Eigentlich müsste die Stimmung bei Rot-Weiss Essen derzeit blendend sein. Sportlich läuft es so gut wie seit Jahren nicht: Seit dem Drittliga-Aufstieg 2022 hat RWE den besten Saisonstart hingelegt, rangiert nach 13 Partien mit 23 Punkten auf Rang fünf und liegt nur drei Zähler hinter dem Spitzenreiter MSV Duisburg zurück. Nur die deutliche 1:6-Klatsche in Mannheim verhindert aktuell, dass die Elf von Cheftrainer Uwe Koschinat auf dem Relegationsplatz steht.

+++ RWE-Kommentar zum Flyer-Skandal: Sexistisch, frauenfeindlich, aus der Zeit gefallen +++

Doch rund um die Essener Hafenstraße herrscht derzeit nicht nur sportlicher Gesprächsbedarf. Beim Heimspiel gegen den 1. FC Schweinfurt 05 (2:1) sorgten am Sonntag auch Themen abseits des Rasens für Unruhe. Zunächst waren auf der Westkurve nach dem Führungstreffer von Torben Müsel ungewöhnliche Pfiffe zu hören – sie richteten sich gegen das neue Unterhaltungsprogramm im Stadion. Die Lichtershow, die der Verein zur Stimmungserhöhung eingeführt hatte, stieß im Essener Fanblock auf wenig Begeisterung.

Rot-Weiss Essen: „Keine Weiber in den ersten Reihen“ – Fans reagieren sauer im Internet

Noch größere Diskussionen löste allerdings eine Aktion aus, die bereits vor dem Spiel für Aufmerksamkeit sorgte. Im Umfeld der Westkurve wurden Flugblätter mit den sogenannten „sieben Grundsätzen für W2“ verteilt. Zwischen bekannten Forderungen – etwa der bedingungslosen Unterstützung über 90 Minuten oder dem maßvollen Alkoholkonsum – stach besonders ein Punkt hervor: „Keine Weiber in den ersten Reihen.“

Die Grundsätze von „W2“. Diese sieben Punkte wurden vor dem Spiel gegen Schweinfurt vor der Westkurve verteilt.
Die Grundsätze von „W2“. Diese sieben Punkte wurden vor dem Spiel gegen Schweinfurt vor der Westkurve verteilt. © privat

Nach dem Bekanntwerden des Flyers meldete sich der Vorstand von RWE am Montagnachmittag zu Wort. „Rot-Weiss Essen distanziert sich ausdrücklich und unmissverständlich von allen auf dem Flyer genannten Inhalten, die im Widerspruch zu den Werten unseres Vereins stehen.“ Damit macht der Verein deutlich, dass solche Aussagen mit der eigenen Grundhaltung unvereinbar sind. „Rassistische, sexistische oder sonstige diskriminierende Haltungen haben bei Rot-Weiss Essen keinen Platz – weder auf den Rängen noch irgendwo anders im Umfeld unseres Vereins.“ Diese Haltung, so betont der Verein weiter, „ist fest in unserer Satzung verankert und Teil unseres täglichen Selbstverständnisses.“

RWE-Vorstand sucht Dialog mit der aktiven Fanszene: „Haben unsere klare Haltung deutlich mitgeteilt“

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Rot-Weiss Essen setzt sich oben fest - große Veränderungen auf Führungsebene
Vonne Hafenstraße - Inside RWE
 

Im Statement von Marc-Nicolai Pfeifer und Alexander Rang wird außerdem hervorgehoben, wofür Rot-Weiss Essen stattdessen stehe: „Das Stadion an der Hafenstraße ist ein Ort des Miteinanders, der Leidenschaft und des Respekts.“ Diese Werte sollen den Umgang aller Beteiligten prägen – auf und neben dem Platz. Die Regeln für den Stadionbesuch seien dabei „in der Stadionordnung klar geregelt.“ Und ebenso klar ist: „Darüber hinaus besitzt niemand die Befugnis, eigene Weisungen oder Zugangsregeln aufzustellen.“ Zum Abschluss betont der Vorstand, dass der Dialog mit den Fans bereits gesucht wurde. „Wir haben den verantwortlichen Vertretern der aktiven Fanszene unsere klare Haltung zu diesem Vorfall deutlich mitgeteilt.“

Der Flyer hatte am Sonntag schnell über die Stadiongrenzen hinaus für Empörung gesorgt. In den sozialen Netzwerken äußerten viele Fans Unverständnis und Kritik. „Geld für Choreos nehmt ihr von Weibern aber dankend an, oder? Lächerlich!“, heißt es in einem Facebook-Kommentar. Auch ein männlicher User reagierte empört: „Da zeigt sich doch mal wieder, wie asozial die Ultras sind!“ Mittlerweile sind es über 100 Kommentare. Die Kritik richtet sich selbstredend an die RWE-Ultras.

Auch bei Hansa Rostock gibt es ähnliche Regeln. Dort heißt es in Punkt 5: „Keine Weiber in den ersten drei Reihen!“
Auch bei Hansa Rostock gibt es ähnliche Regeln. Dort heißt es in Punkt 5: „Keine Weiber in den ersten drei Reihen!“ © privat

Ähnliche Formulierungen tauchten in der Vergangenheit auch schon bei anderen Fangruppen auf. Beim Drittliga-Rivalen Hansa Rostock etwa setzen die Ultras ähnliche Maßstäbe – dort heißt es in einem internen Verhaltenskodex: „Keine Weiber in den ersten drei Reihen.“

Wie die aktive Fanszene von Rot-Weiss Essen auf die lautstarke Kritik reagiert, ist bislang offen.