Beim letzten Heimspiel dieser Saison gegen den VfL Osnabrück wird es nicht nur die Verabschiedung von einigen RWE-Akteuren geben, auch auf der Kommando-Brücke wird ein Wechsel stattfinden: Co-Trainer Lars Fleischer (30) wird nach acht turbulenten Jahren bei Rot-Weiss Essen mit allen Höhen und Tiefen seinen Posten räumen. Fleischer, offensichtlich ausgestattet mit sieben „Katzenleben“, hatte Cheftrainer kommen und gehen gesehen: Karsten Neitzel, Christian Titz, Christian Neidhart, Jörn Nowak, Christoph Dabrowski und Uwe Koschinat. Nun wurde es wohl auch Zeit für ihn, wobei es den Anschein hat, als habe Rot-Weiss ihn sanft aus dem Nest geschubst, um endlich flügge zu werden.

Rot-Weiss Essen feiert doppelt. Die Profis feiern den Klassenerhalt, die Zweitvertretung den Aufstieg. Und hinter den Kulissen wird geplant. Unter anderem lebt die Hoffnung, dass Marvin Obuz zu RWE zurückkehren könnte. Über dieses Thema und die U23-Regel, die RWE bei den Zugängen beachten muss, sprechen wir mit Moderatorin Kira Alex und den RevierSport-Redakteuren Christian Brausch und Krystian Wozniak.

RWE-Coach Uwe Koschinat war es auf der Pressekonferenz am Freitag jedenfalls ein Anliegen, zu seinem scheidenden „Co“ ausführlich Stellung zu beziehen: „Wir haben uns unheimlich intensiv ausgetauscht, auch über unsere Lebensgeschichten, und großes Vertrauen zueinander sehr früh gefunden. Wir haben vielleicht etwas andere Ansätze im Fußball. Lars hat von Rot-Weiss Essen eine hervorragende Plattform bekommen, sich zu entwickeln, umgekehrt hat er RWE sehr sehr viel gegeben, hat unter allen Trainern eine sehr klare Meinung gehabt und sich immer wieder eingebracht. Als ich Lars hier kennengelernt habe, war für mich mit meiner Erfahrung absolut klar, dass es ein absoluter Cheftrainer ist, er hat ein ganz klares Cheftrainer-Profil: Ein Mann, der inhaltsstark ist, der für eine ganz klare Idee vom Fußball steht, der aber auch hervorragende Führungsqualitäten hat.“

Rot-Weiss Essen: Lars Fleischer „muss auf eigenen Füßen stehen“

Darum wäre allen Beteiligten zuletzt klar gewesen, dass er diesen Weg einmal gehen würde. Koschinat: „Das war unsere permanent Kommunikation. Ich glaube, dass Rot-Weiss Essen ihm sehr viel gegeben hat, in einem großen Verein sich so entwickeln zu können. Deswegen war sehr sehr klar, dass wir beide hier die Arbeit wirklich unter dem absoluten Aspekt sehen, das gemeinsam zu schaffen und vertrauensvoll zusammen zu arbeiten. Auf der anderen Seite war es auch mein Ziel, Lars klar zu machen, dass einfach der nächste Schritt ein ganz wichtiger ist. Er muss einfach auf eigenen Füßen stehen, er muss jetzt auch seinen eigenen Weg gehen können. Dieselbe Meinung hatten alle Verantwortlichen im Klub.“

SC Verl - Rot-Weiss Essen
Pflegten einen engen und intensiven Austausch bei Rot-Weiss Essen: Lars Fleischer und Cheftrainer Uwe Koschinat (rechts).© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann

Und Essens Cheftrainer schickt gleich noch das Bewerbungsschreiben an mögliche Interessenten hinterher: „Deswegen kann ich nur jedem Verein, der auch nur ansatzweise erfolgsorientiert arbeiten will und ambitioniert ist, den dringenden Tipp geben, sich mit diesem Trainer zu beschäftigen. Er ist ein wirklich inhaltsstarker Trainer, der fachlich was drauf hat, aber auch als Mensch, der schon in sehr jungen Jahren eine klare Führungskompetenz hat. Deswegen freue ich mich, ihn irgendwann auf einer nächsten Station dann von draußen betrachten zu können. Ich bin mir sicher, er wird einen richtig geilen Weg gehen. Mit dem Klassenerhalt ist das eine Win-win-Situation. Der Markt wird das registrieren, da bin ich mir sicher.“

Rot-Weiss Essen: Fleischer war schon Top-Kandidat in Rödinghausen

Dass der 30-Jährige schon in der kommenden Saison zu einem Konkurrenten für RWE in der Dritten Liga wird, ist vielleicht noch ein wenig zu hoch gegriffen, aber Angebote aus der Regional- und Oberliga sollen ihm während seiner RWE-Zeit schon ins Haus geflattert sein. So soll der Mülheimer laut RS-Informationen unter anderem auch schon ein Top-Kandidat beim SV Rödinghausen gewesen sein, Fleischer lehnte aber zu Gunsten von RWE ab.