Manchmal sind Gästetrainer um ihr Statement nicht zu beneiden: SSVg-Trainer Ismail Jaroui machte es nach der 0:5 (0:4)-Packung beim Aufstiegs-Aspiranten Fortuna Köln kurz und schmerzlos: „Das Spiel ist schnell zusammengefasst: Ich habe eine Kölner Mannschaft gesehen, die eine Klasse besser war als wir.“ So war es, und nachdem Torhüter Marcel Lenz nach 26 Minuten mit Gelb-Rot zum Duschen geschickt wurde, nachdem er die Gelbe Karte gegen ihn höhnisch beklatschte, war die Messe im Kölner Südstadion trotz des bis dahin knappen 0:1-Rückstands bereits gelesen.

Danach spielte die SSVg in Unterzahl im Stile eines sofortigen Wieder-Absteigers. Ohnehin stark im Angriff ersatzgeschwächt, schwand das Selbstvertrauen, was es noch eine Woche zuvor in Düsseldorf zu sehen gab, vollends. Ohne Robin Hilger und Diallo im Angriff waren die Offensivaktionen der Velberter an Hilflosigkeit nicht zu überbieten. Sollte sich an der Verletzten-Personalsituation bis Donnerstag nichts ändern, steht für die Heimpartie gegen den 1. FC Bocholt Schlimmstes zu befürchten.

Regionalliga West: Rot-Weiß Oberhausen - SSVg Velbert
Spürt noch keine Unruhe im Verein trotz der kritischen Lage: Velbert-Trainer Ismail Jaroui.© FUNKE Foto Services | Micha Korb

Symptomatisch für die Performance der SSVg ist auch, dass man die neun Partien bereits dreimal in Unterzahl zu Ende spielen musste. Was einen erfahrenen Spieler wie Torhüter Marcel Lenz geritten haben musste, sich zu dieser provokanten Geste gegenüber Schiedsrichter Fischbach hinreißen zu lassen, diese Frage konnte SSVg-Coach Ismail Jaroui nach Spielende auch nicht beantworten: „Ich habe jetzt noch nicht mit Marcel gesprochen, das werden wir in Ruhe intern aufarbeiten, mit ihm reden. Dann werden wir schauen, was da passiert ist. In der Halbzeit gibt es wichtigere Dinge zu besprechen, da gilt es Lösungen zu finden für die zweite Hälfte“, meinte er etwas schmallippig. Zur Pause stand es aber schon 0:4.

Ansonsten gab sich Jaroui im Hinblick auf die kommenden Aufgaben durchaus kämpferisch, auch nach neun Spieltagen ohne Erfolg sieht der Trainer noch Chancen für sein Team, dass es demnächst den Bock umstößt. „Erst einmal mussten wir heute wieder auf drei Jungs verzichten, mit Hilger, Diallo und Böhm. Das sind Jungs, die uns heute richtig hätten helfen können. Am Ende des Tages muss jedes Spiel erst einmal gespielt werden, und ich traue der Mannschaft alles zu - immer noch. Wir wissen, dass wir mit einem super engen Etat reingegangen sind in diese Saison. Und wir haben Spieler verpflichtet, die erst einmal ihre Erfahrungen sammeln müssen. Diesen Weg sind wir bewusst gegangen.“

Ansonsten haben wir richtig gute Spiele von uns gesehen. Das sind Lichtblicke, und an denen ziehen wir uns hoch

SSVg-Trainer Ismail Jaroui in einer Zwischenbilanz nach neun Spieltagen ohne Sieg in der Regionalliga.

Fünf Partien verloren, drei davon in Unterzahl, listete Jaroui auf, der das Positive herausstellte: „Ansonsten haben wir richtig gute Spiele von uns gesehen. In Düsseldorf, wo wir bis kurz vor Schluss noch geführt haben. Gegen Gladbach, wo wir früh in Führung gegangen sind. Das sind alles gute Mannschaften in der Regionalliga - und wir haben mitgehalten. Das sind die Lichtblicke, und an denen ziehen wir uns hoch.“

Der Lichtblick im Spiel im Südstadion waren einzig und allein die packenden Zweikämpfe der beiden Ex-RWE-Spieler Felix Herzenbruch und Enzo Wirtz, die der Verteidiger als klarer Punktsieger auswies. Mitte der zweiten Halbzeit war der Fortuna-Stürmer dann verschlissen und wurde ausgewechselt - ohne Torerfolg.

Trainer Jaroui verspürt jedenfalls noch keine Unruhe im Verein

Aber das bringt natürlich keine Punkte, die der Aufsteiger so bitter nötig hätte. Noch auf dem Spielfeld trafen sich SSVg-Vorsitzender Oliver Kuhn und der Sportliche Leiter Michael Kirschner gestenreich zur ersten Manöverkritik. Man darf gespannt sein, was dabei an diesem Wochenende herauskommt.

Trainer Jaroui jedenfalls verspürt noch keine Unruhe im Verein angesichts der bedrohlichen Lage: „Ich spüre keine Unruhe, ich konzentriere mich voll und ganz auf die Mannschaft. Wir blicken alle in dieselbe Richtung, wir haben alle dasselbe Ziel - und das ist der Klassenerhalt. Und daran arbeiten wir gemeinsam.“

Aber da haben sich ja schon manche Trainer in der Vergangenheit getäuscht, wenn die Lage kritisch wurde. Die nächsten Tage werden vielleicht Aufschluss bringen.

Hier der Liveticker zum Nachlesen: