von Helmut „Happo“ Tautges
Drei Siege bei einem Unentschieden aus den letzten vier Spielen: Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Bei Rot-Weiss Essen läuft es derzeit, und zwar besser als ich dachte. Was die Mannschaft in der zweiten Halbzeit in Wiesbaden ablieferte, war Hafenstraßen-Fußball pur. Dazu enthusiastische, lautstarke Fans. Stimmung statt Randale. Es passte (fast) alles.
Auch Arslans roter Turban, den die medizinische Abteilung der Gastgeber dem späteren Torschützen Ahmet Arslan fachgerecht und wohl auch kostenlos anlegten. Hippo-Gratis-Behandlung nennt man das oder so ähnlich. Danke dafür! Es tut einfach gut, mal nicht meckern, nicht nach Schuldigen zu suchen. Das Momentum ist aufseiten der Essener.
Rot-Weiss Essen: Ich bin ein Dabrowski-Fan
Der Erfolg hat viele Väter und ganz sicher ist einer dieser Väter Coach Uwe Koschinat. Ich mache keinen Hehl daraus, Fan von seinem Vorgänger Christoph Dabrowski gewesen zu sein und auch noch bin. Loyal Rot-Weiss Essen gegenüber bis in die Haarspitzen. Müßig darüber zu diskutieren, ob „Dabro“ mit diesem Spielermaterial ebenfalls den Umschwung geschafft hätte.

Es ist wie es ist und fühlt sich aktuell keinesfalls übel an. Die Verpflichtung von Uwe Koschinat war jedenfalls kein Griff ins Klo. Nach den zumindest äußerlich eher ruhig wirkenden Übungsleitern, Christian Neidhart sowie Christoph Dabrowski, steht nun ein völlig anderer Trainertyp an der Außenlinie. Was heißt steht. Der „Schängel-Vulkan“ marschiert, gestikuliert und dirigiert das gesamte Spiel über. Vierter Offizieller bei einem Match mit Beteiligung von Uwe Koschinat zu sein, gehört zu den härtesten Jobs Deutschlands. Angeblich.
RWE-Trainer Koschinat hat eine Menge zu sagen
Seine KI-(Koschi-Intelligenz) gesteuerten, wortgewaltigen Pressekonferenzen suchen ihresgleichen. Er beantwortet Fragen, bevor diese überhaupt gestellt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Zeitgenossen redet der gebürtige Koblenzer nicht nur viel, sondern hat auch ne Menge zu sagen. Es gibt übrigens noch einen erfolgreichen Trainer Uwe K. Die etwas Betagteren dürften ihn kennen; Uwe Klimaschefski. Der hat mal einen Probespieler bei laufender Dusche mit dem Ball jonglieren lassen, nur um zu sehen, wie der bei Regen spielt. Solche Methoden wendet „unser“ Uwe natürlich nicht an.

Wichtig ist, wie seine Ansprachen bei den Spielern ankommen. Siege sind die besten Argumente, um den Glauben daran zu festigen. Es ist nur eine Momentaufnahme, völlig klar, doch der positive Sinnes- wie Stimmungswandel im Vereinsumfeld kann der Mannschaft nur helfen. „Wenn du als Trainer drei Spiele hintereinander gewinnst, werfen dir die Leute Blumen zu. Wenn du dann dreimal verlierst, werfen sie immer noch, aber sie lassen die Töpfe dran.“ Ein typischer wie wahrer Spruch von Otto Rehhagel.
Rot-Weiss Essen: Koschinat trifft auf Sabrina Wittmann
Am Samstag bekommt Uwe Koschinat es mit Sabrina Wittmann, der ersten Cheftrainerin im Männer-Profifußball zu tun. Der FC Ingolstadt ist zu Gast an der Hafenstraße. Die Chancen, die Schanzer zu bezwingen, stehen nicht schlecht. Ich bin gespannt, wer von den beiden den raffinierteren Plan aushecken wird. Entscheidend ist‘s letztendlich auf dem Platz. Im Gegensatz zum Sonntag hat man bei der Wahl seines Vereins keine Wahl. Der Wahl-O-Mat ist überflüssig. Am Ende entscheidet wie in der Liebe das Herz und solange Gefühle da sind, schafft man alles. Sogar den Klassenerhalt. Und den Stadionausbau. Wenn man sich nicht gegenseitig ausspielt. Wie immer erteile ich Uwe Koschinat das letzte Wort. „Woher soll ich wissen, dass Du nix mehr sagen willst, Happo?“ In diesem Sinne, verliert nicht den Humor.
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