von Helmut „Happo“ Tautges
„You may say I‘m a dreamer, but I‘m not the only one.“ Nicht nur John Lennon war ein bekennender Träumer, es gibt tatsächlich noch Fans bei Rot-Weiss Essen, die vom Aufstieg träumen. Ich gehöre dazu, obwohl derzeit nicht wirklich viel dafür spricht, dieses noch vor drei Wochen sicher geglaubte Ziel zu erreichen.

Es gibt Dinge im Leben, die sind schleierhaft, wie zum Beispiel der Placebo-Effekt. Keiner weiß, wie er funktioniert, aber es gibt ihn. Ebenso verhält es sich mit dem extremen Leistungsabfall der rot-weissen Mannschaft. Was auch immer an Gründen vor- und zusammengetragen wurde, es sind und bleiben Vermutungen, reine Spekulationen, so logisch sie auch klingen. Einzig bei der Bewertung der Defensivarbeit insgesamt sind sich alle einig, Experten wie Laien: Sie ist nicht aufstiegsreif. Zu langsam mit den Beinen und im Kopf.
Rot-Weiss Essen geht beim VfB unter: Fans reagieren unterschiedlich
Das Momentum ist aktuell nicht auf Seiten von RWE. Ich kann jeden Fan verstehen, der bitter enttäuscht, wütend, resigniert, sauer, hoffnungslos oder frustriert nach dem Debakel in Großaspach reagiert. Wir sind alles unterschiedliche Charaktere. Es gibt nicht den einen RWE-Fan, zum Glück. Und jeder zieht für sich Konsequenzen, um mit dem Ist-Zustand klarzukommen. Wer zig Jahre, Jahrzehnte den Verein begleitet, hat unzählige Enttäuschungen miterlebt, Häme über sich ergehen lassen müssen. Wer will es denen verdenken, wenn sie auf die Emotionsbremse treten, die letzten beiden Partien ohne jegliche Erwartungen entgegensehen, allein aus Selbstschutz. Es war noch nie so einfach, aufzusteigen, was den Frust weiter triggert.
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Frustriert dürften auch die Verantwortlichen sein, allen voran der Vorstandsvorsitzende Marc-Nicolai Pfeifer. „Maschinenraum Marc“, wie der Chef von Rot-Weiss Essen auch genannt wird, wurde vom hohen DFB-Sportgericht eine 2000 Euro hohe Geldstrafe für seine Schiedsrichterschelte aufgebrummt. Frankfurts Inkassobürokraten kennen da kein Pardon. Immerhin ist der Täter identifiziert, im Gegensatz zu den Sanitäranlagen-Zerstörern, die im Wettbewerb um die Spitzenposition der Klo-Charts neben materiellen, auch großen Imageschaden verursachen.
RWE-Verteidiger Kraulich gedemütigt: Das ist nicht zu begründen
Für eine Generalabrechnung ist der Zeitpunkt denkbar ungeeignet, doch eine Personalie muss ich einfach ansprechen. Tobias Kraulichs Einwechslung in der 88. Minute beim Stande von 0:6 aus Essener Sicht, gegen den VfB II empfand ich als Demütigung für den Abwehrrecken. Egal welche Gründe auch immer angeführt werden, eine plausible, sportliche Begründung kann es für diese Maßnahme nicht geben.

Trotz aller Bedenken, aller Vorbehalte: Die Hoffnung auf ein Happy End zum Ende der Saison gebe ich nicht auf. Koschinats Schützlinge spielen am Samstag gegen den SC Verl keineswegs um die Goldene Ananas. Es geht um drei brutal wichtige Punkte, die im Erfolgsfall RWE auch in der letzten Begegnung in Ulm Chancen offenhalten, Platz zwei oder drei wider Erwarten noch zu erreichen.
Rot-Weiss Essen läuft gegen Verl im Sondertrikot auf
Auf lautstarke Unterstützung der Ultras kann sich das Team verlassen. Ich bin sicher, auch Skeptiker und Enttäuschte werden mit einstimmen, sobald die Spieler auf dem Rasen ihren Teil dazu beitragen. Sie allein können das Feuer entfachen. Wer auch immer mit dem Sondertrikot „Unser Wappen. Unser Stolz. 100 Jahre“ auflaufen darf, haut alles raus, kämpft bis zum Umfallen. Dieses Wappen verleiht Flügel. Und nicht zu vergessen, auch Boss Rahn ist wieder da. Der Mann, der das Wunder von Bern ermöglicht hat. Macht das Wunder vonne Berne klar. Am Ende kommt es, wie es kommt. Ich bin auf alles vorbereitet. Nur der RWE, daran ändert sich nichts. Der Happo



