Als Luis Beckmann auch dem letzten Penaltyversuch den Weg ins Tor verwehrte, stürmte die gesamte Mannschaft des HTC Uhlenhorst Mülheim auf ihren Keeper zu. Der Mülheimer Hallenhockey-Bundesligist steht im Final Four um die Deutsche Meisterschaft! Die Uhlenhorster besiegten den Titelverteidiger Harvestehuder THC in Hamburg mit 7:6 im Gesamtergebnis. Dabei lagen die Gäste fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch mit zwei Toren zurück.

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„Es ist wirklich ein Feuerwerk an Emotionen. Ich berühre den irgendwie und dann geht er raus“, versuchte Mülheims Torwart wenige Minuten nach dem Schlusspfiff seine Emotionen rund um den letzten Penalty zu beschreiben. „Ich habe wirklich Bock gehabt und dran geglaubt bis zur letzten Minute“, sagte der Schlussmann und machte damit deutlich, wie es die Mülheimer überhaupt noch in das Shoot-Out geschafft hatten, lagen sie doch fünf Minuten vor Schluss noch mit 4:6 zurück. „Wir haben aber zu keiner Sekunde aufgehört, Hockey zu spielen“, sagte Beckmann.

Hockey-Bundesliga: Achterbahn der Gefühle für Mülheims Torwart Luis Beckmann

Auch für ihn persönlich war das Spiel eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Beim 6:4 der Hamburger sah er nicht gut aus, verhinderte aber wenig später zweimal stark die Vorentscheidung. „Mit dieser Anspannung muss man die schlechten Momente einfach rausnehmen und weiter dran glauben. Du bist ja auch nicht alleine, sondern hast die ganze Mannschaft bei dir“, sagte der glückliche Torwart am Ende.

In den Augen von Trainer Thilo Stralkowski ist der Matchplan der Mülheimer voll aufgegangen. „Wir sind in allen Phasen ruhig geblieben und haben den Glauben behalten. Das hat uns hinten raus dann den späten und wie ich finde auch verdienten Ausgleich gebracht“, meinte der Uhlenhorster Coach. Seine Mannschaft wollte sich auf keinen Fall auf ein wildes Hin und Her mit den Hamburgern einlassen. „Dafür sind sie dann vorne einfach zu gut und diesen Fehler haben zu viele Mannschaften in der Nordgruppe immer wieder gemacht“, analysierte Stralkowski.

Sein Team spielte eigentlich eine gute erste Halbzeit. Michel Kammann besorgte im ersten Viertel den einzigen Treffer. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich brachte William Sanda den HTCU erneut in Führung, der HTHC glich aber postwendend erneut aus. Mülheims Trainer Thilo Stralkowski hatte im Vorfeld eine gute Chancenauswertung als wichtigen Erfolgsfaktor genannt und dürfte sich kurz vor der Pause bestätigt gesehen haben: während sein Team vorne weitere Möglichkeiten ausließ, nutzte der Titelverteidiger die letzte Ecke vor der Pause zur ersten Führung. „Die Chancenauswertung war in der ersten Halbzeit nicht gut. Wir müssen eigentlich das 3:1 machen und dann steht es plötzlich 2:3“, haderte der Coach.

Nach dem Wechsel passierte dann das, was aus Mülheimer Sicht nicht hätte passieren sollen: das schnelle 4:2. Als Niklas Reuter sogar auf 5:2 für die Hausherren stellte, wurde der Weg für den HTCU immer länger. Doch die Mülheimer kamen zurück, verkürzten bis auf 5:4. Dann aber schlug ein eigentlich haltbarer Schuss des Ex-Mülheimers Alec von Schwerin zum 6:4 für Harvestehude im kurzen Eck ein. War‘s das?

Mertgens bringt den HTCU per Doppelschlag noch ins Penaltyschießen

Nein! Erst verwandelte Lukas Mertgens eine Ecke zum Anschlusstreffer, dann erzielte er in Überzahl – der HTCU hatte den Torwart rausgenommen – den 6:6-Ausgleich! Im Penaltyschießen erspielte sich der HTCU mit dem ersten Hamburger Fehlversuch gleich einen Vorteil. Am Ende traf William Sanda als einziger ins Schwarze. Es war das goldene Tor zum Final Four in Frankfurt. „Am Ende mussten wir natürlich alles reinwerfen aber wir sind meiner Meinung nach auch verdient ins Penaltyschießen gekommen“, urteilte Thilo Stralkowski.

HTCU - RW Köln in Mülheim an der Ruhr
Zwei Treffer zum Penaltyschießen: Mülheims bester Hallentorschütze Lukas Mertgens.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Im Halbfinale trifft der HTCU am kommenden Samstag auf den Sieger der Partie zwischen den Zehlendorfer Wespen und dem Mannheimer HC, die erst am Sonntag ausgetragen wird. Die Mülheimer werden mit dem gleichen 14er-Kader nach Frankfurt fahren. Eventuell können vor Ort noch ein oder zwei Änderungen am endgültigen Aufgebot vorgenommen werden.

Liveticker zum Nachlesen: Playoff-Viertelfinale zwischen Mülheim und Harvestehude

Mülheimer Bundesligist trauert der Chance auf den ersten Platz noch nach

„Ich habe schon erwartet, dass wir voll im Kampf um die Playoff-Plätze sein werden“, hatte Trainer Thilo Stralkowski mit Blick auf die Vorrunde, die sein Team hinter dem Crefelder HTC als Zweiter abgeschlossen hat, im Vorfeld des Viertelfinals gesagt. „Wenn man das letzte Spiel mal ausklammert, haben wir schon seine sehr starke Runde gespielt“, bilanzierte der Coach. Spätestens nach dem knappen Sieg über Gladbach sei klar gewesen, „dass wir gute Chancen haben.“

Mit einem Sieg gegen Krefeld hätte sich der HTCU im letzten Spiel sogar noch den Gruppensieg und damit das Heimrecht im Viertelfinale sichern können, er gab aber einen 5:4-Vorsprung noch aus der Hand. „Das ist schon ein kleiner Wermutstropfen, dass wir nicht Erster geworden sind, weil wir schon gerne zu Hause gespielt hätten“, sagt Stralkowski. Einer, den der HTCU mit dem Viertelfinalsieg im Rücken nun gut verschmerzen kann.