von Helmut „Happo“ Tautges
Relegation hier, Relegation da. Egal wo, dieses Wort ist derzeit wohl das meistzitierte in Essen und Umgebung. Es sorgt umgehend für Bilder im Kopf, sobald jemand es ausspricht: Volles Stadion. Elektrisierende Atmosphäre. Spannung und Anspannung bis in die Zehenspitzen. Emotionen pur. Tri tra trullala, der Herzkasper ist wieder da! Wir wissen ja, mit diesem Kasper ist nicht zu spaßen.

Seriös ausgedrückt, für solche Spiele brauchst du Nerven wie Drahtseile. Auch wenn die letzte Relegation mit Beteiligung von Rot-Weiss Essen bereits 46 Jahre zurückliegt, die beiden Partien gegen den Karlsruher SC bleiben unvergessen. Am Ende hat es nicht gereicht für RWE. Schade, aber das Leben ging weiter. So wird es auch diesmal sein.
Rot-Weiss Essen: Fans erleben eine sehr aufregende Saison
Die rot und weiße Welt wird sich weiterdrehen, sie bleibt niemals stehen. Auch ohne Relegation war diese Saison aufregend genug. Es wurde geflucht, gejubelt, gemotzt, gefeiert, mitgefiebert und gehofft. Bis endlich der Schlusspfiff in Ulm und Duisburg ertönte, und feststand, der Traum von der zweiten Liga lebt in Essen weiter und auch die Teilnahme am lukrativen DFB-Pokal wurde damit gesichert. Wer hätte das zu Beginn dieser Spielserie erwartet? Ich jedenfalls nicht, zumal besonders in den ersten Wochen wenig attraktiver Fußball geboten wurde.

Umso höher ist die Steigerung im weiteren Verlauf zu bewerten. Musterbeispiel für mich Torben Müsel. In der Hinrunde gelangen dem Edeltechniker ganze drei Tore, während er in der Rückrunde mit acht Toren maßgeblich zum Erfolg des gesamten Teams beitrug. Vom gefühlten Mitläufer zum „Game-Changer“ sozusagen. Ich als Laie würde ihn halten, ob die sportlich Verantwortlichen das auch so sehen, bleibt abzuwarten. Spieler mit dem Anfangsbuchstaben „M“ sind so eine Sache bei RWE. Martinovic, Moustier, Mause, Müsel, Mizuta. Die einen wollte man nicht mehr, die anderen wollten nicht mehr. Nur für Mizuta scheint die Ligazugehörigkeit entscheidend für seine Zukunft zu sein. Was bleibt also anders übrig, als aufzusteigen.
RWE in der Relegation gegen Greuther Fürth: Kleeblätter Favorit
Wäre da nicht der ewige Zweitligist, die Spielvereinigung Greuther Fürth. Doch nichts ist für die Ewigkeit. Sicherlich eine hohe Hürde, aber keine unüberwindbare. Ich sehe eine 50+1 Chance, die Grün-Weißen eine Etage tiefer zu bugsieren, anders als die Experten aus Funk und Fernsehen. Sie sehen die dreiblättrigen Kleeblätter in der Favoritenrolle. Experten behaupten auch, Fußball sei ein Fehlersport. Gegentore fallen meist durch eigene Fehler. Die Mittelfranken fingen sich 68 Treffer in 34 Spielen ein, RWE dagegen „nur“ 66, allerdings in 38 Begegnungen. Die Zahlen belegen, es ist alles offen, vor allen Dingen hinten.
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Erneut ordnete Uwe Koschinat die gesamte Woche Geheimtraining an. Diese Maßnahme brachte zuletzt den gewünschten Erfolg. Nach außen dringt so gut wie nichts. Wenn die Abwehr auch so dicht steht, soll es mir recht sein. Die Warterei bis zum Anpfiff am Freitag um 20:30 Uhr macht einen kirre, doch egal wie das Duell mit den Mittelfranken ausgehen mag, das Team kann nur enttäuschen, wenn es nicht bis zum Umfallen kämpft, was ich für ausgeschlossen halte. Diese Mannschaft hat Charakter, Nehmer- wie Comeback-Qualitäten.
Rot-Weiss Essen: Auch die 3. Liga wäre sehr attraktiv
Klar, es geht um sehr viel Geld, um mögliche Gegner mit klangvollen Namen wie Kaiserslautern, St. Pauli, Bochum, Hertha oder Dresden. Ein Traum, ja, wer will da widersprechen? Geht’s schief, dann messen wir uns nächste Saison halt mit Düsseldorf, Münster, Aachen, Rostock oder Duisburg. Es gibt schlimmere Aussichten. So oder so, die Hafenstraße wird beben.



