürlich hatten wir Angst, ich war getrennt von meiner Frau, wusste nicht, was passiert“, so Nosrati. Im berüchtigten Gefängnis Evin nördlich von Teheran habe er viele „Tötungen von Menschen gehört“, berichtet er. Seine Frau war zu diesem Zeitpunkt im siebten Monat schwanger. Weil das Paar nicht zu organisierten Widerstandsgruppen gehörte, entgingen sie tödlicher Übergriffe des Staatsapparates und wurden aus dem Gefängnis entlassen. „Wir haben wirklich Glück gehabt“, sagt Nosrati. Allerdings konnte die kleine Familie, zu der jetzt auch der kleine Shafagh gehörte, nicht mehr in Ruhe leben. „Wir lebten im Untergrund, als die Geheimpolizei bei unseren Eltern nach uns suchte“, so Nosrati. Das junge Paar entschied sich 1983 zur Flucht aus dem Iran und gelangte mit Hilfe eines kurdischen Schmugglers nach Europa.

Schmerz in eine Idee verwandeln

Bei Ankunft in Deutschland war schnell klar, dass die Familie als politisch Verfolgte in Deutschland bleiben konnte. Wie schon im Iran waren für sie Bildung und Musik die Ankerpunkte in Deutschland. Masoud Nosrati nahm sein Maschinenbau-Studium, seine Frau das Elektrotechnik-Studium in Bochum wieder auf. „Wir hatten in unserer Wohnung noch nicht das Notwendigste, aber ein Klavier war schon da“, schmunzelt der 60-Jährige. Die große Liebe zur Musik, vor allem zu Johann Sebastian Bach, und zur geistigen Freiheit hat in der Familie einen hohen Stellenwert. Sohn und Tochter begannen früh mit dem Klavierspiel, beide besuchten die Musikhochschule. Die 27-jährige Schaghajegh Nosrati erlebt gerade eine internationale Karriere als Pianistin, der 33-jährige Shafagh entschied sich für eine Laufbahn als Diplom-Ingenieur.

Trotz strahlender Erfolge war der Schmerz, die Heimat verlassen zu müssen, kein geringer. Masoud Nosrati kehrte nie in sein Geburtsland zurück, nahm für immer Abschied von Vater und Mutter und ließ Geschwister zurück. Dazu sagt er: „Ich verwandele diesen Schmerz in eine Idee, in eine Waffe gegen die Islamische Republik. Wir haben so für unsere Familie eine gute seelische Atmosphäre geschaffen.“

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