Basketball

Julia Gajewski: „Damals waren wir einfach an der Reihe“

Für ihren Gewinn des Deutschen Basketball Pokals durfte sich die Mannschaft 2012 ins das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Für ihren Gewinn des Deutschen Basketball Pokals durfte sich die Mannschaft 2012 ins das Goldene Buch der Stadt eintragen.

Foto: Tanja Pickartz

Oberhausen.   Am 27. April vor genau 15 Jahren feierte NBO zehn Jahre nach der Vereinsgründung den Aufstieg in die erste Bundesliga. Ein Rückblick.

An die Sektdusche kann sich Julia Gajewski noch gut erinnern. „Das war ziemlich klebrig und ich musste mich erst einmal umziehen“, schmunzelt Oberhausens wohl bekannteste Basketball-Trainerin. Am Donnerstag, 27. April vor genau 15 Jahren durfte sie mit den New Baskets den Aufstieg in die erste Bundesliga der Damen feiern.

Und das nicht einmal zehn Jahre nach der Vereinsgründung. „Das war ein großer Moment, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich überraschend war, weil wir einfach dran waren“, erinnert sich die heutige Rektorin einer Gesamtschule in Essen, die den Verein mehr als jeder andere prägte. Nach knapp 20-jähriger Tätigkeit als Trainerin bis zum Jahre 2012 ist sie auch heute noch im Vorstand des Clubs tätig. Der hat sich nach 14 Jahren Erstklassigkeit mit vielen Höhen und Tiefen im vergangenen Sommer vom Profisport verabschiedet und spielt derzeit wieder in der Regionalliga.

Die Anfänge

Damen-Basketball besaß in Oberhausen schon länger einen hohen Stellenwert. Der im positiven Sinne basketballverrückte Dieter Brauner hatte es als Lehrer des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums geschafft, gleich mehrere Generationen von talentierten Spielerinnen zu großen Erfolgen im Jugendbereich zu führen. Allerdings gab es zunehmend unterschiedlichere Auffassungen innerhalb des Vereins über die Ausrichtung der mittlerweile in der zweiten Bundesliga spielenden COBG. Der Streit gipfelte in einer recht emotionalen Spaltung, die im späten Frühjahr 1992 in der Sporthalle Ost von vielen Mitgliedern beschlossen wurde.

Während die COBG das Startrecht in der zweiten Liga behielt und 1996 unter dem Namen BCTO in die Bundesliga aufstieg, startete NBO mit den vielen Talenten aus der eigenen Jugendschmiede in der untersten Kreisliga. Die Höhepunkte der ersten Jahre beschränkten sich daher auf die Spiele im WBV-Pokal inklusive einiger rassiger Lokalderbys, da die Mannschaft in den unteren Ligen schlichtweg unterfordert war. „Ich glaube, wir haben den Pokal dreimal als unterklassiger Verein gewonnen“, ist Gajewski noch immer stolz.

Die ständige Überlegenheit änderte sich 1999 mit dem Aufstieg in die zweite Liga. „Das war vielleicht sogar noch ein größerer Schritt für uns als später der Erstliga-Aufstieg“, findet Gajewski im Rückblick. Im dritten Anlauf gelang dann 2002 der Aufstieg in die höchste Spielklasse.

Die Erfolge

Nach einer kurzen beruflich bedingten Auszeit kehrte Gajewski 2004 wieder als Trainerin zurück. Gemeinsam mit John F. Bruhnke, mit dem sie zunächst ein harmonisches und erfolgreiches Duo an der Seitenlinie bildete, führte sie das Team überraschend direkt zur deutschen Vize-Meisterschaft. Gajewski/Bruhnke wurden dafür als beste Trainer der Bundesliga ausgezeichnet. 2008 und 2009 gelang jeweils der Sprung in das Playoff-Halbfinale der Meisterschaft und der Sieg im Spiel um Platz drei.

