Tierpark

Fossiliensammler aus Bochum entdeckt seltenen versteinerten Krebs

Mit 91 Jahren immer noch wissbegierig: Fossiliensammler Helmut Leich. Er entdeckte jetzt einen seltenen Krebs.

Mit 91 Jahren immer noch wissbegierig: Fossiliensammler Helmut Leich. Er entdeckte jetzt einen seltenen Krebs.

Foto: WAZ FotoPool

Bochum.  "Weltweit einmalig" - auf diese griffige Formel bringt der Fossiliensammler Helmut Leich seine neueste Entdeckung. Eine 150 Millionen Jahre alte Steinplatte, die deutliche Spuren einer Krebs-Häutung zeigt. Experten sprechen von einem Unikat.

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Mit seinen 91 Jahren ist er selbst ein starkes Stück Bochumer Geschichte. Im Gegensatz zu seinen Exponaten darf man Helmut Leich jedoch als quicklebendig bezeichnen. Nun wartet der Fossiliensammler und Präparator mit einer „Weltsensation“ auf: einem versteinerten Krebs, der sich vor grob geschätzt 150 Millionen Jahren gehäutet hat.

Die Entstehungsgeschichte von Mutter Erde und deren Kreaturen anhand von versteinerten Abdrucken erleb- und nachvollziehbar zu machen, vom Flugsaurier zum Vogel, vom Fisch bis zur Schildkröte: So beschreibt Helmut Leich die Faszination, die sein Hobby - genauer: seine Leidenschaft - ausmacht. Seine Profession führte den Bochumer nach dem Architekturstudium in einen Foto- und Bürobedarfshandel an der Kortumstraße und später in die Vertriebsleitung eines Herstellers für Preisauszeichnungsgeräte. Seine Passion galt von Kindheit an der Aquaristik und der Paläontologie, der Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdperioden, die er sich als Autodidakt derart perfekt erschlossen hat, das sein 1967 erschienenes Buch „Nach Millionen Jahren ans Licht“ bis heute als Standardwerk gilt.

Seit 1948 ehrenamtlich für den Bochumer Tierpark tätig

Ab 1948 arbeitete Helmut Leich ehrenamtlich im Bochumer Tierpark und im Verein der Tierparkfreunde mit. Er bestückte maßgeblich das „Westfalen-Aquarien“ mit Tieren und Pflanzen. Mit seinen 2000 steinernen Exponaten, die er an ungezählten Wochenenden im fränkischen Altmühltal ans Tageslicht förderte und später der Sparkassen-Stiftung vermachte, gründete er das Fossilium: mit seinen 55 Vitrinen bis heute eines der auch wissenschaftlich bedeutenden Glanzstücke des Bochumer Tierparks. „Jedes Exponat, jeder Begleittext: Alles stammt von mir“, sagt Helmut Leich voller Stolz.

Seine jüngste Entdeckung bezeichnet der Experte als „weltweit einmalig“. Dem famosen Fund hat er einen griffigen Titel verpasst: „Drama vor 150 Millionen Jahren – Mit glücklichem Ende!“

Die Steinplatte stammt wieder aus Solnhofen, berühmt ob seiner Steinbrüche, die Fossilien aus dem etwa 150 Millionen Jahre alten Weißen Jura (Oberjura) enthalten. Deutlich zu erkennen ist ein fossiler Krebs namens Eryon, der etliche Spuren in den damals weichen Meeresboden geritzt hat. Helmut Leich konnte die „dramatische“ Geschichte lesen: „Der Krebs hat einen geeigneten Platz für die Häutung seines Panzers gesucht. Dabei setzte er mehrere Male auf dem Meeresboden auf, bis er schließlich auf dem Bauch liegen blieb. Hier warf er den alten Panzer ab und wartete, bis sein neuer Panzer gehärtet war. Dann startete er kraftvoll mit langer Schleifspur, bis er nach längerem Kampf aus dem Kalkschlick herauskam und in seinem neuen Kleid das freie Wasser erreichte.“

Experten einig: Krebs-Häutung ist ein Unikat

Mit weiteren Paläontologie-Fachleuten ist sich Helmut Leich einig: Eine als Fossil dokumentierte Krebs-Häutung ist ein Unikat. „Großartig, dass ich in meinem hohen Alter noch mit einer solchen Platte aufwarten kann“, freut sich der zwar gehbehinderte, aber geistig topfitte Senior daheim an der Stiepeler Straße, wo die Wände von filigranen Fossilien geziert werden.

Den Tierpark und „sein“ Fossilium“ kann Leich nur noch selten besuchen. Einen Wunsch hat er gleichwohl: „Es wäre schön, wenn mehr Schulklassen die Sammlung besuchen würden. Das ist spannender Unterricht.“ Krebs Eryon macht den Ausflug in die Urzeit noch spannender.

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