Auf einen „klaren Neuner“ will der neue Trainer Uwe Rösler beim VfL Bochum möglichst setzen. Einen mit Wucht und Größe. Einen Typ wie Ibrahim Sissoko - und Philipp Hofmann. Beide trafen beim Testspiel gegen Alemannia Aachen am Donnerstag (3:3). Beide haben noch längerfristige Verträge. Sissoko bis 2027 - und Hofmann bis 2028!

Bodenständig, klar, überzeugend präsentierte sich Uwe Rösler als neuer Trainer des VfL Bochum. Aber er muss viele Probleme lösen. Wird er zum Retter? Darüber diskutieren wir in einer neuen Folge von „Inside VfL – der Stadtwerke-Bochum-Talk von WAZ und Radio Bochum“. Moderatorin Annalena Fedtke analysiert mit Funke-Sport-Chef Sebastian Weßling und VfL-Reporter Ralf Ritter von der WAZ die Baustellen des VfL und wie Rösler das Team, die Fans, den Klub aufrichten will. Taugt der 56-Jährige, der zudem Alessandro Riedle als neuen Co-Trainer mitgebracht hat, als Hoffnungsträger? Oder hätte David Siebers weitermachen sollen? Wir bilanzieren die Arbeit des Interimstrainers. Zudem geht es um die tiefe Krise des VfL: Haben Vorstandschef Andreas Luthe und Geschäftsführer Ilja Kaenzig den Klub „in die Hölle“ geredet? Auch die neue Führungsstruktur im sportlichen Bereich mit Simon Zoller ist Thema des Talks.

Denn wie dieser Redaktion am Rande des Testspiels gegen Aachen aus bestens informierten Vereinskreisen bestätigt und inzwischen auch offiziell vom VfL vermeldet wurde, hat der Stürmer (32) seinen ursprünglich im Sommer 2026 auslaufenden Kontrakt bereits im August um zwei Jahre verlängert. Der neue Vertrag gilt nun bis 2028, aber wohl nicht für die 3. Liga, was auch nicht dem eigenen Anspruch Hofmanns entspricht.

Hofmann: „Der VfL Bochum ist mein Zuhause“

„Meine Familie“, kommentiert Hofmann seine Verlängerung, „fühlt sich in Bochum wohl, das Stadion und die Castroper Straße sind meine zweite Heimat geworden, der VfL ist mein Zuhause – deshalb bin ich sehr froh, dass unsere gemeinsame Zeit beim VfL weitergeht. Ich bin gerne bereit, Verantwortung zu übernehmen und ein Ansprechpartner für unsere jungen Spieler zu sein. Dazu will ich meinen Beitrag leisten, natürlich am liebsten mit so vielen Toren und Vorlagen wie möglich.“

„Philipp Hofmann ist ein Spieler“, der auf und neben dem Platz immer vorangeht und sich in den Dienst der Mannschaft stellt“, lobt VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig. „Er hat viele wichtige Tore – nicht zuletzt in der legendären Relegation 2024 gegen Fortuna Düsseldorf - erzielt, an die sich jeder VfL-Fan sicher noch gerne erinnert. Sein Stellenwert in der Kabine zeigt sich auch dadurch, dass er zum Mannschaftsrat gehört und Vize-Kapitän ist. Er hat sich nach seiner schweren Verletzung Ende der vergangenen Saison zurückgekämpft und wird auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der VfL-Familie bleiben.“

Hertha BSC baggerte schon im Mai an Bochums Hofmann

Dass der 1,95 Meter große Hüne „auch über die Saison hinaus in Bochum spielen wird“, hatte diese Redaktion bereits am 24. September nach dem 1:2 in Nürnberg berichtet. Es waren aber noch nicht die letzten Details des Deals durchgesickert. Auch in sozialen Medien tauchten immer wieder mal entsprechende Gerüchte auf. Weitere Recherchen ergaben nun ein klares Bild: Alle Hintergründe zum Hofmann-Hammer.

Wöchentlich

VfL Bochum-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Spielberichte, Transfergerüchte, Analysen, Interviews: Das Wichtigste zum VfL.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Hofmann hatte trotz einer im Abschluss schwachen Vorsaison unter anderem das Interesse von Hertha BSC geweckt. Darüber berichtete die „Bild“ bereits im Mai. Doch Trainer Dieter Hecking und Sport-Geschäftsführer Dirk Dufner, die beide nach dem Fehlstart Mitte September vom VfL mit Geschäftsführer Ilja Kaenzig und dem Präsidium um den Vorstandsvorsitzenden Andreas Luthe an der Spitze freigestellt wurden, wollten ihn grundsätzlich halten.

firo :  12.04.2025,
Fussball, Fußball, 1. Liga, 1.Bundesliga, Saison 2024/2025,
VfL Bochum - FC Augsburg
Philipp Hofmann erzielte in seiner ersten Saison beim VfL Bochum 2022/23 acht Bundesliga-Treffer, in der Vorsaison aber nur drei. Hier jubelt er nach seinem Tor gegen Augsburg im April.© firo Sportphoto | El-Saqqa

Und sie wollten ihn Ende August keinesfalls ziehen lassen. Da lag Hofmann nach unseren Informationen ein konkretes Angebot von Hertha BSC vor. Da hatte der VfL aber Moritz Broschinski bereits an den FC Basel für im Erfolgsfall bis zu 2,5 Millionen Euro verkauft. Dies gegen den Willen von Hecking, der sich nach dem Abstieg im Mai allerdings einem Abgang von Broschinski durchaus vorstellen konnte.

