Vor dem Spitzen-Duell am Sonntag (13.30 Uhr, Magenta Sport) mit Rot-Weiss Essen richtet sich der Blick auf Energie Cottbus – und auf die Frage, ob sich im Aufstiegsrennen bekannte Muster wiederholen. Wenn man die Entwicklung der vergangenen beiden Spielzeiten betrachtet, ergibt sich ein auffälliges Bild, auch wenn die Ausgangslage jeweils eine andere ist. In der Saison 2024/25 ging Cottbus als Aufsteiger ins Rennen und erwischte einen herausragenden Start. Ähnlich, wie es der MSV in dieser Saison hinlegte. Die Mannschaft spielte mit hoher Intensität, lebte von Umschaltmomenten und konnte zunächst ohne großen Erwartungsdruck agieren. Claus-Dieter Wollitz betonte immer wieder, dass sein Team „über Mentalität und Intensität“ kommen müsse – ein Ansatz, der in dieser Phase voll aufging.

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Rot-Weiss Essen ist aufstiegsreif: Große Euphorie vor Kracher bei Energie Cottbus
Vonne Hafenstraße - Inside RWE
 

Mit dem weiteren Saisonverlauf veränderte sich jedoch die Lage. Gegner stellten sich besser ein, standen tiefer und nahmen Cottbus die Räume. Gleichzeitig wuchs die Erwartung im Umfeld. Wollitz warnte wiederholt, man dürfe sich „nicht von außen verrückt machen lassen“ und müsse „bei sich bleiben“. In genau diese Phase fiel auch das Thema um Maximilian Krauß, der nach seinem bevorstehenden Wechsel zu Hansa Rostock intern suspendiert wurde. Der bevorstehende Wechsel des Flügelflitzers zu Hansa Rostock erregte in erster Linie das Gemüt von Wollitz.

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Die daraus entstehende Unruhe wirkte wie ein zusätzlicher Störfaktor in einer ohnehin sensiblen Phase. Sportlich zeigte sich das in weniger klaren Angriffen, mehr Hektik im letzten Drittel und der häufigen Erkenntnis, dass „Spiele über Kleinigkeiten entschieden werden“. In der entscheidenden Schlussphase fehlte schließlich die Selbstverständlichkeit – der Aufstieg wurde am Ende verpasst.

In der laufenden Saison 2025/26 sind Parallelen erkennbar, allerdings mit verschobenen Vorzeichen. Cottbus startete erneut stark und etablierte sich früh oben, diesmal als Herbstmeister und klarer Aufstiegskandidat. Der Druck ist dadurch von Beginn an präsent. Wollitz hält die Tonlage bewusst konstant und betont regelmäßig, man habe „noch nichts erreicht“ und alles entscheide sich über Details.

Szene aus dem Hinspiel zwischen RWE und Energie Cottbus: Marek Janssen (l.) gegen Energie-Verteidiger King Manu. Am Ende behielten die Lausitzer mit 3:2 die Oberhand.
Szene aus dem Hinspiel zwischen RWE und Energie Cottbus: Marek Janssen (l.) gegen Energie-Verteidiger King Manu. Am Ende behielten die Lausitzer mit 3:2 die Oberhand. © Firo

Ein Blick auf die Zahlen unterstreicht diese Entwicklung. In der Gesamttabelle gehört Cottbus weiterhin zur Spitzengruppe. In der Rückrundentabelle liegt das Team aktuell jedoch nur auf Platz sechs – und damit bereits rund sechs Punkte hinter Rot-Weiss Essen, die auf Platz drei rangieren. Diese Differenz zeigt, dass die Konstanz aus der Hinrunde zuletzt etwas verloren gegangen ist.

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Auch sportlich zeigt sich ein bekanntes Bild: Spiele werden enger, Gegner agieren kompakter, Cottbus muss häufiger selbst das Spiel gestalten. In diesen Phasen fehlt mitunter die Klarheit im letzten Drittel, Angriffe laufen vermehrt über die Flügel, Abschlüsse erfolgen schneller, ohne dass immer zwingende Chancen entstehen. Entsprechend fallen auch jetzt Sätze wie, man müsse „ruhig bleiben“ und „klarer spielen“.

RWE: Bei Cottbus findet Cigerci wieder zu seiner Form - Nebengeräusche wie letzte Saison nicht so laut

Ein zentraler Unterschied zur Vorsaison liegt im Umfeld. Ein Thema wie die Debatte um Krauß ist aktuell nicht erkennbar.

Die Diskussion bleibt in dieser Saison stärker auf das Sportliche fokussiert, was die Voraussetzungen stabiler macht.
Auffällig ist zudem, auf welche Spieler sich das Cottbuser Spiel aktuell besonders stützt. Im Zentrum ist Tolcay Ciğerci der klare Taktgeber und Unterschiedsspieler im Offensivspiel, der auch jetzt in der Rückrunde zu seiner Frühform der Saison zurückfindet. Im Angriff sorgt Neuner Erik Engelhardt mit 19 Saisontreffern für Tiefe und Abschlussqualität, während Kapitän Axel Borgmann sowohl über die linke Verteidigerseite als auch im Zentrum das Spiel strukturiert. Diese Achse ist entscheidend dafür, dass Cottbus Spiele auf seine Seite ziehen kann – gerade wenn die Leichtigkeit fehlt.

Claus-Dieter Wollitz
Jederzeit die volle Power am Seitenrand: Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz. © DPA Images | Robert Michael

So zeigt sich insgesamt eine vertraute Entwicklung: ein starker Start, gefolgt von einer Phase, in der Spiele weniger über Dynamik als über Kontrolle entschieden werden. Die Rückrundentabelle liefert dafür die passenden Zahlen. Genau in diesen Momenten wirkt Cottbus anfälliger. Die Qualität der Unterschiedsspieler ist vorhanden – entscheidend wird sein, ob sie auch unter maximalem Druck konstant den Unterschied machen können oder ob sich die Geschichte des Vorjahres wiederholt. Am vergangenen Wochenende beim Spitzenreiter Osnabrück (0:1) war dies nicht der Fall. Mal schauen, wie es am Sonntag in der Lausitz aussieht..