von Helmut „Happo“ Tautges,

ich bin wahrlich kein Fan von Schlagermusik, aber nach dem Schlagerspiel gegen Alemannia Aachen ging mir Roland Kaisers Gassenhauer „Ich glaub, es geht schon wieder los“ einfach nicht mehr aus dem Kopf. Was für ein desolater Auftritt am Tivoli. Nicht nur die Pferde am angrenzenden CHIO zogen nach dem Abpfiff ein langes Gesicht. Ich war richtig wütend, bitter enttäuscht. Die Punkte sind futsch.

RWE-Fan Helmut “Happo“ Tautges nimmt die Entwicklung bei Rot-Weiss Essen mit.
RWE-Fan Helmut “Happo“ Tautges nimmt die Entwicklung bei Rot-Weiss Essen mit.© FUNKE Foto Services | Socrates Tassos

Auf eine Szene möchte ich trotzdem noch eingehen. Es war Essens einziger gefährlicher Angriff, als Aachens Spieler Rumpf „verletzungsbedingt“ das Abseits aufhob, Rot-Weiss Essen weiterspielte, doch Arslan am Keeper scheiterte. Wütende Proteste der Gastgeber, die den Rot-Weissen Unsportlichkeit vorwarfen. Der Einzige, der sich unsportlich verhielt, war Rumpf. Es lag keine Kopfverletzung vor und nicht ansatzweise ein ärztlicher Notfall ersichtlich. Für diese Schauspielerei hätte der Schiedsrichter Gelb zücken müssen. Das würde ich auch fordern, wenn ein“ Roter“ sich so verhält.

Rot-Weiss Essen muss ganz schnell aufstehen

Was sportliche Fairness angeht, lohnt ein Blick zum Handballsport. Da wird mit offenem Visier gekämpft, kräftig zugepackt, man schenkt sich rein gar nichts, doch immer hart aber fair. Vorbildlich!  Die Koschinat-Schützlinge sollten ebenso schnell aufstehen, wie Aachens Nummer 13. Wer liegen bleibt, hat bereits verloren.

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Zum ersten Mal in meinem Fanleben fremdle ich mit dem Verein, mit den handelnden Personen, egal ob Vorstand, Aufsichtsrat, sportlich Verantwortliche und sogar mit dem überwiegenden Teil der Spieler. Zynisch ausgedrückt: Stark im Interview, weniger auf dem Rasen. Worte und Taten passen nicht zusammen. Die aktuelle sportliche Misere ist meiner Meinung nach hausgemacht und brandgefährlich.

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Man klopft sich gegenseitig auf die Schulter wie gut doch gearbeitet wird, lobt die klare Ansprache des neuen Trainers, ist von der Qualität des Kaders überzeugt. Kritische Stimmen sehen das falsch, denken nicht strategisch. Mag sein, doch ein Fakt passt da nicht ins Bild und das ist für mich das Entscheidende: RWE belegt den vorletzten Platz in der Tabelle!

Rot-Weiss Essen: Ich kritisiere die Arbeit der Sportchefs

Im RWE-Talk „Vonne Hafenstraße“ äußerten sich die beiden Sportdirektoren zur aktuellen Lage, versuchten ihre verschiedenen Aufgabenschwerpunkte aufzudröseln. Ich kritisiere nicht die Menschen Flüth- und Steegmann, das ist mir wichtig zu betonen, ausschließlich ihre Arbeit. Sorry, doch kann ich nach wie vor keinen Mehrwert aufgrund deren Aufgabenteilung für den Verein ausmachen. Wenn schon zwei Fachleute in Absprache einen Kader zusammenstellen, dann fragen sich hunderte Laien, warum erst jetzt die Erkenntnis gewachsen ist, einen „Sechser“ als Stabilisator für das Mittelfeld zu verpflichten.

Sportdirektor Christian Flüthmann (2.v.l.) und Kaderplaner Marcus Steegmann (2.v.r.), waren zu Gast in unserem RWE-Talk vonne Hafenstraße.
Sportdirektor Christian Flüthmann (2.v.l.) und Kaderplaner Marcus Steegmann (2.v.r.), waren zu Gast in unserem RWE-Talk vonne Hafenstraße.© FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

Zudem sollen die Wintertransfers sofort weiterhelfen, gleichzeitig wird um Verständnis für die sehr durchwachsene Leistung von Martinovic gebeten, weil es ja das erste Pflichtspiel für ihn im RWE-Dress war. Will sagen, die hohen Erwartungen werden nicht selten von Vereinsseite geschürt, bereits bei Vorstellung einer Neuverpflichtung. Sollte tatsächlich André Becker vom Liga-Konkurrenten Arminia Bielefeld zur Hafenstraße wechseln, dann könnte ich allerdings verstehen, wenn sie von einem überragenden Mittelstürmer sprechen würden, bei 1,97 Meter Körpergröße.

Rot-Weiss Essen: Koschinat wurden einige Wünsche erfüllt

Uwe Koschinat hat eine schwere Aufgabe übernommen. Immerhin wurden ihm, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Christoph Dabrowski, einige Wünsche erfüllt. Möge er das Beste daraus machen, nämlich den Klassenerhalt sichern. Ein Sieg am Sonntag gegen Hannovers Zweite, wäre ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Der mit Spannung erwartete Rückrunden-Auftakt in Aachen wurde für Rot-Weiss Essen zu einem Debakel. Mit 0:2 verlor RWE vor über 30.000 Zuschauern am Tivoli, die Pleite hätte sogar höher ausfallen können. "Die Lage ist beschissen", betont RWE-Kaderplaner Marcus Steegmann. Gemeinsam mit Sportdirektor Christian Flüthmann ist Steegmann nach der Demütigung in Aachen zu Gast in unserem RWE-Talk "vonne Hafenstraße". Es geht um die erschreckend schwache Leistung in Aachen, die Kaderplanung und die Kritik an den beiden RWE-Sportchefs.Nach der Niederlage beim Aufsteiger ist Rot-Weiss Essen auf Platz 19 gerutscht. Der Druck steigt an der Hafenstraße. Doch wie ist der bittere Auftritt zu erklären? Warum liefern vor allem die Führungsspieler nicht ab? Was passiert noch auf dem Transfermarkt? Diesen und mehr Fragen von Moderatorin Kira Alex und unserem RWE-Reporter Martin Herms stellen sich die beiden RWE-Sportchefs in unserer neuen Folge.