Das Vertrauensverhältnis zwischen Broschinski und Hecking war wie berichtet gestört, nachdem der Ex-Trainer den formschwachen Angreifer nach der Niederlage in Heidenheim öffentlich scharf kritisiert hatte. In der Vorbereitung indes machte Hecking die Kehrtwende, nachdem Broschinski überzeugte - und es auch keine Alternativen als Ersatz gab.

Broschinski weg, Kabadayi-Deal geplatzt: Hofmann musste zwingend bleiben

Letzteres galt kurz vor dem Ende der Transferphase erst Recht, als Hofmann zu Hertha hätte gehen können - es wäre erneut gegen den Willen von Hecking geschehen. Auch Hofmann selbst bevorzugte weiterhin im Grundsatz eine Verlängerung beim VfL.

Dem von Dirk Dufner eingetüteten und von ihm fast schon finalisierten Deal mit Augsburgs Yusuf Kabadayi stoppte das Präsidium kurzfristig ein paar Tage vor Transferschluss aus ethischen Gründen (wir berichteten). Ohne Hofmann hätte der VfL nur noch Sissoko als Angreifer gehabt, am letzten Transfertag kam dann noch Michael Obafemi hinzu. Ebenso wie Farid Alfa-Ruprecht (19) auf Leihbasis von Leverkusen, aber als Ersatz für den an Willem II Tilburg (2. Liga Niederlande) ausgeliehenen Samuel Bamba.

FC Schalke 04 - VfL Bochum
Philipp Hofmann bei einem Bochumer Schlüsselspiel in dieser ja noch jungen Saison, beim 1:2 beim FC Schalke 04, im Duell mit Adrian Gantenbein.© dpa | Anke Waelischmiller

Bochum hatte zwei Optionen: Vertrag auslaufen lassen oder verlängern

So hatte der VfL Bochum zwei Optionen. Er hätte Hofmanns Vertrag im kommenden Sommer auslaufen lassen können, womit er auf eine mögliche Ablösesumme in der Zukunft definitiv verzichtet hätte. Hofmann hätte dies nach unseren Informationen akzeptiert. Der VfL mit dem mittlerweile geschassten Sportchef Dufner, mit Geschäftsführer Ilja Kaenzig und dem zustimmenden Präsidium entschied sich für Variante zwei: Er machte Hofmann ein neues Angebot für eine Verlängerung, und zwar um marktübliche zwei Jahre. Diese Laufzeit bot ihm auch Hertha BSC an.

Alles zum VfL:

+++ Wir sind nah dran beim VfL - jetzt auch auf Instagram! Hier geht es zum Account +++

++ Alle News zum jeden Morgen ins Postfach: Hier können Sie unseren VfL-Newsletter abonnieren +++

+++ VfL inside - der Stadtwerke-Bochum-VfL-Talk: Immer montags als Video oder Podcast +++

Hofmann selbst hatte bereits zum Start der Vorbereitung gegenüber dieser Redaktion erklärt, dass die Gespräche liefen und voraussichtlich bis zum Saisonstart oder kurz darauf Fakten geschaffen würden. So kam es auch.

Hofmann spielt seit 2022 für den VfL Bochum und war immer gesetzt

Hofmann wechselte im Sommer 2022 vom Karlsruher SC zum VfL in die Bundesliga, ist Mitglied des Mannschaftsrates und auch in der Kabine ein wichtiger Faktor. Unter allen Trainern war er praktisch gesetzt, von Thomas Reis über Thomas Letsch und Heiko Butscher bis zu Peter Zeidler, Dieter Hecking und zuletzt David Siebers. Vor allem wegen seiner Ballbehauptung, Wucht im Zweikampf, Lufthoheit und Präsenz. Hofmann ist ein Zielspieler, der oft zwei, drei Gegenspieler bindet, wie es viele Gegner-Trainer in ihren Analysen nach den Spielen gegen den VfL oft betonten - in der ersten wie auch in der 2. Liga.

Mehr News und Infos zum VfL Bochum

Was ihm in den letzten anderthalb Jahren allerdings fehlte: Torgefahr. Und Tore. In der Vorsaison kam er auf nur drei Treffer und vier Torvorlagen in 32 Spielen. In dieser Saison enttäuschte er meist, blieb oft gänzlich harmlos, erzielte erst ein Tor beim 1:2 gegen Münster, holte einen Assist beim 2:3 in Kaiserslautern.

214058_1269_cover.jpg
VfL Bochum ist in der "Hölle": So soll Rösler die Krise stoppen
Inside VfL - Der Stadtwerke Bochum-Talk
 

Allerdings wurde „Hoffi“, wie ihn alle rufen, auch viel zu selten mit Flanken gefüttert, konnte seine Kopfballstärke nach zu schwach getretenen Standards kaum ausführen. In der Arbeit gegen den Ball, in punkto Einsatz und Zweikampfhärte konnte man ihn seit seiner Ankunft in Bochum noch nie einen Vorwurf machen.

Jetzt soll Uwe Rösler den VfL wieder in die Spur kriegen - und damit vielleicht auch Philipp Hofmann, der vom Typ zweifellos ein „klarer Neuner“ sein kann. Genau wie Rösler es mag.