Wenn Wim Verdonschot in der Velberter Sporthalle an der Tönisheider Straße auf den Boden stampft, dann kann es schon einmal sein, dass alles um ihn herum wackelt. „Die Bedingungen in Velbert sind recht gewöhnungsbedürftig. Wenn man beim Aufschlag aufstampft, gibt der Boden nach und der ganze Tisch wackelt. Dadurch ist das Netz ab und an etwas höher und man kann einen Fehlaufschlag machen“, erklärt der 20-jährige Verdonschot, der für den SV Union Velbert in der 2. Tischtennis-Bundesliga im oberen Paarkreuz spielt und nun einen riesigen Erfolg verbuchen konnte: Seinen ersten Feeder-Titel in Danzig, wodurch der Velberter großen Sprung um 49 Plätze in der Weltrangliste machte und nun auf Rang 96 steht.
Die Feeder-Series sind eine internationale Tischtennis-Turnierserie. In Danzig besiegte Verdonschot im Finale den Koreaner Cho Daesong mit 3:1, im Halbfinale hatte er gegen Kim Minhyeok, ebenfalls aus Südkorea mit 3:1 gewonnen, im Viertelfinale gegen Tom Schweiger aus Deutschland mit 3:0.
Das ist auf jeden Fall mein größter Erfolg, zuvor war immer spätestens im Halbfinale Schluss. Deshalb bin ich umso glücklicher, dass ich jetzt Gold gewonnen habe. Damit hätte ich vorher nicht gerechnet“, sagte Verdonschot danach gegenüber tischtennis.de.
Spiele in Velbert, leben und trainieren in Düsseldorf: So läuft Verdonschots Alltag ab
Einmal in der Woche trainiert der gebürtige Berliner in Velbert, den Rest der Woche verbringt er in Düsseldorf, wohnt nur zehn Laufminuten entfernt vom Deutschen Tischtennis-Zentrum – Verdonschots zweitem Zuhause. „Hier sind die Trainingsbedingungen perfekt. Das einzige, was man dann noch machen muss: jeden Tag trainieren, auch wenn man keinen Bock hat. Alles geben, dann kommt der Rest von alleine“, so Verdonschot. Um 8.30 Uhr steht er meistens auf, von 9.30 bis 12 Uhr steht die erste Trainingseinheit des Tages an, von 16 bis 18 Uhr die zweite – ein hartes Pensum. Viel Zeit für etwas anderes bleibt da nicht mehr.
Ein Glück, dass dies für Verdonschot auch gar nicht nötig ist: „Ich kann vom Tischtennis leben. Ich bekomme Geld von Velbert und von meinem Sponsor und verdiene gerade so viel, dass es perfekt reicht“, so der Velberter, der weiß, dass dies in der 2. Liga noch nicht der Normalfall ist. „Dafür muss man sonst schon in der ersten Liga spielen“, sagt er.
SV Union Velbert: Wie Wim Verdonschot zum Tischtennis fand
Seit er mit vier Jahren von seinem Vater zum ersten Mal zum Tischtennis mitgenommen wurde, hat ihn der Sport begeistert. „Ich wollte nie etwas anderes machen. Es lief schon früh gut, das hat mich motiviert. Es stand schon in den letzten Jahren meiner Schulzeit fest, dass ich das Abi irgendwie bestehen muss und dann alles auf eine Karte setze. Bisher hat sich das bewährt“, sagt er.
Auch interessant
Natürlich habe es auch mal Zweifel gegeben, Zeiten, in denen die Lust einfach nicht so groß und die Playstation nicht weniger attraktiv ist. „Aber dann habe ich mich gefragt, ob ich alles, was ich schon erreicht habe, wegschmeißen will. Die Zeit bekommst du ja nicht zurück.“
Also blieb Verdonschot dabei. Zunächst spielte er in Falkensee, ab 2016 nach einem Umzug dann beim TTC Hagen in der Landes- und der Verbandsliga, ehe es zu Borussia Dortmund in die Regionalliga und die 2. Liga ging. „Als der BVB dann in die 1. Liga aufgestiegen ist, habe ich nicht so ein gutes Angebot bezüglich meiner Einsatzzeiten bekommen und hätte auch viel in der Regionalliga gespielt. Weil mir das Niveau da zu schwach ist, stand fest, dass ich wechseln werde“, so Verdonschot.
Wim Verdonschot mag die familiäre Atmosphäre in Velbert
So vielfältig waren die Angebote aber nicht. In den ersten zwei Ligen kommen mit dem SV Union Velbert, dem 1. FC Köln (2. Liga), Erstliga-Spitzenreiter Borussia Düsseldorf, Bergneustadt, und dem BVB nur fünf Teams von 22 Teams aus Nordrhein-Westfalen. „Es gab auch Gespräche mit Köln, aber da konnte ich nicht im oberen Paarkreuz spielen. Und Velbert finde ich ganz cool. Es ist alles recht ruhig und hier herrscht eine angenehme, familiäre Atmosphäre“, erklärt der 20-Jährige seine Entscheidung für den SV Union.

Sein Potenzial ließ der ehemalige U19-Nationalspieler und westdeutsche Junioren-Meister auch Anfang des Jahres schon mehrfach mehrfach mehr als nur aufblitzen. Es strahlt einen nahezu an: 2023 wurde er mit der Deutschen U19 Dritter bei der Jugend-EM. Den gleichen Rang erreichte er beim DTTB Top-12-Turnier der U19. Bei der U21-EM ging es bis ins Achtelfinale. Anfang Februar dieses Jahres trumpfte er dann auch noch beim stark besetzten WTT Feeder auf, erreichte das Achtelfinale und bezwang dabei den Weltranglisten-32. Ricardo Walther.
Der nächste Schritt wäre nun der Perspektivkader des DTTB. „Ich denke, ich bin nah dran. Mein Ziel ist es, zum 1. Januar 2026 da reinzukommen“, sagt Verdonschot.
Lesen Sie auch
Die höchste Sprosse seiner Karriereleiter soll Velbert nicht sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass der SV irgendwann noch in die höchste Spielklasse aufsteigt, ist ob der harten Bedingungen bezüglich Personen, Böden, Kosten und Tribünen nicht besonders hoch. Kein einziger der Zweitligaklubs hat eine Erstligalizenz beantragt. „Da, wo ein Fußballverein hinter steht wie in Dortmund ist es leichter. In Velbert wissen aber auch alle, dass ich nach der nächsten Saison in die erste Liga will“, sagt Verdonschot.






