Der offizielle Teil des Abends neigte sich gerade dem Ende entgegen, da staunte auch Uwe Rösler nicht schlecht. Ausgerechnet von der Vereinslegende Dariusz Wosz, seinem alten Kumpel aus DDR-Nationalmannschaftszeiten, wurde der Cheftrainer des VfL Bochum im Metropolis-Kino unter Druck gesetzt. „Zwei Jahre hat er Zeit, um aufzusteigen“, sagte die „Zaubermaus“ bei einer Veranstaltung des Bochum Marketing aus der Reihe „Dein Fußball-Wochenende in Bochum“ mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

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Problem nur: Das erste Jahr neigt sich allmählich dem Ende entgegen – immerhin mit dem Klassenerhalt, der am Samstag im Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden (13 Uhr/Sky) endlich fixiert werden kann. In der kommenden Saison soll der VfL Bochum dann wieder oben mitspielen, wenn es nach dem Willen von Wosz geht. „Ich hoffe, dass wir von Anfang an oben mitspielen. Wenn du oben mitspielst, fällt die Saison leichter und du gewinnst die Spiele, die man dann unentschieden spielt. Man muss die Leistung bringen, aber Kleinigkeiten laufen für dich“, sagte der 57-Jährige und ergänzte: „Ich hoffe, dass Essen aufsteigt und Münster drin bleibt. Dann haben wir zwei tolle Duelle mehr.“

Rösler will zunächst den Klassenerhalt mit dem VfL schaffen

Rösler hingegen trat auf die Bremse. „Ich kann noch gar nicht an die nächste Saison denken“, sagte er. Zunächst gehe es darum, den Klassenerhalt zu schaffen. Daher mahnte er auch seine Spieler und die Fans des VfL nach dem 4:1-Sieg gegen Eintracht Braunschweig: „Die Erleichterung darf nicht in Selbstzufriedenheit ausarten.“

Vor dem kurzen Ausflug in die Gegenwart stand an dem Abend aber ein anderes Thema im Fokus. Unter dem Motto „Was der VfL mit dem letzten DDR-Länderspiel zu tun hat“ sprach Moderator Christian Krumm, Leitung Kommunikation beim Bochum Marketing, mit Rösler und Wosz über ein besonderes Spiel am 12. September 1990. Damals liefen die beiden im allerletzten Länderspiel der DDR auf – seinerzeit in Brüssel. Viele Nationalspieler sagten damals Trainer Eduard Geyer ab, weil die Nationalmannschaft für sie keinen Wert mehr hatte. Rösler hingegen war genauso wie Wosz dabei und stand in der Startelf. „Ich habe mich nicht geärgert, dass einige nicht kamen. Da konnte ich wenigstens spielen“, sagte er süffisant und fügte ernst an: „Ich habe nie gedacht, ich komme nicht. Es war ein historisches Spiel, ich wollte daran teilnehmen. Es war für mich eine Ehre.“

Historischer Abend: Rösler und Wosz beim letzten DDR-Länderspiel dabei

Dass beide an dem Abend in Brüssel an einem geschichtsträchtigen Spiel mitwirkten, sei Wosz allerdings nicht klar gewesen, gab er am Mittwochabend zu. „Man wusste nicht, wer kommt. Für mich war klar, dass ich dabei bin. Ich wusste erst bei der Mannschaftssitzung durch Nationaltrainer Eduard Geyer, dass es das letzte Spiel sein wird.“ Ihm sei es dann vor allem darum gegangen, sich bloß nicht zu verletzen, um die Saison mit dem Halleschen FC weiterspielen zu können. Im Dezember 1991 wechselte er dann zum VfL Bochum und wurde an der Castroper Straße als „Zaubermaus“ zur Legende. Nicht wenige sagen, dass Wosz der beste Fußballer war, der je das VfL-Trikot getragen habe.

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Und die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, wie Wosz nun erklärte. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Es sind viele Leute hier geblieben. Weil die Menschen hier fantastisch waren. Darum habe ich auch die Leistung gebracht. Ich wurde nie beleidigt. Ich kann mir nichts anderes vorstellen, als in Bochum zu bleiben“, sagte der 56-Jährige, der laut eigener Aussage in Stasi-Akten den Spitznamen „Naturtalent“ trug.

Wosz und Rösler beim VfL Bochum wiedervereint

Möglich machte das die Wende, wodurch die DDR drei Wochen nach dem letzten Länderspiel in Brüssel Teil der Bundesrepublik wurde. „Dass die Revolution ohne einen Schuss stattgefunden hat – darauf können wir alle stolz sein und froh darüber sein“, sagte Rösler an einem Abend voller Erinnerungen, den Fußball zu dieser Zeit und die Entwicklungen der Karrieren zweier DDR-Nationalspieler, die sich nun in Bochum wieder über den Weg gelaufen sind.