Wie und ob die Spieler des VfL Bochum die Samstagskonferenz der Bundesliga verfolgt haben, ist nicht bekannt. Spätestens aber, wenn sie die Ergebnisse gesehen haben, dürfte sich die Laune an einem sonnigen Tag etwas verfinstert haben. Nach der eigenen Niederlage am Freitagabend beim amtierenden Meister Bayer Leverkusen (1:3) und dem Sieg des 1. FC Heidenheim beim VfL Wolfsburg ist der VfL wieder vom Relegationsrang auf einen direkten Abstiegsplatz abgerutscht. Es ist eine Platzierung, die gegen die eigentlich positive Entwicklung unter Dieter Hecking steht, aber die deutliche Sprache der verpassten Punkte spricht.

Wöchentlich
VfL Bochum-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Spielberichte, Transfergerüchte, Analysen, Interviews: Das Wichtigste zum VfL.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
„Wir müssen punkten, es sind nur sieben Spiele“, sagte Bochums Leihspieler Tom Krauß am Freitagabend in den Katakomben der BayArena mit ernster Miene. „Wenn wir nicht mehr punkten, steigen wir ab.“ Die mahnenden Worte mischten sich in Leverkusen in optimistische Töne nach einem weiteren guten Auftritt in dieser Spielzeit, seitdem Dieter Hecking im vergangenen Oktober als Trainer übernahm. Lange hatte Leverkusen keine Mittel gegen die kompakte Bochumer Defensive gefunden.
Schwacher Jablonski begünstigt VfL-Rückstand
Doch dann half ausgerechnet der schwache Schiedsrichter Sven Jablonski der Mannschaft von Xabi Alonso, die Bochumer erneut ins Hintertreffen zu bringen. Felix Passlack hatte noch in der ersten Halbzeit den zwischenzeitlichen Rückstand durch Alejandro Grimaldo ausgeglichen. Es war ein weiterer Beleg für die Widerstandsfähigkeit des VfL. Und vielleicht hätte es sogar zu mehr an diesem Freitag gereicht, wenn eben nicht Jablonski gewesen wäre.
Mehr News und Infos zum VfL Bochum
In der 59. Minute pfiff er nach einem vermeintlichen Handspiel von Maximilian Wittek Freistoß für Leverkusen. Es war eine Entscheidung, den den Bochumer Außenverteidiger nach dem Spiel auf die Palme brachte. „Es ist für mich kein Handspiel, ich kann mir die Hand nicht abhacken. Ich weiß ganz genau, dass die Hand nur hing“, sagte er.
Über die Freistoß-Entstehung wäre am Ende vermutlich wenig diskutiert worden, wäre daraus nicht das 2:1 für Leverkusen durch Victor Boniface entstanden - und hätte es nicht dabei auch Diskussionsstoff gegeben. Der im Abseits stehende Jonathan Tah blockte Philipp Hofmann kurz, sodass am langen Pfosten Piero Hincapie wieder in die Mitte spielen konnte, wo Boniface den Ball über die Linie zur erneuten Führung drückte. „Gegen Hoffi ist es für mich aus dem Abseits heraus ein Block“, sagte Wittek. „Das ist für mich strafbar.“ Zurückhaltender äußerte sich zu dieser Szene Trainer Hecking, der ähnliche Situationen „1000 Mal“ im Spiel sehen würde.
VfL Bochum: Holtmann überzeugt von Geschlossenheit
Als Amine Adli kurz vor Schluss dann den Sack zumachte und der VfL Bochum seine 17. Saisonniederlage abholte, war die Stimmung in blau-weiß erst einmal im Keller. Wenig darauf allerdings machte sich Trotz breit. „Wir stecken das 0:1 locker weg. Anderen hätte es das Genick gebrochen“, sagte Flügelspieler Gerrit Holtmann. „Wir sind nach fünf Minuten wieder zurückgekommen, hatten auch Platz zu spielen. Das sah gut aus, bis diese scheiß Gegentore kamen.“ Mut mache ihm die Geschlossenheit der Mannschaft. Diese habe kollektiv gesagt, dass es weitergeht.

Mit zwei Heimspielen in Serie. Am kommenden Wochenende gastiert der VfB Stuttgart an der Castroper Straße, die Woche darauf kommt der formstarke FC Augsburg. Vor allem gegen die württembergischen Schwaben rechnen sich die Bochumer etwas aus. „Die sind noch im DFB-Pokal, am besten über 120 Minuten, gehen im Elfmeterschießen raus und wir schlagen die zu Hause 2:0. Das ist mein Wunsch“, sagte Holtmann über die Mannschaft von Sebastian Hoeneß, die am Mittwoch zu Hause gegen RB Leipzig im Halbfinale des Pokals (20.45, ZDF) ran muss.
Krauß: „Wenige Mannschaft, die so gut Fußball spielen“
Angst und bange werden muss in Bochum sicherlich niemand, wenn der Champions-League-Teilnehmer dieser Saison vorbeikommt. Defensiv hat sich der VfL stabilisiert und auch spielerisch machte die Mannschaft von Hecking in Leverkusen erneut einen Schritt nach vorn, hätte sogar in Führung gehen können. „Es gibt wenige Mannschaften in unserem Bereich, die so gut Fußball spielen. Das müssen wir mitnehmen“, sagte Mittelfeldspieler Krauß.
Für Trainer Hecking geht es nun vor allem darum, das mitzunehmen. „Das Selbstvertrauen ist in den letzten Wochen gewachsen. Das müssen wir in den nächsten Wochen auch bringen. Mentalität, Einsatzfreude und Begeisterung bleiben die Grundlage“, sagte er. Vor allem in Heimspielen, in denen es zuletzt aus Bochumer Sicht alles andere als rund lief. Die Mannschaft aber hat zuletzt in den Spielen gegen Spitzenmannschaften bewiesen, was in ihr steckt.








