Diese Nachricht stimmt nicht nur die Volleyball-Gemeinde des Moerser SC tieftraurig. Sondern auch die Anhänger des Rückschlagspiels über die Grenzen des sportlichen Niederrheins hinaus. Volleyball-Ikone Chang Cheng Liu ist am Montag an den Folgen einer schweren Erkrankung verstorben. Der gebürtige Pekinger war als Cheftrainer mit dem Moerser SC in die aktuelle Drittligasaison gestartet, musste sein Amt jedoch vor knapp zwei Monaten aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Chang Cheng Liu wurde nur 62 Jahre alt.
Moerser SC verliert große Identifikationsfigur
Der Vorsitzende des Moerser SC, Guido Lohmann, bringt stellvertretend die tiefe Trauer des gesamten Vereins zum Ausdruck: „Mit Chang Cheng Liu verliert unser Verein einen herausragenden Volleyballspieler von Weltklasseniveau, der über 200 Länderspiele für China bestritten hat. Wir verlieren ebenso einen absoluten Toptrainer. Vor allem aber verlieren wir eine der großen Identifikationsfiguren des Moerser SC. Gemeinsam mit Georg Grozer als „Goldenes Duo“ war Chang Cheng in den frühen 90er-Jahren einer unserer überragenden Leistungsträger. Mit ihm feierten wir die größten Erfolge unserer Vereinsgeschichte: den Gewinn der Deutschen Meisterschaft, zwei Pokalsiege und vor allem auch den Europapokalsieg.“

Sportlich war Chang Cheng Liu auch international für die chinesische Nationalmannschaft unterwegs, nahm für das Reich der Mitte 1984 an den Olympischen Spielen in Los Angeles teil. Fünf Jahre später kam er nach Moers, spielte vier Saisons erfolgreich für den MSC und coachte das Adler-Team dann auch von 2009 bis 2016. Danach ging es für acht Jahre zum Frauenteam der Skurios Volleys Borken, wo Chang Cheng ebenfalls mit Erfolg gearbeitet hat. Bis zuletzt wohnte er auch in Borken.
Nach Cheftrainerwechsel im Januar unterstützt Chang Cheng Liu den MSC
Eine schwerwiegende Erkrankung stoppte ihn bereits im Oktober 2024 bei seinem Engagement für den Bundesliga-Aufsteiger VC Bitterfeld-Wolfen. Anfang des laufenden Jahres kehrte Chang Cheng Liu im Zuge des Trainerwechsels von Henrik Rieskamp zu Martin Schattenberg nach Moers zurück und unterstützte den Coach in der 2. Bundesliga ehrenamtlich auf dem Feld. „Volleyball ist mein Leben. Ohne das Spiel kann ich nicht sein“, erklärte Chang Cheng Liu in seinem letzten Interview gegenüber der Redaktion.
Volleyball ist mein Leben. Ohne das Spiel kann ich nicht sein.
Chang Cheng Liu, im Interview mit der Redaktion im Juli
MSC-Chef Guido Lohmann beleuchtet gegenüber der Redaktion auch das Tun außerhalb des Spielfeldes: „Über seine sportlichen Leistungen hinaus war Chang Cheng ein Mensch von außergewöhnlichem Charakter. Er begegnete den Menschen in unserem Verein stets offenherzig, respektvoll und liebevoll. Seine Disziplin, seine Hingabe an den Sport und sein Engagement für junge Volleyballtalente zeichneten ihn besonders aus. Chang Cheng Liu hat die Geschichte unseres Vereins in ganz besonderer Weise geprägt.“

Eine Prise Optimismus brachte Chang Cheng Lius stets mit ein. „Noch vor wenigen Wochen habe ich mit Chang Cheng bei uns im Garten zusammengesessen und Pläne für die neue Saison geschmiedet. Als ich ihn in der vergangenen Saison spontan um seine Unterstützung gebeten hatte, war er schon einen Tag später in Moers in der Halle. Fast die gesamte Rückrunde hat er unsere Mannschaft ehrenamtlich trainiert. Das war Chang Cheng: Er war immer da, wenn wir ihn brauchten“, schildert Guido Lohmann: „Ich persönlich verliere mit ihm einen lieben Freund. Menschen mit seiner Charakterstärke und Loyalität sind selten. Sein Tod macht mich sehr sehr traurig.“
Chang Cheng Lius Tochter Yina Liu unterstützt MSC als Co-Trainerin
Die Gedanken der Moerser Volleyballfamilie und darüber hinaus sind in diesen schweren Stunden bei seiner Frau, seinen Töchtern und der gesamten Familie. Zuletzt hatte seine 29-jährige Tochter Yina Liu, die lange Jahre in der Bundesliga gespielt hat, beim MSC den Posten der Co-Trainerin angenommen und das Team in den ersten Spielen der 3. Liga unterstützt. Zu Ehren von Chang Cheng Liu wird die Mannschaft um Trainer Thomaz Santos beim Auswärtsspiel in Aachen am kommenden Samstag (16 Uhr) und beim Heimspiel gegen die Münster Volleys am 24. Oktober (19.30 Uhr) mit einem Trauerflor auflaufen.


