Leichtathletik

Gina Lückenkemper über Batterien, Kaffee und Currywurst

Gina Lueckenkemper zog eine Bilanz der Leichtathletik-WM und erklärte ihre Trainingsmethoden.

Gina Lueckenkemper zog eine Bilanz der Leichtathletik-WM und erklärte ihre Trainingsmethoden.

Foto: DPA

Soest.   Bei Gina Lückenkemper stehen Veränderungen an. Zunächst nur privat. Aber auch ihre sportlichen Leistungen will die Sprinterin noch steigern.

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Picasso ist umgezogen. Von Möhnesee-Theiningsen nach Welver-Merklingsen. Eine durchaus bedeutende Veränderung im Leben des Hengstes, dessen Besitzerin nun einen ähnlichen Schritt plant. „Ich bleibe natürlich in Soest“, sagt Gina Lückenkemper, „aber ich freue mich sehr, dass ich jetzt eine eigene, schöne Wohnung gefunden habe.“

Dass die Sprinerin nun ihr Elternhaus verlässt, könnte noch einmal für einen neuen Reiz sorgen. Die 20-Jährige ist ja ohnehin dafür bekannt, neugierig zu sein und auch mal mit Konventionen zu brechen. So ist das Interesse beim Pressetermin drei Tage nach der Leichtathletik-Weltmeisterschaft an einem Thema besonders groß: Wie war das denn jetzt mit der Batterie? Und warum hat die schnellste Frau Deutschlands überhaupt preisgegeben, dass sie bisweilen an einem 9-Volt-Block leckt? Hat das nicht einen, im wahrsten Sinne des Wortes, komischen Beigeschmack? „Warum sollte ich es denn nicht erzählen?“, fragt Lückenkemper in ihrer typisch unbekümmerten Art zurück.

Der Trick mit der Batterie

Dann geht sie ins Detail. „Das Neuroathletiktraining ist in Deutschland noch nicht so bekannt, in Übersee arbeiten aber sehr viele damit. Ich denke, wir leisten damit auch Pionierarbeit. Ich möchte ja, dass es im Sport in Deutschland vorangeht“, unterstreicht die Kurzstrecken-Spezialistin. Der Trick mit der Batterie diene – vor allem im Training – dazu, das Nervensystem anzuregen. „Wir wollen ja, dass alle Leitungen frei sind“, sagt die Athletin von der LG Olympia Dortmund.

„Ich würde jedem empfehlen, nichts zu verwenden, was über neun Volt hinausgeht“, gibt ihr Trainer Uli Kunst mutigen Nachahmern augenzwinkernd als Tipp. Lückenkempers Vorbehalte gegenüber dieser Methode, um noch ein bisschen was herauszukitzeln, waren erheblich. „Ich hatte unfassbaren Schiss davor und habe gesagt: Ich bin doch nicht bescheuert und lecke an einer Batterie.“ Sportwissenschaftler Lars Lienhard ermutigte sie erfolgreich, es doch zu tun. „Die Zungenspitze ist nicht zu empfehlen, weiter hinten ist es kein Problem – und dann knackt es“, verrät Lückenkemper.

Zürich und Berlin zum Abschluss

Den Akku lädt sie aber anders auf – beim Bummeln durch ihre geliebte Heimatstadt zum Beispiel. „Der Kopf braucht auch mal Ruhe“, sagt das Energiebündel, „wenn der Kopf nicht mispielt, dann tun die Beine es erst recht nicht.“ Da weiß ein junger Star, auf den immer mehr einprasselt, wovon er spricht.

Erst am Freitag geht es mit dem Training weiter, dann reist Lückenkemper zum Diamond-League-Meeting nach Zürich. Am letzten August-Wochenende folgt das ISTAF in Berlin; direkt im Anschluss, ebenfalls in der Bundeshauptstadt, die Veranstaltung mit dem momentan ironisch klingenden Namen „Berlin fliegt“. Gina Lückenkemper freut sich darauf.

Saisonplanung bei Kaffee und Currywurst

Genauere Pläne für 2018 wird sie am Saisonende schmieden. „Bei Kaffee und Currywurst! Das ist doch mal eine geniale Kombination“, prustet sie in Richtung Trainer. Uli Kunst ist einverstanden. Kaum jemand weiß schließlich so gut wie er, dass es bei Gina auch mal ein bisschen verrückter sein darf.

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