Zuletzt war Krefeld der Sehnsuchtsort für die Hockeyspieler des HTC Uhlenhorst Mülheim. Dort gab es die letzten beiden der insgesamt 18 Titel für den Deutschen Rekordmeister. Sieben bzw. acht Jahre ist das mittlerweile her. In Bonn sind die Mülheimer nun zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder dabei, wenn in der ehemaligen Bundeshauptstadt der neue Deutsche Meister im Feldhockey ausgespielt wird.
Im Fokus steht aber selbstverständlich zunächst das Halbfinale gegen den ewigen West-Rivalen Rot-Weiss Köln. Los geht es um 18.30 Uhr auf der Anlage des Bonner THV an der Chrstian-Miesen-Straße. „Ich spiele unglaublich gerne gegen Köln“, meinte Uhlenhorsts langjähriger Kapitän Lukas Windfeder in einem Interview mit dem Streamingsender Dyn. „Da stehen ganz viele Freunde auf der anderen Seite. Es sind immer coole Duelle, wo es richtig zur Sache geht, man sich gleichzeitig aber hinterher in die Augen guckt und weiß, da drüben stehen auch richtig geile Hockeyspieler.“
Liveticker zum Final Four: HTC Uhlenhorst trifft im Halbfinale auf Rot-Weiss Köln
An dieser Stelle tickern wir am Sonntag das Finale live. Anstoß ist um 14.30 Uhr, wir sind aber schon den ganzen Vormittag „auf Sendung“.
Ist also ein erneutes Hockeyfeuerwerk zu erwarten wie in den beiden Viertelfinalspielen in Hamburg oder kennen sich beide Teams zu gut, so dass sie sich taktisch ein Stück weit Schach matt setzen? „Wenn man sich unsere letzten fünf Spiele anguckt, von dreimal null Toren und dann vier und fünf, dann ist da alles möglich“, lachte Windfeder. Der Verteidiger kann sich aber schon vorstellen, „dass es ordentlich zur Sache gehen wird in beiden Kreisen.“ Die Frage sei dann, „wie ist die Qualität der Chancen und wie nutzt man die dann auch?“
Lukas Windfeder sieht den Hamburger Polo Club im anderen Halbfinale vorne
Nach den beiden Viertelfinal-Kämpfen am Wochenende bekamen die Mülheimer in der Woche einen Tag frei. „Den freien Tag hätten wir schon am Sonntag gebrauchen können nach der Hitzeschlacht am Samstag“, scherzte Windfeder und berichtete schmunzelnd von einem kurzen Gespräch mit Alsters Didi Linnekogel nach dem Sonntagspiel: „Wir haben uns angeguckt und gesagt: in unserem Alter sollte so ein Doppelwochenende bei den Temperaturen verboten werden.“ Mit Blick auf das ebenfalls wohl warme Final4-Wochenende waren die Duelle in Hamburg für den HTCU wohl ein guter Härtetest.
Das ist der Mülheimer Final4-Kader
Die Hockeybundesliga hat am Mittwoch bereits die Kader der teilnehmenden Teams bekannt. Beim HTCU kehrt Torhüter David Harte ins Aufgebot zurück, zweiter Schlussmann ist Janus Schiffer. In der Verteidigung spielen Pepe Steinau, Dennis Holthaus, Lukas Windfeder, Moritz Ludwig, Michel Kammann, Maximilian Stahmann und Ben Möltgen. Das Mittelfeld bilden Niklas Enaux, Warner van Gessel, Jannik Enaux, Robert Duckscheer, Max Godau und Kapitän Jan Schiffer. Für den Angriff gemeldet sind Carl Möltgen, Timm Herzbruch, Robin Holthaus, Lukas Mertgens, William Sanda, Tom Enaux und Malte Hellwig.
Gleich elf Ex-Mülheimerinnen sind bei den Damen dabei: Beim Mannheimer HC Julia Hemmerle und Aina Kresken, beim Harvestehuder THC Finja Starck, Katharina Becker, Katharina und Maren Kiefer und Teresa Martin Pelegrina, beim Großflottbeker THGC Nicola Pluta und beim Düsseldorfer HC Femke Jovy, Marie Hahn und Pia Lhotak. Dazu kommt Co-Trainer Robert Imdahl.
Und wer darf es in einem möglichen Finale sein? „Es würde mich natürlich für Niklas Bosserhoff freuen, wenn der ein Finale spielen kann, und dem dann einen Titel wegzuschnappen, wäre auch was schönes“, sagte Windfeder scherzhaft über den früheren Mülheimer in Diensten des Hamburger Polo Clubs. Dessen Team sieht er im „Hamburger Halbfinale“ gegen den Harvestehuder THC vorne. „So wie Polo durch die Hauptrunde marschiert ist, sehe ich die schon deutlich vorne und glaube, dass die ins Finale einziehen werden“, sagt der 31-Jährige.
So viel Meister-Erfahrung steckt noch im Mülheimer Aufgebot
Mit Windfeder, Kapitän Jan Schiffer, Malte Hellwig, Timm Herzbruch und Max Godau sind noch fünf Spieler dabei, die 2018 bei der ersten Meisterschaft nach 21 Jahren dabei waren. Bei der Titelverteidigung ein Jahr später gehörten auch Moritz Ludwig und Robert Duckscheer zum Aufgebot. Als der HTCU 2021 letztmals im Final Four stand, spielten auch Dennis Holthaus und Jannik Enaux mit. Soll heißen: jede Menge Neulinge mit Blick auf die Meisterschaftsentscheidung. Zumindest auf dem Feld, denn in der Halle schaffte es der HTCU ja im Winter bereits unter die letzten vier. „Halle und Feld sind aber völlig unterschiedliche Mannschaften, ein viel kleinerer Trainingskader. Für ein, zwei Jungs kann ich mir aber vorstellen, dass die Erfahrung ganz cool war und auch gut getan hat“, sagt Lukas Windfeder.

Für zwei der genannten wird es der letzte große Auftritt im HTCU-Trikot, denn Moritz Ludwig und Malte Hellwig wechseln im Sommer bekanntlich gemeinsam in die Niederlande. Zudem beendet Torhüter David Harte seine Hockeykarriere. „Das wird ein sehr, sehr emotionaler Abschied, vor allem für die zwei Jungs, die den Uhlenhorst über Jahre geprägt haben“, sagt ihr langjähriger Teamkollege. In einer ähnlichen Situation mit der Nationalmannschaft, beim Abschied von Mats Grambusch, versuchte Windfeder, das Thema während des Spiel von sich wegzuschieben. „Ich würde mich aber natürlich wahnsinnig freuen, wenn wir den beiden einen ordentlichen Abschied geben könnten.“
Mülheimer Fans fahren mit zwei Fan-Bussen nach Bonn
Dabei helfen soll wieder die berüchtigte „grüne Wand“, die den HTCU in Krefeld zu den beiden Meisterschaften getragen hat. Der Verein hat eigens zwei Fan-Busse organisiert, die am Samstag um 14.30 Uhr am Uhlenhorst abfahren, gegen 21 Uhr ist die Rückfahrt aus Bonn geplant. Wer noch einen Platz ergattern will, sollte sich schnell per Mail unter office@htc-uhlenhorst.de melden.

„Es gibt nichts, was das Event noch geiler machen würde. Alle, die in Krefeld dabei waren, haben gesehen, was da auf der Tribüne los war. Das gab es vorher so beim Final4 noch nicht und nachher auch nicht.“


