Der VfL Bochum ist dem Abstieg noch näher gerückt, besiegelt ist er noch nicht. Nach dem 0:0 beim FC Heidenheim beträgt der Rückstand auf Gastgeber FCH auf Relegationsrang 16 weiterhin vier Punkte. Nach dem siebten Sieglos-Spiel in Folge (zwei Remis, fünf Niederlagen) muss der Bundesligist aber nun die letzten beiden Partien gegen Mainz und in St. Pauli gewinnen und zudem auf Patzer von Heidenheim (in Berlin, gegen Bremen) und Holstein Kiel hoffen. Beim Abnutzungskampf in Heidenheim fehlte es dem VfL erneut an der Durchschlagskraft.

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Feurig hatten über 5000 Fans den VfL am Vortag beim Abschluss-Training zum „Endspiel“ geschickt. Die nach einer Bus-Panne gerade noch rechtzeitig in der Voith-Arena eingetroffenen Ultras rollten ein Banner aus: „Schieß ein Tor, Lass uns träumen“. Gut 2000 Bochumer feuerten ihr Team unentwegt an in der kleinen 15.000-Zuschauer-Arena auf dem Schlossberg. Torwart Timo Horn nebelten sie mit ständigen Pyro-Fackeln ein, in der gesamten Partie brannten fast nonstop ein, zwei Pyro-Fackeln im VfL-Block.

Zerfahrene erste Halbzeit - vier Änderungen in der Startelf

Immerhin: Durchblick hatte der FC Heidenheim vor dem VfL-Gehäuse im ersten Durchgang nicht. Horn klärte gegen aus einer stabilen Defensive kontrolliert agierende Gastgeber einmal vor Busch, ein Kopfball von Mainke rauschte am Kasten vorbei. Auf der anderen Seite aber passierte auch viel zu wenig.

VfL-Trainer Dieter Hecking nahm nach dem 1:1 gegen Union Berlin vier Änderungen in der Startelf vor. Unter anderem spielte Ivan Ordets den Abwehrchef für den zuletzt starken Jakov Medic, den Angriff im bevorzugten 5-3-2 bildeten Georgios Masouras und Philipp Hofmann. Es war eine eher defensive Ausrichtung.

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Von Beginn an war es ein Abnutzungskampf zwischen den Strafräumen mit vielen Zweikämpfen in der Luft und am Boden, mit vielen Fouls und Unterbrechungen. Erstes Opfer des Abstiegs-Fights war Philipp Hofmann. Der Kapitän konnte nach einem Zusammenprall mit Beschwerden im Brustbereich nicht weitermachen, später folgte ihm Heidenheims Scienza (28.).

Für den wuchtigen Wandstürmer Hofmann kam mit Torjäger Myron Boadu ein ganz anderer Spielertyp, der seine Stärken im Tempo am Boden hat, in der Luft eher nicht zu gebrauchen ist. Für mehr Spielfluss sorgte das nicht, nur die – harmlosen – Schüsse von Masouras (5.) und Boadu (35.) kamen in der ersten Halbzeit aufs Tor von Kevin Müller. Boadu vergab mit einem akrobatischen Volley-Schuss nach Masouras‘ Flanke noch die beste Möglichkeit in einem zerfahrenen Spiel, der Ball tischte auf und flog dann über den Kasten.

Zusammenprall: Torwart Müller auf Trage aus dem Stadion gebracht

Die zweite Halbzeit hatte kaum begonnen, da herrschte Schockstille im Stadion. Nach einem heftigen Zusammenprall mit Ibrahima Sissoko blieb FCH-Torwart Kevin Müller vor dem Bochumer Block regungslos am Boden liegen, eine Plane sorgte bei der Erst-Behandlung für Sichtschutz. Alle Fans, Bochumer wie Heidenheimer, riefen dann aufmunternd seinen Namen, applaudierten, als Müller auf einer Trage aus dem Stadion gebracht wurde. Ergreifende Szenen. Es gibt Wichtigeres, viel Wichtigeres als einen Bundesliga-Abstieg.

1. FC Heidenheim - VfL Bochum
Nach einem Zusammenprall mit Sissoko wurde FCH-Torwart Kevin Müller minutenlang behandelt, unter dem Applaus aller Fans dann auf einer Trage aus dem Stadion gebracht.© Harry Langer/dpa | Harry Langer

Der 21-jährige Ersatzkeeper Frank Feller kam damit sein Bundesliga-Debüt, nach zehnminütiger Unterbrechung ging die Partie weiter. Sie wurde offener: Bochum nutzte ein Punkt nichts, Bochum musste mehr riskieren. Boadu vergab nach Masouras-Pass das 1:0, er spitzelte den Ball an den Außenpfosten (66.).

VfL Bochums Oermann rettet - Broschinski schießt drüber

Der FCH aber, dessen Trainer Frank Schmidt zur Pause auf Viererkette umgestellt hatte, meldete sich an, drückte nun selbst aufs erlösende 1:0. Pieringer, Bayern-Leihgabe Krätzig scheiterten, ehe Schöppner aus kurzer Distanz am Tor vorbeiköpfte und Tim Oermann in höchster Not einen Schuss von Beck zur Ecke klärte (73./75).

Hecking wechselte offensiv, stellte auf 4-3-3 um: Broschinski und Holtmann kamen für Masouras und Passlack. Der VfL warf mehr und mehr alles nach vorne, hatte Chancen. Boadu lupfte übers Tor statt querzulegen auf Broschinski. Horn rettete dann die Mini-Hoffnung auf die Rettung, als er einen Beck-Schuss noch um den Pfosten lenkte. Ein gerechtes 0:0 - der siebte Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte aber ist nun ganz nah.