Kraftdreikampf

Witten wird einer von acht Stützpunkten

Wollen in Witten wichtige Arbeit für die Zukunft des Kraftdreikampfes leisten: Klaus Disse-Stebner (li.) und Bundestrainer Francesco Virzi.

Wollen in Witten wichtige Arbeit für die Zukunft des Kraftdreikampfes leisten: Klaus Disse-Stebner (li.) und Bundestrainer Francesco Virzi.

Foto: WAZ

Witten.   Bundestrainer Francesco Virzi besucht Studioinhaber Klaus Disse-Stebner in der Poststraße. Der erfahrene Trainer soll mit seinem Wissen den Nachwuchs fördern.

Wer auf der Suche nach neumodischem Schnickschnack ist, der ist im Fitnessstudio von Klaus Disse-Stebner in der Poststraße definitiv an der falschen Adresse. Vielmehr steht hier vor allem die Erfahrung und das Wissen des 61-jährigen Inhabers im Vordergrund. Nicht umsonst gibt es das Studio nunmehr seit bereits fast 40 Jahren.

Deutschland befindet sich im Fitness-Boom - daran gibt es keinen Zweifel. Doch während der Großteil trainiert, um im Sommer am Strand eine gute Figur abzugeben, nehmen die Kraftdreikämpfer die Sache deutlich ernster. Kraftdreikampf? Das ist eine Kombination aus den Disziplinen Bankdrücken, Kniebeuge und Kreuzheben. Disse-Stebner geht mit seinen Athleten seit vielen Jahren als KSV Fitnesskreis an den Start. So kamen unzählige Medaillen auf nationaler und internationaler Ebene zusammen.

Doch wie so viele Sportarten schlägt sich auch der Kraftdreikampf mit Nachwuchsproblemen herum. Die Anzahl der Starter stagniert. Deshalb beschloss der Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer ein neues Konzept auf die Beine zu stellen. Ein wichtiger Eckstein - regionale Anlaufpunkte für Talente. Insgesamt acht Stützpunkte gibt es nun in ganz Deutschland, einer davon ist das Studio von Disse-Stebner in Witten. Kraftdreikampf-Bundestrainer Francesco Virzi überreichte dem erfahrenen Trainer, der aktuell ohnehin schon rund 15 Athleten in seinem Studio betreut, den Stützpunkt-Status. „Klaus ist mit seiner Expertise genau der richtige Mann. Er hat schon viele bekannte Athleten betreut und gefördert“, nennt Virzi den Grund für die Auswahl. So trainierte unter anderem Daniel Flaminio, einer der stärksten deutschen Kraftdreikämpfer aller Zeiten, in Witten.

Ziel ist es vor allem Nachwuchsathleten aus der gesamten Region - auch aus anderen Vereinen - zu sammeln und gemeinsam zu betreuen. Verbessert werden soll dann vor allem die technische Ausbildung. Auch das Training in Wettkampf-Ausrüstung und mit schweren Lasten ist ein wichtiger Faktor. „Das ist in anderen Studios oft nicht möglich“, weiß Disse-Stebner um die Probleme. Bei ihm gibt es jedoch perfekte Rahmenbedingungen.

Zudem soll sich der 61-Jährige auf Talentsuche begeben - beispielsweise auf Wettkämpfen, auf denen der Trainer mit seinen Athleten ohnehin schon vertreten ist. Denn das Interesse an den drei Teildisziplinen ist spürbar angestiegen. Im Internet wimmelt es nur so von Videos vermeintlicher Fitnessexperten. Viele Sportler imitieren diese vorgemachten Übungen einfach - ohne Trainer. Dem Duo Virzi/Disse-Stebner ist das ein Dorn im Auge. „Die gesamte Sportart erfordert ein methodisches Herangehen. Aufbauübungen sind ein ganz wichtiger Faktor“, so Virzi. „Oft passt die gesamte Basis einfach nicht“, ergänzt Disse-Stebner.

So ärgert es die beiden Trainer doppelt, dass einigen Übungen eine Gesundheitsgefährdung nachgesagt wird. Denn gefährlich werden die Übungen erst bei falscher Ausführung. Kurioses Beispiel: Kniebeuge-Weltrekordler Benedikt Magnússon begann mit der Sportart in der Reha. Auch immer wieder aufkeimende Dopinggerüchte sind im BVDK fehl am Platze. „Wir sind ein sauberer Verband mit regelmäßigen Kontrollen“, betont Virzi.

Neben den neu eingerichteten Stützpunkten hat man zudem ein neues Nachwuchskonzept erarbeitet. „Wir suchen den Weg an die Schulen, wollen dort Arbeitsgemeinschaften bilden“, erklärt der Bundestrainer. Dieses Konzept wird nun den Trainern und den Vereinen an die Hand gegeben. Zudem nimmt die Öffentlichkeitsarbeit der Randsportart im Hinblick auf die Europameisterschaft in Chemnitz im nächsten Jahr einen wichtigen Platz ein. „Wer gerne an seine persönlichen Grenzen geht, der ist beim Kraftdreikampf genau richtig. Im Gegensatz zum Fußball oder anderen Sportarten gibt es messbare Parameter - alles ist nachvollziehbar“, erklärt Virzi seine Begeisterung für die Sportart. Klaus „Krake“ Disse-Stebner will mit seiner Arbeit am Standort Witten einen wichtigen Beitrag für diese leisten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben