Georg Koch war ein Kämpfer. Aufgeben war für den früheren Torhüter des MSV Duisburg nie eine Option. Er stellte sich allen Widerständen. Das war in den Spielzeiten 2004/05 und 2007/08 so, als er jeweils mit den Zebras in die Fußball-Bundesliga aufstieg. Seinen letzten Kampf hat der gebürtige Bergisch Gladbacher nun verloren. Am Mittwoch wurde bekannt, dass er im Alter von nur 54 Jahren seinem Krebsleiden erlegen war. Es ist nicht fair, über Menschen in diesem Alter einen Nachruf verfassen zu müssen.

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Am Ende war keine Zeit mehr. Georg Koch hatte vor ein paar Monaten noch einmal angerufen. „Wir müssen unbedingt noch einmal ein Ding machen. Ich möchte mich bei einigen Leuten bedanken“, sagte der Duisburger Publikumsliebling. Ganz oben auf der Liste stand Ralf Pape. Der MSV-Sponsor hatte Koch im November 2024 zum Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach II in seine Loge eingeladen. Auf das Spiel, das der MSV 3:1 gewann, folgten emotionale Momente. Koch betrat den Rasen der Duisburger Arena, gestützt von Security-Mann Siegbert Grunau. Er verneigte sich vor den MSV-Fans: „Es ist überragend, was ihr hier abzieht.“ Einigen Fans stockte der Atem, mehrere Anhänger weinten. Koch war noch einmal gekommen – um Lebewohl zu sagen. Gegenüber der Redaktion sagte er damals: „So ein Tag gibt mir ganz viel Kraft.“

Im Mai 2024 hatte Georg Koch öffentlich bekannt gegeben, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Die Ärzte gaben ihm nur wenige Monate. Koch kämpfte. Er ging zwar offen mit der Erkrankung um, wollte aber nur selten ins Detail gehen: „Das zieht mich nur herunter.“ In einem Fernsehinterview trug der frühere Fortuna-Düsseldorf-Profi ein T-Shirt der Toten Hosen mit der Aufschrift „Bis zum bitteren Ende.“

MSV Duisburg - Rot Weiss Essen /20.05.2007/ Trainer Rudi Bommer und Torwart Georg Koch (MSV) jubeln ueber den Aufstieg.
Bundesliga-Aufstieg und letzter Einsatz für den MSV Duisburg im Mai 2007: Georg Koch mit Trainer Rudi Bommer (links) und Ivica Grlic.© FUNKE Foto Services | IMAGO/HORSTMUELLER GmbH

Der erkrankte Georg Koch verkroch sich nicht. Soweit es möglich war, war er präsent und versuchte, trotzdem das Leben zu genießen. Im Sommer 2024 unterstützte er im Zuge der Vorstandswahlen beim MSV Duisburg das Team von Thomas Maaßen. Koch sprach Klartext und forderte einen Neubeginn. Apropos Klartext: Der frühere Torhüter war ein Mann der klaren Worte. Da teilte er gerne auch aus. Er konnte aber auch einstecken. Er sagte einmal, dass harte Kritik aus der Presse einen Spieler motiviere, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Du wirst unvergessen bleiben. Deine Ratschläge werde ich vermissen.

Dietmar Hirsch, MSV-Trainer

MSV-Trainer Dietmar Hirsch hatte die Todesnachricht am Mittwochvormittag erhalten, als er sich mit seinem Team auf das Spiel beim FC Ingolstadt 04 vorbereitete. Der 54-Jährige war tief getroffen, musste sich aber dem Tagesgeschäft widmen. Nach dem Spiel wollte sich Hirsch nicht groß äußern. „Ich habe einen meiner besten Freunde verloren“, so der Duisburger Trainer, der von 2003 bis 2005 mit Koch zusammen beim MSV gespielt hatte. Auf „Instagram“ schrieb Hirsch später: „Du wirst unvergessen bleiben. Deine Ratschläge werde ich vermissen. Aber du wirst immer in Gedanken da sein. Danke für alles.“

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Markus Anfang, Trainer von Fortuna Düsseldorf, der mit Koch bei der Fortuna, beim 1. FC Kaiserslautern und beim MSV zusammengespielt hatte, sagte am Mittwoch gegenüber der Rheinischen Post: „Ich fühle tiefen Schmerz.“ Ex-MSV-Trainer Torsten Lieberknecht steht derzeit beim 1. FC Kaiserslautern in der Verantwortung. Bei der Spieltagspressekonferenz am Donnerstag zeigte sich der 52-Jährige erschüttert: „Man sieht, es gibt wichtigere Themen, als das, was wir hier gerade besprochen haben – weil dieses Alter und diese scheiß Krankheit auch jetzt einen weiteren Freund von mir betrifft.“

Benifiz-Spiel von Georg Koch
Enge Freunde: Markus Anfang (links) mit Georg Koch bei einem Benefizspiel im Oktober 2024.© Imago | Moritz Müller

Der MSV Duisburg schreibt in seinem Nachruf: „Das ist ein schlimmer Schock für die Zebra-Familie und die ganze deutsche Fußball-Welt. Danke für deine Zeit in Zebra-Streifen, lieber Georg. Danke für all die Momente, die du der Zebra-Familie gegeben hast.“ Viele Fans äußerten ihre Betroffenheit in den sozialen Medien. Am Sonntag spielt der MSV in der Schauinslandreisen-Arena gegen den 1. FC Saarbrücken (16.30 Uhr) wieder um Drittliga-Punkte. Dann werden Fans und Verein Georg Koch würdigen. Und Dietmar Hirsch will auch für seinen alten Freund gewinnen.