Kollision

Nach Unfall: Straßenbahnen fahren wieder in Bochum-Laer

Der Lkw warf die über 30 Tonnen schwere Straßenbahn komplett aus den Gleisen.

Der Lkw warf die über 30 Tonnen schwere Straßenbahn komplett aus den Gleisen.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Nach dem Zusammenstoß einer Straßenbahn und eines Lkw nahe des ehemaligen Opel-Geländes in Bochum ist die Strecke inzwischen wieder freigegeben.

Bei einem der schwersten Straßenbahnunfälle der vergangenen Jahre in Bochum sind am Dienstagmittag elf Menschen verletzt worden, sechs davon schwer.

Der Unfall ereignete sich gegen 13.30 Uhr an der Einmündung der Alten Wittener Straße zur Wittener Straße in Laer. Nach ersten Ermittlungen prallte die Straßenbahn der Linie 302 in voller Fahrt gegen einen 18-Tonnen-Autosattelschlepper aus Litauen. Dabei warf der Lkw die über 30 Tonnen schwere Straßenbahn komplett aus den Gleisen.

Der Verkehr der Linien 310/302 konnte ab Betriebsbeginn am frühen Donnerstagmorgen wieder regulär fahren.

Fahrgäste wurden durch den Innenraum geschleudert

Die Fahrgäste wurden kreuz und quer durch den Fahrgastraum geschleudert. Unter den elf Verletzten sind nach WAZ-Informationen auch zwei Jugendliche. Insgesamt befanden sich, so die Polizei, fünf Schülerinnen und Schüler zwischen zwölf und 14 Jahren in der Bahn, die von Langendreer in Richtung Innenstadt fuhr. Der 25-jährige Straßenbahnfahrer erlitt einen Schock und wurde von einem Notfallseelsorger betreut.

Sehr schnell waren bis zu sechs Rettungswagen und zwei Notärzte vor Ort, um die Hilfe zu organisieren. Die Verletzten trugen Knochenbrüche und Platzwunden davon und wurden in die umliegenden Krankenhäuser transportiert. Einige Fahrgäste konnten sich selbst befreien, andere mussten von der Feuerwehr durch zertrümmerte Fensterscheiben aus der Bahn gerettet werden.

Feuerwehrchef Simon Heußen war vor Ort

„Wenn man sich anschaut, wie diese Bahn geschleudert ist, müssen wir von einem recht glücklichen Ausgang dieses Unfalls ausgehen“, so Feuerwehrchef Simon Heußen, der sich vor Ort ein Bild von der Situation machte.

Nach den ersten Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass der 49-jährige Fahrer des schweren Autotransporters versuchte, „verbotswidrig in diesem Bereich zu wenden“, sagt ein Polizeisprecher. Der Mann blieb unverletzt und musste sofort nach dem Unfall zur Vernehmung auf das Polizeipräsidium.

Es gibt mehrere Zeugen, die den Zusammenprall beobachteten. Ein Fußgänger stand unmittelbar neben der Unfallstelle; er schilderte, dass er plötzlich einen Knall gehört habe und die Bahn dann quer über die Schienen „geschossen“ sei. Glücklicherweise fuhren in diesem Augenblick keine Autos auf der gegenüberliegenden Fahrbahn, auf die die Straßenbahn gerutscht war.

Unfall hatte Auswirkungen auf den Straßenverkehr

Der Feuerwehreinsatz wurde um 15.45 Uhr beendet, anschließend starteten Bergungsarbeiten, die bis in die Nacht andauerten. Die Bogestra hatte dafür zwei schwere Kräne bestellt, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Die Bahn wurde in der Nacht von zwei Autokränen wieder eingegleist. die Gleise waren durch den Unfall aber schwer beschädigt worden, sodass sie wieder neu gerichtet werden mussten. Um kurz vor drei Uhr nachts war die Bahn wieder im Depot in der Engelsburger Straße. (mit B.Ki. und jop)

>>> INFO: Daten zu der verunglückten Variobahn

  • Bei der verunglückten Bahn handelt es sich um eine Variobahn, Baujahr 2017. Die Bogestra besitzt zur Zeit 28 dieser modernsten Fahrzeuge.
  • Der Anschaffungspreis für einen dieser Wagen beträgt mehr als zwei Millionen Euro. Der Schaden liegt, so schätzen die Experten, bei mehreren Hunderttausend Euro.
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