Mehr Abstiegsduell geht nicht: Wenn Rot-Weiss Essen am Sonntagabend (19.30 Uhr) zu ungewöhnlicher Zeit an der Hafenstraße Waldhof Mannheim empfängt, trifft man sich zum sogenannten „Sechs-Punkte-Spiel“. Etwas irreführend, zumal es auch in dieser Partie auch nur um drei Punkte geht. Aber um wichtige: Mit einem Heimdreier hätte das Team von Trainer Uwe Koschinat endlich einmal einen gebührenden Abstand von mindestens fünf Punkten zum ersten Abstiegsplatz.

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Allerdings trifft hier im Keller die Mannschaft der Stunde mit fünf Siegen aus den letzten sechs Begegnungen auf Gäste, die aus den letzten drei Partien auch immerhin sieben Punkte holten. Darum fühlte sich das Ganze für den RWE-Coach überhaupt nicht nach angsterfülltem Abstiegskampf an: „Ein interessantes Spiel, weil die tabellarische Ausgangssituation und die gefühlte Situation beider Teams so gar nicht zueinander passen. Deshalb geh ich schon davon aus, dass das nicht dieser typische Abstiegskampf wird, in der zwei Mannschaften komplett auf Fehlerminimierung aus sind. Sondern es werden mit Sicherheit zwei Mannschaften sein, die absolut berechtigt sehr selbstbewusst sind. Darum glaube ich, es wird ein sehr spannendes Spiel.“
Rot-Weiss Essen: Heimdominanz wird auf die Probe gestellt
Rot-Weiss wolle logischerweise, so Koschinat, die Heimdominanz auf den Platz und schnell das Publikum hinter sich bringen. Und vor allem Aktionen nach vorne haben. „Und wenn das Waldhof in ähnlichem Maße möchte, dann wird es in jedem Fall ein abwechslungsreiches Spiel“, glaubt er.

Sicherlich ein anderes als das Hinspiel, dass die RWE-Fans in keiner guten Erinnerung haben. Damals trafen die Waldhöfer unter ihrem neuen Trainer Bernhard Trares auf eine Essener Elf, die nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzte, die zu kaum gefährlichen Torraumszenen kam und die durch ein Slapstick-Tor von Terrence Boyd am Ende nicht unverdient mit 0:1 verlor. Die gute Nachricht: der Mannheimer Sturm-Routinier ist nach Mittelfußbruch ebenso nicht mit von der Partie wie Abwehrspieler Malte Karbstein, beide befinden sich zur Zeit in Reha.
Ein interessantes Spiel, weil die tabellarische Ausgangssituation und die gefühlte Situation beider Teams so gar nicht zueinander passen
RWE-Trainer Uwe Koschinat vor dem Duell mit Waldhof Mannheim.
Dennoch schlägt Trainer Trares, beflügelt durch die jüngsten positiven Ergebnisse, optimistische Töne an: „Bei uns hat sich jetzt eine erste Elf herauskristallisiert, wir wollen die Serie von RWE unbedingt brechen, wollen mutig sein und offensiv spielen an der Hafenstraße“, bekräftigt er. Auf große Fanunterstützung kann er dabei aufgrund der ungünstigen Anstoßzeit nicht hoffen, bis Freitagvormittag waren ganze 406 Tickets für den Gästeblock verkauft.
Schöne Geste vor der Partie: Rot-Weiss hat den Gästen nach der jüngsten schrecklichen Amokfahrt in der Mannheimer Innenstadt eine Schweigeminute angeboten, die diese gerne annehmen. Danach wird es aber sicherlich zur Sache gehen. „Das Stadion kennen wir, es gibt viele Zuschauer, da steckt eine unglaubliche Power im Verein“, weiß Trares zu berichten, der besonders das Abwehrpärchen Michael Schultz/Tobias Kraulich beurteilen kann, hatte er beide als Trainer schon unter seinen Fittichen.
Rot-Weiss Essen: Schweigeminute vor dem Spiel wegen der Amokfahrt
Auf der Gegenseite gibt es ein Wiedersehen mit Sascha Voelcke, dem schnellen Außenverteidiger, den RWE eigentlich gerne behalten hätte und der sich in Mannheim schnell zu einem Stammspieler entwickelt hat. Voelcke war es auch, der im Hinspiel maßgeblich an der Vorarbeit zum 1:0-Siegtreffer beteiligt war.
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Trainer Koschinat weiß um die Stärke des Gegners am Sonntag: „Es waren drei imponierende Leistungen zuletzt bei Waldhof mit sieben Punkten. Auch den Stresstest zu Hause gegen Aachen hat man erfolgreich gemeistert. Das Gesicht der Mannschaft unter Trares hat sich verändert. Der SV Waldhof verzichtet momentan auf seine schnellen Außenbahnspieler, hält dafür das Zentrum sehr kompakt. Absoluter gamechanger war mit Sicherheit die Verpflichtung von Ferati, der auf der Zehner-Position der Mannschaft sehr viel Phantasie gibt; ein Spieler, der immer gut ist für den überraschenden Pass und sehr torgefährlich ist. Dazu hat sich ein Sturmduo gefunden, mit dem umtriebigen Lohkemper und dem groß gewachsenen Becker, der nach seinem Wechsel zum Waldhof wieder brutal an Schwung aufgenommen hat.“ Zusammen mit Joker Julian Rieckmann stehen die drei für gut ein Drittel der Mannheimer Tore.
RWE-Trainer Koschinat sieht keinen Anflug von Überheblichkeit
Dass die stolze Essener Serie von sechs Spielen ohne Niederlage ausgerechnet daheim gegen den Abstiegskonkurrenten reißen könnte, daran verschwendet der RWE-Coach keinen Gedanken: „Ich habe mir zu eigen gemacht, weil ich sehr sehr häufig ein Serientäter mehrheitlich im positiven Sinne war, als Trainer extrem wachsam zu sein und die Führungsspieler in diesen positiven Phasen mit im Boot zu haben. Wir dürfen da auf keinen Fall Dinge einreißen lassen, aber das ist in keinem Teil geschehen. Wir haben eine unglaubliche Intensität auf dem Platz gehabt. Es deutet bislang nichts darauf hin, dass wir in irgendeiner Form leichtsinnig oder überheblich werden.“
Wovon sich bislang 15.300 Zuschauer am Sonntagabend ein Bild machen wollen.
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