Triathlon

Timo Schaffeld: „Das war absolut grenzwertig“

Timo Schaffeld musste in Barcelona noch einmal mit seinem alten Rad antreten. Den neuen Renner gibt’s dann am Freitag.

Timo Schaffeld musste in Barcelona noch einmal mit seinem alten Rad antreten. Den neuen Renner gibt’s dann am Freitag.

Foto: Team Schaffeld

Oberhausen.   OTV-Starter Timo Schaffeld gewann beim anspruchsvollen Triathlon in Barcelona seine Altersklasse.

Mit schweren Beinen sitzt Timo Schaffeld in der Vorlesung, der Alltag an der Uni hat ihn wieder. „Das war schon richtig hart“, resümiert der Triathlet nach seinem sechsten Platz bei den „Age-Groupern“ und und seinem Altersklassensieg beim Ironman vor und in Barcelona. Dabei handelte es sich „nur“ um eine 70.3-Veranstaltung (70.3 Meilen), also eine Mitteldistanz. Zu absolvieren sind 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 km Einzelzeitfahren ohne Drafting (Windschattenfahren) und 21,1 km Laufen. Schaffeld erreichte nach 4:26,21 Stunden als bester Deutscher das Ziel und löste das Ticket für die Mittelstrecken-Triathlon-WM im September in Nizza.

Tragischer Todesfall

„Ich glaube nicht, dass die Veranstaltung unter diesen Bedingungen vom Verband in Deutschland zugelassen worden wäre“, so Schaffeld. „Das Wasser hatte angeblich die Mindesttemperatur von 15 Grad, aber meine Füße und mein Gesicht waren eingefroren. Das war absolut grenzwertig.“ Für einen Teilnehmer war die Grenze überschritten, er benötigte im Wasser medizinische Hilfe und verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Der Oberhausener Sportler des Jahres bibberte sich nach 28:59 Minuten aus dem Wasser und saß 2:26 Minuten später auf dem Rad. Leider noch nicht auf seinem neuen Renner, den er erst am kommenden Freitag abholt. „Es war das erste Mal, dass ich technische Probleme mit meinem alten Rad hatte – und das ausgerechnet auf so einer anspruchsvollen bis gefährlichen Strecke“, so der 23-Jährige, der vor dem Start ein ausgeschlagenes Lager und damit etwas Spiel am Lenker bemerkte.

Rückblick: Im Spätsommer des vergangenen Jahres ließ eine kräftige Windböe im Trainingslager auf La Palma Schaffeld mit seinem Rad von der Straße abkommen, überschlagen und vor eine Felswand knallen. Der Helm rettete ihm damals sein Leben. Mit diesen Erinnerungen im Hinterkopf ging es diesmal über serpentinenartige Straßen mit zahlreichen Schlaglöchern hunderte von Höhenmetern rauf und runter.

„Wir waren wieder mit 15 Leuten dort und besonders meine Freundin und meine Schwester hatten mich gebeten, in erster Linie doch einfach nur wieder heil vom Rad zu steigen“, so der Starter des OTV-Endurance-Teams. „Diese Strecke war wirklich heftig und ich hatte mir vorgenommen, bergauf Zeit rauszuholen und es runter etwas vorsichtiger angehen zu lassen.“

Immer gut informiert

So sammelte er rauf immer wieder Leute ein, die er nachher zähneknirschend, aber gerade in Anbetracht seines nicht topfitten Rades vernünftigerweise vorbei lassen musste.

Nach 2:36,37 Stunden ging es aus dem Sattel, 1:34 Minuten später auf die Laufstrecke. „Die Radzeit ist aufgrund der Strecke kaum mit anderen zu vergleichen. Obwohl meine Wattzahlen höher waren, habe ich 15 Minuten länger benötigt als beispielsweise in Bocholt“, erläutert der Triathlon-Weltmeister seiner Altersklasse. Um in der Kategorie 18 bis 24 Jahre auch in Barcelona die Nase vorne zu haben, musste Timo Schaffeld auf der Laufstrecke drei Minuten aufholen. „Ich war durch mein mitgereistes Team auf den verschiedenen Abschnitten immer gut informiert“, so der Ausdauerspezialist, der letztlich bei seinen 1:16,47 Stunden auch noch die Körner hatte, um den Sprint um Platz sieben der AK-Athleten und damit Rang 26 aller 2224 Starter zu gewinnen.

„Mit der besten Laufzeit aller Age-Grouper und als bester Deutscher kann ich mit dem Wettbewerb trotz der Umstände insgesamt sehr zufrieden sein“, lautete das Fazit von Timo Schaffeld, verletzungsfrei zwischen zwei Vorlesungen gezogen. Die Veranstaltung gewann der belgische Profi Bart Aernouts in 4:05,07 Stunden.

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