Kaum war der Abpfiff ertönt, schallte ein gellendes Pfeifkonzert durchs Ruhrstadion. Viertes Liga-Spiel, dritte Niederlage, der Absturz auf Rang 16 droht. Der VfL Bochum hat vor der Länderspielpause einen weiteren Rückschlag in dieser noch jungen Saison hinnehmen müssen. Gegen Preußen Münster verlor die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking zu Hause mit 1:2. Die Stimmung ist nun entsprechend der Tabellensituation: im Keller. Ein kleiner Lichtblick aber auf der Tribüne: Dort saß der Flügelspieler Farid Alfa-Ruprecht, den die Bochumer gern von Bayer Leverkusen ausleihen möchten.

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Der VfL Bochum war im selben System unterwegs wie bereits auf Schalke. Im 5-1-3-1 mit Cajetan Lenz als Sechser, Francis Onyeka, Kjell Wätjen sowie Matus Bero im Mittelfeld betrieb die Mannschaft von Hecking ein extrem hohes Pressing. Die Bochumer wollten offenbar von Beginn an ein Zeichen setzen und beinahe wäre der Plan auch aufgegangen. Nach zwei Minuten gewann Maximilian Wittek den Ball in der eigenen Hälfte, trieb ihn nach vorn und nahm Gerrit Holtmann mit. Startelfdebütant Onyeka wurde im Strafraum freigespielt, und er prüfte Johannes Schenk das erste Mal. Den Nachschuss setzte Hofmann artistisch per Seitfallzieher drüber.
Preußen Münster immer besser im Spiel
Das aggressive Pressing allerdings bot auch Räume für die Gäste, die diszipliniert standen und trotz des Dauerdrucks wenig zuließen. Nach 13 Minuten ging es ganz schnell. Philipp Hofmann verlor den Ball im Mittelfeld und Jano Ter Horst trieb den Ball unbedrängt durchs Bochumer Mittelfeld, steckte durch auf Marvin Schulz, der den Ball knapp am Tor vorbei legte.

Mit fortlaufender Spielzeit konnten sich die Preußen immer besser aus der Umklammerung der Bochumer befreien und schafften es, die Spielkontrolle an sich zu reißen. Die Mannschaft von Alexander Ende ließ den Ball immer besser laufen, die Bochumer hingegen kamen nicht mehr so gut in die Zweikämpfe wie noch zu Spielbeginn. Echte Torchancen aber spielten sich beide Mannschaften nicht heraus.
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Bis zur 28. Minute. Ter Horst tanzte Vogt im Mittelfeld aus und verschaffte sich dadurch viel Raum, den er für einen öffnenden Pass auf Joshua Mees nutzte. Der nutzte den vielen Platz vor dem Strafraum, tanzte Felix Passlack aus und zog in die lange Ecke zur bis dahin durchaus überraschenden Führung ab. Ein Tor lag zu diesem Zeitpunkt nicht in der Luft.
VfL Bochum kontert, Hofmann trifft
Die Bochumer Anhänger quittierten den Rückstand mit Unmutsbekundungen, und die Mannschaft wurde deutlich nervöser, leistete sich nun mehr Fehler. Die Preußen bekamen mehr Platz im Mittelfeld und nutzten diesen auch. Nach 35 Minuten etwa tanzte Oliver Batista Meier den schwachen Passlack aus. Der Schuss ging aber knapp neben das Tor. Aus der Bochumer Anfangseuphorie wurde immer mehr Unbehagen. Es passte zu den grauen Wolken, die über dem Ruhrstadion immer dichter wurden.

Genau in dieser Szenerie auf einmal der große Jubel der Bochumer. Mit einem starken spiel-öffnenden Pass von Cajetan Lenz war die gesamte rechte Seite auf einmal offen für Passlack, der durchstartete und Luca Bolay entwischte. Er behielt die Nerven und sah am langen Pfosten Hofmann, der den Ball irgendwie ins Tor drückte. Doch der Jubel wurde zunächst unterbrochen, die Fahne des Linienrichters ging hoch. Fraglich war, ob Kjell Wätjen Preußen Keeper Schenk behinderte, als er dabei im Abseits stand. Nach mehreren Minuten Videobeweis samt Bildschirm-Check von Schiedsrichter Felix Prigan die Entscheidung: Das Tor zählte. Wätjens Abseitsposition bewertete Prigan als passiv. Der VfL war zurück im Spiel (43.).
Münster trifft kurz nach der Pause erneut zur Führung
Das war nach fünf Minuten im zweiten Durchgang aber schon wieder hinfällig. Nach einem katastrophalen Fehlpass von Gerrit Holtmann in die Füße von Rico Preußinger schaltete Münster schnell um, über zwei Stationen kam der Ball zu Mees. Dieser zog kurz nach innen, Felix Passlack hielt höflich Abstand. Mees zog daher unbedrängt aus rund 25 Metern ab und versenkte zum 2:1 aus Münster-Sicht. Auch VfL-Keeper Timo Horn sah dabei nicht gut aus, wenngleich der Ball eine starke Kurve machte, bevor er im Netz einschlug.
VfL-Trainer Dieter Hecking reagierte, brachte Mathis Clairicia, Noah Loosli und Ibrahim Sissoko, stellte auf eine Viererkette hinten und eine Raute im Mittelfeld um. Einen echten Effekt hatte es nicht. Bochum wirkte nervös, die Spielkontrolle hatten die Gäste. Entsprechend unruhig wurde es im Stadion. Geraune und immer mehr Pfiffe mischten sich unter die immer leiser werdenden Gesänge aus der Ostkurve. Die Partie wurde immer ruppiger und zerfahrener. Blicke für die besser positionierten Mitspieler fehlten, lediglich eine Torchance, die Onyeka vergab in der Nachspielzeit, spielte sich der VfL noch heraus - und verlor das dritte Spiel der Saison völlig zurecht.







