Uwe Rösler hielt nichts mehr in seiner Coaching Zone, als die Nachspielzeit, die viel zu geringe seiner Meinung nach, abgelaufen war. Zwei mickrige Minuten hatten die Unparteiischen dem Zweitliga-Auftaktspiel zwischen dem VfL Bochum und Hertha BSC zusätzlich geben wollen. Ein Zuschlag, den man sonst nur aus Vorbereitungsspielen kennt. Und für Rösler viel zu wenig, um doch noch auf die Punkteteilung zu hoffen. Doch dazu kam es nicht. Vom erzürnten VfL-Trainer vor sich ließ sich der Vierte Offizielle auch nicht umstimmen, das Spiel noch mal zu verlängern. So lastet auf dem VfL weiter ein Fluch. Gegen den Hauptstadtklub verloren die Bochumer das Auftaktspiel der 2. Bundesliga im mit 26.000 Zuschauern ausverkauften Ruhrstadion mit 0:1 (0:1). Damit wartet der Revierklub nun seit zehn Jahren auf einen Sieg im ersten Ligaspiel einer Saison, die vergangenen sechs Auftaktpartien ging er zum Auftakt als Verlierer vom Platz.

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Das wollte Uwe Rösler ändern, wusste aber um die Schwere der Aufgabe. „Wir spielen gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Wir waren in ähnlichen Tabellenregionen in der vergangenen Saison, beide Teams haben viele Spieler verloren. Es kann alles passieren“, sagte der VfL-Coach vor Anpfiff über die von Christian Leitl trainierten Gäste, die die Vorsaison als Siebter der Vorsaison zwei Plätze vor dem VfL beendet hatten. Das Fazit nach den 90 Minuten hörte sich bei Philipp Hofmann dann so an: „Wir wussten, dass es schwierig wird. Hertha bestraft den einen Fehler der ersten Halbzeit. Danach kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen.“
VfL Bochum: Fans zeigen beeindruckende Choreo

Eine gravierende personelle Änderung bei der Hertha war der Abgang von Fabian Reese. Obwohl der 28-Jährige erst im vergangenen Sommer seinen Vertrag bei der Hertha bis 2030 verlängert hatte, entschied er sich nun für einen Wechsel zum VfL Wolfsburg. Die Hertha-Fans zeigten wenig Verständnis. „Enttäuschung, Missgunst, leider auch Hass“ sei ihm entgegengeschlagen, sagte Reese der Süddeutschen Zeitung. Unter anderem der Abschied des Kapitäns sorgte dafür, dass die Erwartungen an den Hauptstadtklub vor dieser Saison deutlich geringer ausfielen.
Auf den Rängen begann der Fußballabend spektakulär: Während das ausverkaufte Ruhrstadion vor Anpfiff wie immer die Stadthymne von Herbert Grönemeyer grölte, begrüßten die Bochumer Fans die neue Saison mit einer großen Choreografie auf der Osttribüne und feierten ihre „Malocherstadt“ mit einem überdimensionalen Banner.
Herthas Groenning schockt Bochum
Röslers Prophezeiung einer engen Partie auf Augenhöhe sollte sich erfüllen. Das Spiel begann intensiv, wenn auch ohne nennenswerte Torchancen. Für den größten Aufreger sorgten zunächst die Gästefans: Die Berliner Anhänger hatten ein Banner am Zaun des Gästeblocks aufgespannt und blockierten damit einen Fluchtweg. Kennt man bedauerlicherweise aus Bochum, deswegen gab es schon häufiger Störungen. Schiedsrichter Wolfgang Haslberger sah sich gezwungen, die Partie in der 18. Spielminute zu unterbrechen. Nach rund sechs Minuten Wartezeit rollten die Herthaner ihren Stoff schließlich ein.
Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis das Spiel Fahrt aufnahm. Erst scheiterte Bochums Philipp Hofmann mit einem Kopfball-Aufsetzer am Berliner Torwart Marius Gersbeck (30.), nur eine Minute später schoss Herthas Soufian Gouram knapp über das Bochumer Tor. Dann der Dämpfer für die Gastgeber: Einen feinen Berliner Angriff veredelte Sebastian Groenning mit einem Lupfer über VfL-Torwart Timo Horn hinweg zum 1:0 (39.). Die Bochumer Reaktion folgte prompt, doch Neuzugang Berkan Taz legte einen Kopfball völlig frei rechts am Hertha-Gehäuse vorbei (41.) - das hätte der Ausgleich sein müssen.
VfL Bochum fehlen Fortune und Ideen

Die Hertha erwischte den besseren Start in die 2. Halbzeit, war zunächst aktiver. Wirklich Schwung konnten aber beide Mannschaften nicht entwickeln. Richtig gefährlich wurde es erst wieder in der 57. Spielminute, als Hofmann aus halbrechter Position knapp über die Latte köpfte. Wenige Minuten später wurde Taz‘ Abschluss aus zentraler Position in höchster Not abgeblockt (64.). Es begann die bis dato stürmste Phase der Hausherren, denen aber bis zum Schluss das Fortune und zündende Ideen in der Offensive fehlten.
Die Hertha wiederum verlegte sich in den letzten 20 Minuten der Partie vollends aufs Verteidigen und hatte damit Erfolg. Die Bochumer kamen immer wieder nach vorn, jedoch nicht in gefährliche Abschlusssituationen – und schlichen am Ende enttäuscht als Verlierer vom Platz.




