„Jürgen Gelsdorf, der beste Mann der Welt“, diese Fangesänge kennt der mittlerweile 73-jährige Fußballlehrer sowohl aus seiner Zeit beim VfL Osnabrück als auch von Rot-Weiss Essen. Gelsdorf war stets ein beliebter Trainer in den Fanlagern seiner Arbeitgeber. „Ich bin einfach immer ich geblieben“, erklärt der Fußball-Rentner, der mittlerweile im Rheinland lebt. In den 2000er Jahren trainierte der gebürtige Duisburger, der einst zehn Jahre im MSV-Nachwuchs spielte, den VfL Osnabrück und Rot-Weiss Essen: Bei den Niedersachsen war Gelsdorf vom 28. November bis zum 30. Juni 2023 tätig. Im Ruhrpott dann vom 23. September 2003 bis zum 24. April 2005.

+++ RWE-Topspiel in Osnabrück: Essen kann eine Zeitwende vollziehen +++

„Beides sind absolute Kultklubs. Wer sich in Deutschland für Fußball interessiert, der wird sowohl die Bremer Brücke, als auch die Hafenstraße kennen. Das sind unfassbar magische Fußballorte. Und, klar: Das verfolgt man immer noch. Ich verfolge alle meine Ex-Klubs“, sagt Gelsdorf im Gespräch mit dieser Redaktion.

Gelsdorf über RWE-Coach Uwe Koschinat: „Ausgezeichneter Trainer“

Dass der VfL Osnabrück und Rot-Weiss Essen am Samstag (14 Uhr) gegeneinander spielen und sich im Aufstiegskampf befinden, weiß auch der langjährige Fußball-Abteilungsleiter des e.V. von Bayer Leverkusen. „Ich weiß auch, wer die beiden Trainer sind“, schmunzelt Gelsdorf und erklärt weiter: „Die Mannschaften kenne ich nicht so gut und die meisten Spielernamen auch nicht. Aber Timo Schultz macht in Osnabrück einen hervorragenden Job und Uwe Koschinat kenne ich auch ein wenig. Das ist ein ausgezeichneter Trainer. Schade, dass er Osnabrück nicht in der 2. Liga halten konnte.“

Jürgen Gelsdorf trainierte Rot-Weiss Essen von November 2003 bis April 2005.
Jürgen Gelsdorf trainierte Rot-Weiss Essen von November 2003 bis April 2005.© firo | firo

Dass Koschinat trotz nur drei Niederlagen mit RWE in dieser Saison von einem Teil des Essener Umfeldes kritisch beäugt wird, empfindet Gelsdorf als amüsant. „Es ist doch so: Die Fans wollen zunächst Siege sehen. Wenn es dann viele Siege sind, dann langweilt es auch auf Dauer. Dann muss man siegen und auch noch attraktiv spielen. Das ist überall auf der Welt so und kein RWE-Phänomen. Denn wenn man nur attraktiv spielt und 1:3 verliert, dann sind die RWE-Fans auch sauer. Aber so kann jeder mit dem Blick auf die Tabelle zufrieden sein. Das sollte man in Essen wertschätzen. Am Ende geht es nur um Ergebnisse und das Tabellenbild.“

Rot-Weiss Essen: Ex-Trainer Jürgen Gelsdorf erzählt Bratwurst-Anekdote

Wer in die 2. Liga aufsteigt, da wollte Gelsdorf keinen Tipp abgeben. Er verriet aber: „Mein Herz schlägt schon mehr für Rot-Weiss. Essen ist schon ein besonderer Fußballort.“ In der Saison 2003/2004 stieg Gelsdorf mit RWE nach einem 7:0 in der Wattenscheider Lohrheide gegen Schalke II in die 2. Bundesliga auf. Aus seiner Zeit mit 58 Spielen als RWE-Trainer sind ihm viele Momente im Gedächtnis geblieben.

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Eine Geschichte erzählt er dabei sehr gerne. Gelsdorf: „Ich weiß nicht, wer noch den Platzwart Willi Maler kennt. Er lebte in der ehemaligen Wohnung im Georg-Melches-Stadion. Die Kabinentrakte und eigentlich alles drumherum waren Willis Zuhause. Als ich nach Essen kam, bemerkte ich, dass es in der Kabine immer nach Bratwurst roch. Dann habe ich auch kapiert, warum. Willi hat bei den Heimspielen immer seinen Grill angeschmissen. Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie die ganzen Arenen heute aussehen und welche Sicherheitsmaßnahmen es gibt. Es wird ja alles abgeschottet. Aber Willi und seine Grill-Bratwürste hatten ihren Charme. Auch das war Rot-Weiss Essen.“