Blau-Weiß Mintard wird 75! Dank des sportlichen Aufschwungs in den letzten zwölf Jahren kennt der interessierte Sportfan die „echten Fuffziger“, wie sich der Verein mit Verweis auf das Gründungsjahr gerne nennt, als mittlerweile eines der besten Fußballteams in Mülheim. Dabei ging es in den Gründungsjahren noch um eine ganz andere Sportart.

Als nämlich Willi Steins, Willi Marten, Hans Becüwe, Werner Kührlings und Hermann Decker den Verein 1950 aus der Taufe hoben, träumten sie weniger von Flanken und Dribblings, als von Topspins und gekonnten Aufschlägen. Ihre Leidenschaft war der Tischtennissport und gerade erst hatten sie sich ihre erste hochwertige Platte zusammengespart. Ihre erste Heimat war der Pfarrsaal von St. Laurentius.

Wie die Wandlung zum Fußballverein funktionierte

Die Wandlung zum Fußballverein verdankte der Verein seinem ersten Präsidenten Hermann Decker, der 1960 ganz ohne Bagger den ersten Platz aus dem Boden stampfte. Eine Kolonne fußballverrückter Jugendlicher rückte mit Handrechen an und Gärtner Willi Marten streute mit geübter Hand über sieben Zentner Grassamen aus. Am 15. September 1962 fand dann das erste Spiel in der Ruhraue statt: Mintard besiegte Schwarz-Weiß Mülheim mit 7:3.

Mannschaftsfoto aus den Anfangsjahren der DJK BW Mintard.
Mannschaftsfoto aus den Anfangsjahren der DJK BW Mintard.© DJK | BW Mintard

In den folgenden Jahren setzten die Mintarder nicht nur auf gekonnten Fußball, sondern vor allem auch auf Spieler mit einem ausgeprägten Gespür für familiären Umgang. 1972 wurde sogar die erste Frauenabteilung ins Leben gerufen - allerdings im Turnen.

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Durch die Kreisligen kämpfte sich das DJK-Team Schritt für Schritt nach oben, bis am 20. Mai 1979 der erste große Meilenstein der Ruhrauen-Fußballer erreicht wurde: Mit einem 5:2-Erfolg über die DJK Aufwärts Heisingen stieg die Mannschaft von Trainer Karl-Heinz Heymann in die Bezirksklasse auf. Zu dem Team gehörten unter anderem die Brüder Matthias und Michael Schorn, „Rambo“ Peter Vollbert, Stratege Gerd Heppner, Comedien „Rolle“ Kamminga im Tor, Grätschenperfektionist Klaus-Dieter Wurbs (später lange Geschäftsführer) oder Pimo Renczewitz, der sich zahlreiche Elfmeter ergaunerte.

Blau-Weiß Mintard feiert Landesliga-Premiere im Jahr 2019

In den vielen Jahren der Bezirksliga-Zugehörigkeit tummelten sich weitere bunte Namen wie Thorsten Eichholz, Arndt und Torben Ridder, „Büffel“ Rochholz, Frank Burchhardt, Holger Heppner, die Walker-, Bönisch- und Skrobisch-Brüder oder „Schlagergott“ Klaus Böhs, später viele Jahre Torwarttrainer.

Größter Meilenstein der Mintard: Mathias Lierhaus mit der Schale nach dem Aufstieg in die Landesliga 2019.
Größter Meilenstein der Mintard: Mathias Lierhaus mit der Schale nach dem Aufstieg in die Landesliga 2019.© FUNKE Foto Services | Michael Dahlke

Nach fünf Jahren Kreisliga A und weiteren fünf in der Bezirksliga stieg Mintard 2019 erstmals in die Landesliga auf und hat sich dort trotz kurioser Namen auf der Trainerposition im nunmehr siebten Jahr zu einer echten Konstante entwickelt. Die soll auch der Frauenfußball wieder werden, der in der Aue nach der EM 2009 mit einer U13 und einer U15 Fahrt aufnahm und in mehreren Aufstiegen bis zur Niederrheinliga der Damen gipfelte. Nach dem zwischenzeitlichen Aus der Mintarder Frauen beginnt gerade das Comeback in der Landesliga.

Bongartz und Sané kamen mit Wattenscheid nach Mintard

Große Namen kamen aber auch als Gegner in die Aue. So zum Beispiel 1991 die damalige Bundesliga-Truppe der SG Wattenscheid 09 mit Trainer Hannes Bongartz und Stürmer Souleyman Sané - dem Vater von Leroy. Zwei Jahre später gab es ein exotisches Duell gegen die Nationalmannschaft der Seychellen. Später waren zwei Mintarder Teams zu Gast beim Deutschen Sportfernsehen in der Sendung „Power Play“, moderiert vom heutigen Bayern-Stadionsprecher Stephan Lehmann. Am Millionengewinn scheiterten sie allerdings kläglich.

RWE kommt zum Mintarder Jubiläum

Zum 75. Geburtstag der DJK Blau-Weiß Mintard gibt es auch ein standesgemäßen Fußball-Leckerbissen. Am Samstag, 13. September kommt um 15 Uhr die Traditionsmannschaft von Rot-Weiss Essen in die Aue. Sie trifft auf eine Ü40/Ü50-Auswahl der Mintarder. Parallel wird der Neubau am vorderen Kopfende der Anlage eingeweiht, nachdem es erst am Dienstag offiziell von der Stadt Mülheim abgenommen wurde.

Ernsthaft bedroht war die Existenz des Vereins eigentlich nur am 14. Juli 2021, als die gesamte Anlage nach der verheerenden Flut unter Wasser stand. Fische tummelten sich in den Tornetzen. Plätze, Kabinen, Vereinsheim – alles wurde nahezu vollständig zerstört. Es folgte eine Welle der Solidarität und eine große Hilfsbereitschaft unter den Mitgliedern. Unzählige Helferinnen und Helfer rückten an, schufteten, räumten aus, schrubbten, wuschen, bauten auf. Das Ergebnis ist ein neuer Kunstrasen, ein modernisiertes Vereinsheim und zu guter Letzt ein gerade erst fertig gestellter Neubau. Aus der Katastrophe wurde ein Neuanfang.