Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Platz vier mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenersten. Platz vier in der Zuschauertabelle. Die viertmeisten Tore erzielt. Zahlen die beeindrucken und Anfang des Jahres nicht mal ansatzweise so erwartet werden konnten. Ebenso der Jahresüberschuss von 673.000 Euro. Tja, bei Rot-Wiess Essen musse halt doch mit allem rechnen.

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Überwiegend positive Reaktionen auch zum neu aufgestellten Aufsichtsrat um den frisch gewählten Vorsitzenden, Andree „Bo“ Stracke. Bo, wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Ex-Trainer von Mainz 05, Bo Henriksen. Was für eine geballte Ladung erfreulicher Nachrichten über den mittlerweile 118 Jahre alten Verein aus dem Essener Norden.

Rot-Weiss Essen: Atmosphäre weit von einem Hexenkessel entfernt

Und trotzdem, eine echte Euphorie will nicht aufkommen, zumindest bei einem großen Teil der Anhängerschaft. Typisch Rot-Weiss, könnte man meinen oder typisch deutsch. Ich vergleiche die Lage mit einem Wetterbericht, wo die gefühlte Temperatur mit der tatsächlichen häufig nicht übereinstimmt. Hauptgrund scheint die meist unspektakuläre, verhaltene, wie phasenweise passive Spielweise bei Heimspielen zu sein. Nicht von ungefähr war die Atmosphäre im Stadion an der Hafenstraße während der letzten Partien ziemlich weit von einem Hexenkessel entfernt.

RWE-Kolumnist Helmut „Happo“ Tautges steht neben der Rahn-Statue vor der West.
RWE-Kolumnist Helmut „Happo“ Tautges steht neben der Rahn-Statue vor der West.© Dieter Kunst (privat) | Dieter Kunst

An ein Offensivspektakel kann auch ich mich in dieser Saison nicht erinnern. Hand aufs Herz, was meint ihr, wieviel Tore ein Gerd Müller in Höchstform bei dieser Spielweise erzielt hätte? Einige tun das als Jammern auf hohem Niveau ab, bezeichnen Kritiker gar als Dummschwätzer, doch die Menschen, die Fans, sind nun mal unterschiedlich und jede(r) bewertet ein Fußballspiel anders. Am Ende zählt nur das nackte Ergebnis, darüber gibt es keine zwei Meinungen.

Die RWE-Konkurrenz in der 3. Liga ist nicht übermächtig

Allen Unkenrufen zum Trotz, RWE hat sich oben festgebissen, mischt kräftig mit im Aufstiegsrennen und das, obwohl das Leistungsvermögen gefühlsmäßig noch gar nicht voll ausgeschöpft ist. Die Konkurrenz ist zwar stark und zahlreich, aber keine Mannschaft übermächtig. Niemand verlangt den Aufstieg, doch es wäre fahrlässig, die Chance nicht beim Schopfe zu packen, zumal Schwergewichte wie Dresden, Fürth, Düsseldorf oder Magdeburg möglicherweise den Gang in die Dritte Liga antreten müssen.

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Ein Pfund der Koschinat-Schützlinge sind ihre Comeback-Qualitäten. Sie können Rückschläge verkraften, finden schnell wieder zurück auf die Erfolgsspur. Spieler wie der in Albanien geborene Klaus Gjasula oder unser Franzose Tom Moustier haben sich mit ihrer Art Fußball zu kämpfen in die Herzen der Essener gespielt. Man muss nicht aus dem Ruhrgebiet stammen, um zu verstehen, was die Menschen hier schätzen.

Rot-Weiss Essen v SSV Ulm 1846 - 3. Liga
Die Mannschaft von Rot-Weiss Essen hat in diesem Jahr abgeliefert.© Getty Images for DFB | Juergen Schwarz

Im Grunde genommen ist alles angerichtet, um die Rückserie erfolgreich anzugehen. Wäre da nicht der Ärger innerhalb der Fangemeinde. Teile der Ultras hassen die Polizei. Teile der Fans hassen die Ultras. Fast alle hassen den DFB. Zu hoffen, dass die Ultras nicht mehr zündeln, ist so erfolgsversprechend wie der Versuch, Wasser aus einem Stein zu pressen. Es ist immer besser miteinander, als übereinander zu reden, um zumindest einen Kompromiss zu finden.

Rot-Weiss Essen: Relegation um den Aufstieg?

Machtmenschen wie Infantino warten nur auf Argumente, um den Fußball noch gewinnbringender zu verkaufen. Der Preis regelt alles und Otto-Normalverbraucher schaut dann im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre. Ich bleibe zuversichtlich und bereite mich schon jetzt mental auf zwei spannungsgeladene Relegationsspiele um den Aufstieg in die Zweite Liga vor. Frohe Feiertage, auch den farblich fehlgeleiteten Fußballfans, der Happo.