Alemannia Aachen steckt seit Saisonbeginn mitten im Abstiegsstrudel der 3. Liga. Die Kaiserstädter haben daraufhin gleich an mehreren Stellschrauben gedreht: mehr Stabilität im Zentrum, mehr Optionen nach vorn und vor allem eine komplett neu sortierte Torwart-Situation. Das macht die Ausgangslage für RWE klar: Essen bleibt zwar der Favorit, aber die Partie hat deutlich mehr Stolperpotenzial als ein Blick auf die Tabellenregionen vermuten lässt.

Dass Aachen so entschlossen handeln konnte, passt zur Handschrift von Sportboss Rachid Azzouzi, der erst spät im Sommer kam und im Prinzip sofort im Krisenmodus arbeiten musste. Schon damals ging es darum, kurzfristig Qualität zu holen, um das Fundament im Abstiegskampf überhaupt zu legen. Transfers wie die Torgaranten Miko Schroers (acht Treffer) und Lars Gindorf (15 Treffer) gehören in diese Kategorie – Spieler, die dem Team sofort Substanz gegeben haben und ohne die die Alemannia in dieser Saison vermutlich noch stärker ins Rutschen geraten wäre.
Azzouzi hat zudem bereits früh gezeigt, dass er nicht nur verwaltet, sondern gestaltet: Mit dem Trainerwechsel hin zu Mersad Selimbegović wurde noch vor dem Winter die Reißleine gezogen, um Struktur und Stabilität in die Abläufe zu bekommen. Wenngleich der frühere Regensburger nicht direkt mit guten Ergebnissen punktete.

Im Januar hat Aachen dann nachgelegt – und zwar gezielt auf Profilpositionen. In der Defensive steht mit Gideon Jung ein erfahrener, robuster Allrounder bereit, der sowohl als Innenverteidiger als auch im defensiven Mittelfeld helfen kann. Jung soll die große Lücke schließen, die durch die Kreuzbandverletzung von Kapitän und Anführer Mika Hanraths noch vor Saisonbeginn entstand. Seitdem fehlt es an Ordnung in der Defensive - der 83-malige Bundesligaspieler soll dafür sorgen, dass sich vieles in der Defensive bessert.
RWE: Ex-Bochumer Manuel Riemann bei Aachen nachverpflichtet - und eventuell mit Debüt
Dazu kam zusätzliche Absicherung in der Abwehr, während in der Offensive mit Jonas Oehmichen und Omar Sillah neue Optionen da sind, die Aachen mehr Spielzustände geben: mehr Tempo und Beweglichkeit zwischen den Linien, aber auch eine klarere Zielspieler-Variante, wenn es direkter werden muss. Für RWE heißt das: Aachen ist nicht mehr ausschließlich auf „tief stehen und hoffen“ festgelegt, sondern kann je nach Spielverlauf umschalten – gerade im eigenen Stadion ein Faktor.
Am auffälligsten ist der Umbruch allerdings im Tor – und der bekommt mit Manuel Riemann eine Geschichte, die im Ruhrgebiet sofort hängen bleibt.
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Nach dem vorzeitigen Ende der Leihe von Jan Olschowsky musste Aachen reagieren und holte Riemann als erfahrene Lösung. Für die Alemannia ist das nicht nur ein Transfer, sondern ein Signal: Mit ihm kommt ein Keeper, der über Jahre im Profifußball unter hoher Belastung performen musste – und der das Geschäft aus Drucksituationen kennt. Riemann hat seine prägendste Zeit im Westen beim VfL Bochum erlebt, war dort lange eine zentrale Figur und ist vielen im Ruhrgebiet als emotionaler, kommunikativer Torwart mit klarer Ausstrahlung in Erinnerung. Genau diese Präsenz kann für einen Abstiegskandidaten Gold wert sein: ein Lautsprecher im Strafraum, der ordnet, mitgeht und in engen Spielen auch mal „den einen“ Ball hält.

Für RWE verändert das die Tonlage: Der Gegner hat hinten nicht mehr nur eine Personalfrage zu klären, sondern eine Persönlichkeit im Tor stehen, die eine Partie mental stabilisieren kann. Sofern Riemann gegen die Essener auch sein Debüt geben wird, beim Gastspiel bei 1860 saß der Routinier noch auf der Bank. Einen Akteur wie ihn holt mal auf Sicht aber kaum für selbige.
RWE-Gegner Alemannia Aachen mit wahrer Horrorbilanz zu Hause
Aachen wird bei der Partie gegen RWE über Intensität, zweite Bälle und Standards im Spiel bleiben wollen, und mit den Neuen gibt es mehr Wucht und mehr Tiefe für Umschaltmomente. Hoffnung darf sich das Team von Uwe Koschinat aber allein mit Blick auf die Heimbilanz der Aachener machen, die schon fast gruselhafte Züge annimmt. Bei zehn Heimpartien gab es satte acht Niederlagen und nur zwei Erfolge. Selbst Schlusslicht Schweinfurt liegt in der Heimtabelle dank des besseren Torverhältnisses vor den Aachenern.

Wenn RWE am Sonntag die Balance zwischen Kontrolle und Konsequenz findet, ist der Weg zu Punkten definitiv da. Aber Aachen ist im Winter nicht kosmetisch, sondern strukturell stärker geworden – mit Azzouzis Eingriffen, dem Trainerwechsel und einem Ruhrgebiets-Keeper als möglichem neuen Fixpunkt. Das ist genug, um aus einem Pflichttermin ein Spiel zu machen, das Essen von Beginn an seriös, wach und ohne Geschenke annehmen muss. Im Gegensatz zu 2:3-Pleite im Hinspiel, als Gindorf gleich dreimal vom Elfmeterpunkt den Ball ins Tor bugsierte. Daran mag sich in Essen keiner gerne erinnern. Die Zeit zur Revanche ist am Sonntag.





