Über mehrere Tage stand Fußball-Drittligist Rot-Weiss Essen medial stark im Fokus. Der Revierklub hatte die Relegation zur 2. Bundesliga erreicht, beide Spiele gegen die SpVgg Greuther Fürth wurden von Sat.1 und Sky übertragen. Sportlich und atmosphärisch gab RWE trotz des bitteren Scheiterns im Rückspiel ein gutes Bild ab. Schlecht für das Image des Klubs war hingegen ein Beitrag des reichweitenstarken WDR-Magazins „Monitor“, der in der Woche vor dem Start der Relegation ausgestrahlt wurde und vor allem in Fankreisen hohe Wellen geschlagen hatte.

Wöchentlich

Rot-Weiss Essen-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Spielberichte, Transfergerüchte, Analysen, Interviews: Das Wichtigste zu RWE.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die WDR-Recherche trägt den Titel „Wie Rechte die Fußballkurven erobern“ und thematisiert rechte Strömungen in den Fanszenen von Rot-Weiss Essen und Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus. Im Fall von RWE tritt ein anonymisierter Zeuge auf, der bei Essener Spielen regelmäßig „rassistische Ausrufe“ und Hitlergrüße wahrnehme. Andersdenkenden drohe Gewalt, erzählt der Zeuge in dem Video. „Teilweise geht es so weit, dass Leute aus dem Stadion geprügelt werden von einem Mob von 20 Leuten“, berichtet er.

Rot-Weiss Essen veröffentlicht ein Statement zur „Monitor“-Recherche

Zehn Tage nach dem Erscheinen des Beitrags hat sich Rot-Weiss Essen zu der Reportage geäußert. Der Klub veröffentlichte am Donnerstagabend eine ausführliche Stellungnahme zu den Vorwürfen. RWE erklärt in seinem Statement, warum der Klub nicht eher auf die Monitor-Anfrage und den TV-Beitrag reagiert habe. „Die Anfragen erreichten uns sehr kurzfristig in einer sportlich und organisatorisch entscheidenden Saisonphase. Unabhängig davon haben wir Unterstützung angeboten, Kontakte zu unserem AWO-Fanprojekt hergestellt und deutlich signalisiert, nach Saisonende für Gespräche und eine vertiefende Auseinandersetzung zur Verfügung zu stehen. Für ein Thema dieser gesellschaftlichen Relevanz hätten wir uns mehr Zeit für Austausch, Einordnung und eine umfassendere Berücksichtigung unserer Perspektive gewünscht.“

SpVgg Greuther Fürth v Rot-Weiss Essen - 2. Bundesliga Playoff Leg Two
In der Relegation machten die RWE-Fans positiv auf sich aufmerksam.© Getty Images | Adam Pretty

Der Bedeutung der Thematik und der im Beitrag dargestellten Vorgänge sei sich der Verein bewusst. Man distanziere sich grundsätzlich von Extremismus, Diskriminierung und menschenfeindlichem Verhalten. „Rot-Weiss Essen nimmt sämtliche Hinweise auf Extremismus, Diskriminierung und menschenverachtende Tendenzen sehr ernst. Als Verein stehen wir für Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander – sowohl im Stadion als auch darüber hinaus. Entsprechend gehen wir Hinweisen konsequent nach und setzen Maßnahmen um, um problematischen Entwicklungen entgegenzuwirken.“

Rot-Weiss Essen verweist auf Essener Chancen und das Awo-Fanprojekt

Rot-Weiss Essen übt in diesem Zusammenhang Kritik an dem „Monitor“-Bericht. Die Darstellung sei sehr einseitig und unausgewogen. Der Klub verweist darauf, sich mit mehreren Sozialinitiativen wie den „Essener Chancen“ oder dem „Awo-Fanprojekt“ aktiv gegen Diskriminierung einzusetzen. Es handele sich um ein „gesamtgesellschaftliches Problem und wir sehen die große Verantwortung, die wir hier als Traditionsverein in Essen und im Ruhrgebiet haben.“

Darüber hinaus folgt eine Klarstellung zu einem im WDR-Video kritisierten Fan-Banner mit der Aufschrift „Wie einst der Opa – mit dir durch Europa“, das im Juli 2025 beim internationalen Freundschaftsspiel in der schottischen Hauptstadt Edinburgh zum Einsatz kam. Im Beitrag wurde ein Bezug zur Wehrmacht hergestellt. „Der Bezug liegt in der Geschichte des Spiels und erinnert an das Europapokalspiel vor rund 70 Jahren“, schreibt der Verein, der in den 50er Jahren zudem zahlreiche internationale Freundschaftsspiele absolviert hat.

RWE wolle weiterhin „Verantwortung übernehmen“

Ein wichtiger Punkt der „Monitor“-Recherche, der in der Essener Stellungnahme nicht aufgegriffen wurde: Zwei Organisatoren von Busreisen für RWE-Fans wurden bei der Mai-Demo der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ erkannt. Die Essener Polizei habe „Monitor“ die Verbindungen bestätigt. Rot-Weiss Essen verspricht jedoch in seinem Statement, sich künftig bei Problemen mit seinen Fans nicht wegducken zu wollen. „Unabhängig von unserer Kritik bleibt für uns entscheidend: Rot-Weiss Essen wird weiterhin jeder Form von Extremismus, Diskriminierung und menschenfeindlichem Verhalten entschieden entgegentreten und Verantwortung übernehmen.“