Erster und einziger Titelgewinn war dann der Pokalsieg 2012 im bayrischen Wasserburg. Nach diesem Erfolg zog sich Gajewski endgültig vom Traineramt zurück, da sich die Aufgabe zeitlich nicht mehr mit der Arbeit als Lehrerin vereinbaren ließ. 2013 gelang erneut der Sprung ins Pokalfinale, dort unterlag das Team jedoch Gastgeber Freiburg.

2014 marschierte das Team nach Rang sieben in der Punkterunde in den Playoffs durch Siege gegen Marburg und Chemnitz überraschend ins Finale der deutschen Meisterschaft, wo erst Seriensieger Wasserburg die NBO-Damen stoppen konnte.

Die Spielerinnen

Die unangefochten bekannteste Akteurin im NBO-Trikot war Marlies Askamp. Die Centerspielerin ist bis heute die einzige deutsche Basketballerin, die in der US-amerikanischen Profiliga WNBA den Titel gewinnen konnte. Insgesamt fünf Jahre spielte sie ab 2002 für NBO und sorgte gemeinsam mit den weiteren Nationalspielerinnen Sophie von Saldern und Ute Krätschmann dafür, dass sich viele deutsche Talente den Oberhausenerinnen anschlossen, um sich hier weiter zu entwickeln. „Nicht nur ich als Trainerin habe viel von ihnen gelernt, sie haben auch mitgeholfen, junge Spielerinnen an die Nationalmannschaft heranzuführen“, so Gajewski.

NBO galt als eine der besten Adressen im deutschen Damen-Basketball für junge Nachwuchsspielerinnen. Sarah Austmann, Lea Mersch und Birte Thimm reiften hier zu Leistungsträgern der Nationalmannschaft. Aber auch Eigengewächse wie Sabrina Willerberg, Kathrin Grimm, Jessica Feike, Pia Schiffer oder Wiebke Bruns (um nur einige zu nennen) entwickelten sich zu gefragten Erstligaspielerinnen.

Hinzu kamen zahlreiche ausländische Profis, von denen einige den Fans noch in bester Erinnerung sein werden. Allen voran die von den Fidschi-Inseln stammende Valerie Nainima, die zwischen 2011 und 2014 zum absoluten Publikumsliebling wurde.

Die Trainer

Nach dem Rückzug Gajewskis gaben gleich einige Trainer in Oberhausen ihre Visitenkarte ab. Auffällig, dass dabei alle männlichen Übungsleiter wieder vorzeitig die Zelte abbrechen mussten. „Schwer zu sagen, woran das liegt“, hat Gajewski so recht keine Erklärung dafür, warum Predrag Lukic, Stefan Mienack, Wim van Ek und Ondrej Sykora bei NBO nicht zurecht kamen.

Lediglich die zuvor als Spielerin aktive Katja Zberch erfüllte alle Anforderungen und führte das Team 2013 ins Pokalfinale und 2014 ins Meisterschafts-Endspiel. „Mit ihr würden wir womöglich noch immer in der Bundesliga sein“, trauert Gajewski noch immer der Entscheidung der ehemaligen weißrussischen Nationalspielerin gegen eine Fortführung der Trainerkarriere nach.

Die Zukunft

Nach dem Rückzug in die Regionalliga will sich NBO wieder vornehmlich um den Nachwuchs kümmern. Jugendwart Helge Eggers ist für die Koordination der verschiedenen Teams und Trainer zuständig und kümmert sich um die Zusammenarbeit mit den Oberhausener Schulen, wo Mädchen-Basketball wieder verstärkt angeboten werden soll. Ein schwieriges Unterfangen in der heutigen Zeit, zumal auch gute Nachwuchstrainer rar gesät sind. Daher sind weitere Kooperationen mit anderen Clubs, wie sie derzeit in der U17 mit Recklinghausen und Bochum besteht, durchaus angedacht. Eine kurz- oder auch mittelfristige Rückkehr in den Leistungssport im Seniorenbereich ist jedoch so gut wie ausgeschlossen.

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